Tag 190

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Hosea 11

Als Israel jung war, habe ich es in mein Herz geschlossen, und ich habe meinen Sohn aus Ägypten gerufen. Immer, wenn ich ihn rief, lief er vor mir davon. Er opferte den Baalen und verbrannte vor den Götzenstatuen Räucherwerk. Aber ich war es doch, der Israel bei seinen ersten Schritten geleitet hat. Ich hielt sie fürsorglich in meinen Armen. Sie waren sich aber gar nicht bewusst, dass ich es war, der sie geheilt hatte. Ich lenkte Israel mit Fesseln der Güte und Stricken der Liebe. Ich hob das Joch auf seinem Nacken an, um es ihm leichter zu machen, beugte mich zu ihm hinunter und gab ihm zu essen. Mein Volk weigert sich aber, zu mir zurückzukehren. Deshalb müssen sie wieder zurück nach Ägypten, und Assur soll sein König sein. … O, wie könnte ich dich aufgeben, Ephraim? Wie könnte ich dich, Israel, im Stich lassen? Wie könnte ich dich preisgeben wie Adma und zerstören wie Zebojim? Schon bei dem Gedanken daran bricht mir das Herz, und ich empfinde tiefstes Mitleid für dich. Ich will meinem glühenden Zorn nicht nachgeben. Ich will Israel nicht noch einmal vernichten, denn ich bin Gott und kein Mensch. Ich bin der Heilige, der mitten unter euch wohnt, und ich will nicht voller Zorn über euch herfallen. Denn eines Tages wird das Volk dem HERRN nachfolgen.

Er wird brüllen wie ein Löwe. Ja, er, der Herr, brüllt, und die Söhne werden zitternd vom Westen zurückkehren.

Dieser Bibeltext erinnert doch sehr stark an die Liebe, die der Vater dem verlorenen Sohn im Gleichnis Jesu (Lukas 15,11-32) entgegenbringt. Es fängt ja schon damit an, dass der HERR Israel seinen „Sohn“ nennt. Hier drängt sich das Bild des Vaters mit einem Kleinkind auf – wehmütige Erinnerungen an die Kindertage des Sohnes. Ein tief verletzter Vater erinnert sich daran, wie gut er es doch mit seinem Sohn gemeint hat und was er nicht alles angestellt hat, damit der Sohn in die richtige Spur kommt.

Nur: Der Sohn will nicht mehr in die Spur, er will weiter falsche Wege gehen und – er muss nun die Konsequenzen tragen. Das wiederum sieht der Vater nicht triumphierend oder schadenfroh, sondern in ebenso großem Schmerz. Hier charakterisiert Gott sich als jemand, der sich selbst beherrschen muss, damit er seinem Zorn nicht nachgibt. Und er weiß auch, dass eines Tages sein Volk zu ihm zurückkehren wird.

Es ist gläubigen Eltern, für den Fall, dass ihre Kinder keinen Weg mit Gott gehen, vielleicht ein Trost, dass es Gott nicht anders erging. Er kann auch ihren Schmerz nachempfinden. Und noch etwas anderes ist deutlich sichtbar: Liebe ist mehr als ein schönes Gefühl, sondern kann durchaus mit Zorn einhergehen, den man aber aus Liebe nicht ausbrechen lässt. Vielleicht kann auch dieser Gedanke einige Irrtümer bei uns korrigieren.