1. Mose 3
Die Frau sah: Die Früchte waren so frisch, lecker und verlockend – und sie würden sie klug machen! Also nahm sie eine Frucht, biss hinein und gab auch ihrem Mann davon. Da aß auch er von der Frucht. In diesem Augenblick wurden den beiden die Augen geöffnet und sie bemerkten auf einmal, dass sie nackt waren. … „Die Frau“, antwortete Adam, „die du mir zur Seite gestellt hast, gab mir die Frucht. Und deshalb habe ich davon gegessen.“ Da fragte Gott, der Herr, die Frau: „Was hast du da getan?“ „Die Schlange verleitete mich dazu“, antwortete sie. „Deshalb aß ich von der Frucht.“
Auch das Paradies hat seine Falltüren. Den verbotenen Baum hatten wir schon erwähnt. Hinzu kommt dann noch ein infamer Schlangerich (jawohl, im Hebräischen männlich!) und natürlich die Neigung des Menschen, auf diese Konstellation einzugehen. Es gibt den Menschen eben auch nur all-inclusive: Die Möglichkeit, sich das Leben zu verderben, trägt jeder schon von der Schöpfung her mit sich herum. Ohne dies gibt es den Menschen nicht – auch den Christen übrigens nicht.
Es ist ein populärer Irrtum, dass Adam einen Apfel gekostet hat. Dabei ist nur unbestimmt von einer „Frucht“ die Rede. In der Konsequenz ist dies allerdings gleichgültig: Das Ergebnis der Kostprobe vom Baum ist ernüchternd. In diesem Augenblick kommen Scham und Peinlichkeit in die Welt. Plötzlich müssen Adam und Eva vor ihrem Schöpfer davonlaufen. Dann kommt die nächste Folge der Sünde: das Schwarzer-Peter-Verteilen („Ich bin nicht schuld, Eva war’s“; „Nein, es war doch die Schlange“). Das kennen wir bis heute, sehr offensichtlich bei Streitigkeiten unter jüngeren Kindern, etwas subtiler bei uns selbst.
Wer nicht tut, was Gott von ihm möchte, wird die gleichen Erfahrungen machen. Gott kann aber diese Schuld nicht übersehen. Bei Adam und Eva reagiert er für unsere Begriffe sehr hart: mit Platzverweis.
