- Werbung -

Warum uns Gott gerade in dunklen Zeiten nahe ist

Stille, Dunkelheit und Einsamkeit gehören zum Leben – im Weltall wie auf der Erde. Wer kann uns helfen, während wir warten, dass es wieder hell wird?

Von Tomas Sjödin

- Werbung -

Kürzlich hörte ich im Radio eine Sendung über Michael Collins, der 2021 im Alter von 90 Jahren verstarb. Ursprünglich ein Kampfpilot in der US-Luftwaffe, ließ er sich zum Astronauten ausbilden und nahm 1969 an der Apollo 11-Mission teil, bei der erstmals Menschen auf dem Mond landeten.

Ich war damals zehn Jahre alt, und wir hatten noch einen Schwarzweiß-Fernseher. Es war toll, auch unwirklich … Collins selbst hat damals nicht seine Füße auf den Mond gesetzt; das taten seine beiden Kameraden, Neil Armstrong und Edwin Aldrin. Collins war für eine andere Rolle ausgebildet; er war der Pilot der Kommandokapsel, in der er 28 Stunden lang allein um den Mond kreiste. In die Geschichte ist er eingegangen mit dem Namen „Der einsamste Mann im Universum“.

Totale Einsamkeit

Bei jeder Mondumkreisung geriet er für etwa eine halbe Stunde in den Schatten des Mondes. Die Funkverbindung zu seinen Kameraden verstummte abrupt, ebenso die zur NASA, und es gab kein Licht mehr. Totale Finsternis, totale Stille, totale Einsamkeit. Es zog mir den Magen zusammen, als ich von diesen halben Stunden im totalen Mondschatten hörte. Wie geht man mit so etwas um, ohne in Panik zu geraten?

Ich sehe vor meinem inneren Auge das Bild von der Kommandokapsel, wie sie ihre Runden um den Mond dreht. In der Theorie weiß und kann der Pilot nach Jahren der Ausbildung für diese spezielle Aufgabe alles. Aber jetzt schlägt die Praxis zu und es wird ernst. Er wird aus dem Licht hinausgetragen in den schwarzen Schatten des Mondes.

- Werbung -

Was Collins im Weltraum erlebte, erleben wir hier auf der Erde. Es ist unmöglich, durchs Leben zu gehen, ohne manchmal in die der Sonne abgewandten Seite des Mondes zu geraten. Wenn wir glauben, dass das Leben immer glatt und reibungslos wäre, wird die Dunkelheit uns umso mehr überraschen. Wir erfahren dies auf unterschiedliche Art und Weise. Und deine dunklen Lebensstunden werden anders sein als meine, aber deswegen nicht weniger echt.

Aber wie kommen wir durch diese Finsternisse hindurch? Wie schafft man es, nicht wahnsinnig zu werden, bis das Licht wiederkommt? Die Bibel hat uns zu dieser Frage etwas zu sagen. „Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir“, singt David in dem bekanntesten und vielleicht tröstlichsten seiner Psalmen.

Eine Theologie für die dunklen Tage

Hier ist eine Theologie für die dunklen Tage. Es ist eine Theologie, die Wege zu den Wozu-Fragen öffnet. Dass wir zum Beispiel keine übermäßigen Erwartungen an das Leben stellen sollten. Dass wir die hellen Tage dazu nutzen sollten, uns im Glauben an Gottes Nähe zu üben. Und dass wir nicht vergessen dürfen, dass im Dunkel Schätze verborgen liegen können. Und ich finde Trost in dem Gedanken, dass wir die ganze Zeit von dem großen Hirten geführt werden, selbst im finstersten Tal.

- Werbung -

David, der Autor des Psalms, hat selbst mehr als einmal solche Stunden des Schweigens und der Dunkelheit erlebt, in denen Gott weit weg zu sein schien und keine Menschen da waren, die ihn hätten trösten können.

Viele Psalmen von David sind Schreie des Herzens zu einem Gott, der ihn scheinbar vergessen hat. Es gehört offenbar zum Leben dazu, dass wir durch dunkle Wegstrecken hindurchmüssen, und diese Strecken haben nicht notwendigerweise einen tieferen Sinn. Die Frage lautet eigentlich nicht: „Warum?“, sondern das Leben ist halt so.

Sie können sehr lang sein, diese Wegstrecken, lang und schrecklich, und sie sind nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen kann.

„So hatte ich mir das nicht vorgestellt.“

Ich habe entdeckt, dass ich mich in den langen Jahren meines Lebens unbewusst an drei Leitgedanken oder Lebensprinzipien gehalten habe. Der erste Gedanke lautet: „So hatte ich mir das nicht vorgestellt.“ Verbleibt man zu lange bei diesem Gedanken, riskiert man es, verbittert zu werden. Der zweite Gedanke lautet: „Es ist, wie es ist.“ Und schließlich habe ich auch dies erfahren: Wenn wir die Kraft bekommen, nicht vor unserer Realität zu flüchten, dann (und erst dann) erkennen wir das dritte Lebensprinzip: „Es kann sein, dass das Leben dir neue Träume schenkt.“ Träume, die nicht die gleichen sind wie meine alten, aber die die Hoffnung schenken, dass das Leben wieder zutiefst sinnvoll werden kann, selbst nach den größten Verlusten, Enttäuschungen und Niederlagen.

Dieses dritte Lebensprinzip ist der Weg der Hoffnung. Es war gar nicht Michael Collins, der der einsamste Mann im Universum war. Das war Jesus. Dass er in das Dunkel des Todes hineinging, ist die Garantie dafür, dass unsere Einsamkeit nicht das Ende ist. Er nahm unsere Finsternis auf sich. Und er verlässt uns nicht, wenn wir im „Mondschatten“ sind. Er kennt den Weg zum Licht, ja mehr noch: Er ist das Licht.

Tomas Sjödin lebt in Schweden. Er ist Autor und Kolumnist. Übersetzung: Friedemann Lux.



Dieser Text ist in der Zeitschrift AufAtmen erschienen, die wie Jesus.de ein Angebot des SCM Bundes-Verlags ist.

Das könnte Sie auch interessieren:

NEWS & Themen

NEWSLETTER

BLICKPUNKT – unser Tagesrückblick
täglich von Mo. bis Fr.
Wir liefern dir die interessantesten NEWS,
Interviews und Geschichten aus der christlichen Welt.
Kompakt, relevant, inspirierend.

Wie wir Deine persönlichen Daten schützen, erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.
Abmeldung im NL selbst oder per Mail an info@jesus.de

Konnten wir dich inspirieren?

Jesus.de ist gemeinnützig und spendenfinanziert – christlicher, positiver Journalismus für Menschen, die aus dem Glauben leben wollen. Magst du uns helfen, das Angebot finanziell mitzutragen?

1 Kommentar

Die Kommentarspalte wurde geschlossen.