Tag 297

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Lukas 15

Und Jesus erzählte ihnen auch folgendes Gleichnis: „Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere Sohn sagte zu seinem Vater: ,Ich möchte meinen Erbteil von deinem Besitz schon jetzt haben.‘ Da erklärte der Vater sich bereit, seinen Besitz zwischen seinen Söhnen aufzuteilen. Einige Tage später packte der jüngere Sohn seine Sachen und ging auf Reisen in ein fernes Land, wo er sein ganzes Geld verprasste. Etwa um die Zeit, als ihm das Geld ausging, brach in jenem Land eine große Hungersnot aus, und er hatte nicht genug zu essen. Da überredete er einen Bauern, ihm Arbeit zu geben, und er durfte seine Schweine hüten. Der junge Mann war so hungrig, dass er die Schoten, die er an die Schweine verfütterte, am liebsten selbst gegessen hätte. Aber niemand gab ihm etwas. Schließlich überlegte er und sagte sich: ,Daheim haben die Tagelöhner mehr als genug zu essen, und ich sterbe hier vor Hunger! Ich will zu meinem Vater nach Hause gehen und sagen: Vater, ich habe gesündigt, gegen den Himmel und auch gegen dich, und ich bin es nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. Bitte stell mich als einen deiner Tagelöhner ein.‘

So kehrte er zu seinem Vater nach Hause zurück. Er war noch weit entfernt, als sein Vater ihn kommen sah. Voller Liebe und Mitleid lief er seinem Sohn entgegen, schloss ihn in die Arme und küsste ihn. Sein Sohn sagte zu ihm: ,Vater, ich habe gesündigt, gegen den Himmel und auch gegen dich, und bin es nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen.‘ Aber sein Vater sagte zu den Dienern: ,Schnell! Bringt die besten Kleider im Haus und zieht sie ihm an. Holt einen Ring für seinen Finger und Sandalen für seine Füße. Und schlachtet das Kalb, das wir im Stall gemästet haben, denn mein Sohn hier war tot und ist ins Leben zurückgekehrt. Er war verloren, aber nun ist er wieder gefunden.‘ Und ein Freudenfest begann. … Da wurde der ältere Bruder zornig und wollte nicht ins Haus gehen. Sein Vater kam heraus und redete ihm zu, aber er sagte: ,All die Jahre habe ich schwer für dich gearbeitet und dir nicht ein einziges Mal widersprochen, wenn du mir etwas aufgetragen hast. Und in dieser ganzen Zeit hast du mir nicht einmal eine junge Ziege gegeben, um mit meinen Freunden ein Fest zu feiern. Doch jetzt, wenn dein Sohn daherkommt, nachdem er dein Geld mit Huren durchgebracht hat, feierst du und schlachtest unser bestes Kalb.‘ Sein Vater sagte zu ihm: ,Sieh, mein lieber Sohn, du und ich, wir stehen uns sehr nahe, und alles, was ich habe, gehört dir. Wir mussten diesen Freudentag feiern, denn dein Bruder war tot und ist ins Leben zurückgekehrt! Er war verloren, aber jetzt ist er wiedergefunden!‘“

Das wohl berühmteste Gleichnis der Bibel. Bei uns heißt es: das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Man könnte es aber auch das Gleichnis vom missgünstigen Sohn nennen. Denn es geht auch, wenn nicht hauptsächlich, um den älteren Bruder.

Zunächst steht aber Bruder Leichtfuß im Vordergrund. Er lässt sich sein Erbe ausbezahlen (das war für die damalige Zeit shocking), sagt Adieu und lässt in der großen weiten Welt so die Sau raus, bis ihm nichts anderes mehr übrig bleibt, als ebendies zum Beruf zu machen. Manchmal muss man bis ganz nach unten, bevor es wieder aufwärtsgeht. Und obwohl er weiß, dass er es nicht verdient hat – oder besser: weil er weiß, dass er es nicht verdient hat –, nimmt der Vater ihn auch wieder mit großer Freude bei sich auf. Das ist die Gnade Gottes – ein Geschenk für den, der nichts mehr zu bringen hat.

Allerdings ist das dem älteren Bruder ein Dorn im Auge. Es geht uns eben nicht gut, wenn es uns gut geht, sondern schlecht, wenn es anderen besser geht. Und überhaupt: Jetzt biegen sich die Tische voll Köstlichkeiten, nur weil dieser Nichtsnutz ohne Geld im Beutel angekrochen gekommen ist. Wo, bitte, bleibt da die Gerechtigkeit?

Wo, bitte, bleibt aber bei einer solchen Haltung die Barmherzigkeit? Darauf weist der Vater hin. Immerhin lebte der Bruder ja über die Jahre im Wohlstand, und das Eigentum des Vaters stand zu seiner Verfügung (das war ihm wohl gar nicht bewusst). Es ist also kein Automatismus, dass, wenn man äußerlich nah beim Vater ist, ihm auch innerlich nahesteht.