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Volksnah und bescheiden: Neuer Kölner Erzbischof Woelki ins Amt eingeführt

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Viel Lob bekam der neue Kölner Erzbischof Woelki schon vor seinem Amtsantritt. Die Erwartungen sind hoch: Vor allem mehr Offenheit und Toleranz erhofft sich das Kirchenvolk vom Nachfolger des stockkonservativen Kardinals Meisner.

Kein Empfang für eine geschlossene Gesellschaft, sondern bei Freibier und Würstchen ein Bad in der Menge vor dem Dom: Gleich zu Amtsbeginn machte der neue Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki am Samstag klar, wie er seine Rolle an der Spitze des größten Bistums versteht. „Ich bin einer von Ihnen“, schrieb der 58-Jährige in einem „Wort zur Amtseinführung“. Er wolle „ein Bischof für alle“ sein, kündigte er an. Zentrale Aufgabe der Kirche sei, das Evangelium zu bezeugen und ein Herz für die Menschen zu haben.

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Bereits vor seiner Amtseinführung setzte Woelki klare Signale: Die Bischofswohnung seines Vorgängers Joachim Meisner wurde um mehr als ein Drittel verkleinert. Woelki benötigt keinen erzbischöflichen Kaplan als Sekretär, seinen Haushalt will er weitgehend eigenständig führen. Zu seiner Amtseinführung bat er anstelle von Geschenken um Spenden für ein Caritas-Sozialprojekt, das schwangere Roma-Frauen unterstützt.

Der gebürtige Kölner Woelki gilt als volksnaher und bescheidener Gottesmann. Auch im wenig frommen Berlin erarbeitete sich der Kardinal in den letzten drei Jahren Respekt und hohe Sympathiewerte. Er fuhr auch mal mit dem Fahrrad zum Dienst oder aß in seinem Weddinger Kiez eine Currywurst an der Bude um die Ecke.

Die Erwartungen an den gebürtigen Kölner Woelki, der nun das größte deutsche Bistum führt, sind groß. Viele Katholiken hoffen, dass der Pragmatiker sowohl die Anhänger seines erzkonservativen Vorgängers Joachim Meisner als auch die reformorientierten Gläubigen erreicht. Die evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen setzen auf neue Impulse für das ökumenische Miteinander. Islamverbände wünschen sich eine Belebung des religiösen Dialogs.

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Kirchenkenner warnen allerdings vor zu großen Hoffnungen: Bei aller Dialogbereitschaft sei Woelki in der katholischen Lehre konservativ geblieben. Ein Umsturz der Kirchen-Dogmen ist von dem beliebten Theologen nicht zu erwarten. „Der Ton wird aber ein anderer werden“, sagt Kirchenexperte Klaus Müller vom Exzellenzcluster „Religion und Politik“ der Uni Münster.

Woelkis Vorgänger Meisner war für provokante Zuspitzungen bekannt, mit denen er immer wieder Muslime, Homosexuelle oder Geschwisterkirchen gegen sich aufbrachte. Woelki setzt dagegen auf Zuhören, Dialog und ein freundliches Miteinander. Er sucht auch das Gespräch mit Homosexuellen: Sie gehörten „natürlich genauso zur Kirche wie alle anderen auch“.

Lange Zeit galt Woelki, der in Köln bereits zum Priester und zum Bischof geweiht wurde, als Ziehsohn Meisners. Promoviert wurde der frühere Kölner Weihbischof an der römischen Kreuz-Christi-Universität, die der erzkonservativen Gruppe Opus Dei zugerechnet wird. Noch als Regens des Kölner Priesterseminars galt Woelki als ausgesprochen konservativ. In Berlin habe er offenkundig eine hohe soziale Sensibilität und Kompetenz erworben, sagt Kirchenforscher Müller.

Der aus einfachen Verhältnissen stammende Theologe wollte eigentlich „ganz normaler Pastor“ werden und mit Jugendlichen arbeiten, wie er einmal verriet. Als Kind ostpreußischer Heimatvertriebener arbeitete sich Woelki hoch.

Geboren wurde Woelki am 18. August 1956 in Köln als ältestes von drei Kindern. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er Theologie und Philosophie in Bonn und Freiburg und wurde 1985 zum Priester geweiht. Nach mehreren Jahren als Kaplan und Militärseelsorger berief ihn Meisner dann 1990 zu seinem Geheimsekretär. Sieben Jahre gehörte Woelki dem innersten Zirkel des Kölner Generalvikariats an, danach wurde er mit der Leitung des Priesterseminars in Bonn betraut.

Beobachter sehen Woelki in der katholischen Kirche auf einem steilen Weg nach oben. Er wurde 2012 ins Kardinalskollegium aufgenommen, ein Jahr später nahm er als einer der jüngsten Kardinäle an der Wahl von Papst Franziskus teil. Franziskus berief ihn zudem in die vatikanische Kleruskongregation. Woelki wird zugetraut, eines Tages Erzbischof Reinhard Marx an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz zu beerben.

(Quelle: epd)

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