Tag 257

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Matthäus 5

„Ihr habt gehört, dass es im Gesetz von Mose heißt: ,Liebe deinen Nächsten‘ und hasse deinen Feind. Ich aber sage: Liebt eure Feinde! Betet für die, die euch verfolgen! So handelt ihr wie wahre Kinder eures Vaters im Himmel. Denn er lässt die Sonne für Böse und Gute aufgehen und sendet Regen für die Gerechten wie für die Ungerechten. Wenn ihr nur die liebt, die euch auch lieben, was ist daran Besonderes? Das tun sogar die bestechlichen Steuereintreiber. Wenn ihr nur zu euren Freunden freundlich seid, wodurch unterscheidet ihr euch dann von den anderen Menschen? Das tun sogar die, die Gott nicht kennen. Ihr sollt aber vollkommen sein, so wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“

Feindesliebe – geht so etwas? Kann man so etwas überhaupt verlangen? Und heißt das, dass ich ab sofort allen gegenüber milde gestimmt bin, egal was sie mir antun?

Zunächst einmal geht es darum, die Feindschaft zur Kenntnis zu nehmen. Wenn wir als Christen unsere rosa Brille aufsetzen, bemerken wir unsere Feinde gar nicht. Weder die, die uns übelwollen und noch die, denen wir eigentlich übelwollen (was man als Christ ja sowieso niemals tun würde …).

Der zweite Schritt ist es, diesen Zustand nicht zu akzeptieren. Wir halten uns in Gedanken doch gerne einen Lieblingsfeind, nicht selten einen aus dem eigenen christlichen Lager. Unser Denken kreist nur noch darum, wie wir den Feind schädigen können. Wir haben dabei die frömmsten Argumente (die hatten übrigens auch die Kreuzritter). Nur die angenehmen Menschen zu lieben, das macht sogar jeder korrupte Beamte. Doch hier fängt die Herausforderung für Christen ja erst an.

Der dritte Schritt ist der, zu erkennen, dass wir den Feind gar nicht lieben können. Damit sind wir schon nahe an der Wahrheit, denn dann kann Gott uns die Liebe für unsere Feinde schenken.

Erwarten wir nicht gleich, dass unsere Feinde mit der weißen Fahne angerannt kommen. Das kann passieren, wäre aber einseitig romantisch gedacht. Wir werden aber erleben, dass sich unser Herz sogar für die öffnet, die sich in Kriegsbemalung auf uns stürzen wollen.