Johannes 8
„Meister“, sagten sie zu Jesus, „diese Frau ist auf frischer Tat beim Ehebruch ertappt worden. Nach dem Gesetz Moses muss sie gesteinigt werden. Was sagst du dazu?“ Damit wollten sie ihn zu einer Aussage verleiten, die sie gegen ihn verwenden konnten. Doch Jesus bückte sich und schrieb mit dem Finger in den Staub. Aber sie ließen nicht locker und verlangten eine Antwort. Schließlich richtete er sich auf und sagte: „Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen!“ Damit bückte er sich wieder und schrieb weiter in den Staub. Als die Ankläger das hörten, machten sie sich einer nach dem anderen davon, die Ältesten zuerst. Schließlich war Jesus allein mit der Frau, die noch immer an der gleichen Stelle in der Mitte stand. Da richtete Jesus sich wieder auf und sagte zu ihr: „Wo sind sie? Hat dich keiner von ihnen verurteilt?“ „Niemand, Herr“, antwortete sie. „Dann verurteile ich dich auch nicht“, erklärte Jesus. „Geh und sündige nicht mehr.“
Inzwischen wollte die religiöse Elite Jesus eine Falle stellen, damit sie einen Grund hatte, ihn vor Gericht zu stellen und damit loszuwerden. Knackpunkt hier: der Konflikt zwischen dem religiösen und dem staatlichen, durch die Römer vertretenen Gesetz. Hätte Jesus die Steinigung gutgeheißen, wäre er mit dem römischen Gesetz in Konflikt gekommen, hätte er sich gegen die Steinigung ausgesprochen, wäre das gegen das Gesetz des Mose gewesen. Also saß Jesus eigentlich in einer Zwickmühle.
Doch solchen Zwickmühlen begegnet Jesus auf immer wieder überraschende Weise. Er sagt: Steinigung ja, aber nur von dem, der ohne Sünde ist – der möge bitte den ersten Stein werfen. Warum die Ankläger daraufhin die Szene verließen? Wer weiß, in was für ehebrecherische Händel sie selbst verstrickt waren! Oder wollten sie nicht mit den Römern in Konflikt geraten? Jedenfalls wurde ihnen die Situation eindeutig zu heiß – und im „Gerichtssaal“ bleibt nur noch die Angeklagte übrig. Wo kein Kläger ist, muss nun auch kein Richter mehr sein. Aber der Herr ist noch da und ermahnt die Frau, zukünftig nicht mehr zu sündigen. Es ging natürlich nicht darum, den Ehebruch zu legitimieren, das wird hier unmissverständlich klar.
Nur mit Gottes Hilfe können wir in solch intellektuell ausweglos erscheinenden Zwickmühlen so handeln, dass es allen Beteiligten gerecht wird.
