Johannes 2
Am übernächsten Tag war die Mutter von Jesus bei einer Hochzeitsfeier in Kana, einem Dorf in Galiläa. Auch Jesus und seine Jünger waren zu der Feier eingeladen. Während des Festes ging der Wein aus, und die Mutter von Jesus machte ihn darauf aufmerksam. „Sie haben keinen Wein mehr“, sagte sie zu ihm. „Was hat das mit mir und dir zu tun?“, fragte Jesus. „Meine Zeit ist noch nicht gekommen.“ Doch seine Mutter wies die Diener an: „Tut, was immer er euch befiehlt.“ Im Haus gab es sechs steinerne Wasserbehälter, die für die vorgeschriebenen Reinigungshandlungen der Juden verwendet wurden und jeweils rund hundert Liter fassten. Jesus sprach zu den Dienern: „Füllt die Krüge mit Wasser.“ Als sie die Krüge bis zum Rand gefüllt hatten, sagte er: „Schöpft daraus und bringt es dem Zeremonienmeister.“ Sie folgten seiner Anweisung. Der Zeremonienmeister kostete von dem Wasser, das nun Wein war. Da er nicht wusste, woher der Wein kam – denn nur die Diener, die ihn geschöpft hatten, wussten es –, ließ er den Bräutigam holen. „Eigentlich schenkt ein Gastgeber den besseren Wein zuerst aus“, sagte er. „Später, wenn alle betrunken sind und es ihnen nichts mehr ausmacht, holt er den weniger guten. Du dagegen hast den besten Wein bis jetzt zurückbehalten!“ Durch dieses Wunder in Kana in Galiläa zeigte Jesus zum ersten Mal seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.
Das erste Wunder, das Jesus vollbringt, ist, für alkoholischen Nachschub bei einer Hochzeit zu sorgen. Könnte man nicht anderes von einem Sohn Gottes erwarten?
Wir wissen nicht, warum Jesus ausgerechnet damit seine Wundertätigkeit beginnt. Vielleicht wollte er einfach nur den Menschen in ihrer jeweiligen Not begegnen, auch wenn sie nicht an die Existenz geht. Denn leere Fässer waren eine extrem peinliche Situation für den Gastgeber. Zudem hat Jesus dadurch darauf aufmerksam gemacht, dass von ihm noch mehr zu erwarten ist. Immerhin scheint seine Mutter schon irgendwie vorher begriffen zu haben, dass ihr Sohn den Gastgebern aus der Patsche helfen könnte.
Wie dem auch sei: Jesus gebärdet sich hier jedenfalls nicht als moralinsaurer Spaßverderber. Auf der anderen Seite ist das aber auch keine Legitimation für all die, die gerne einen über den Durst trinken – denn hier geht es um Jesus und seine Wunder und nicht um Richtlinien zum Umgang mit Alkohol.
