Römer 7
Das Gesetz ist also gut, weil es vom Geist Gottes kommt. Ich aber bin als Mensch wie in die Sklaverei verkauft und werde von der Sünde beherrscht. Ich begreife mich selbst nicht, denn ich möchte von ganzem Herzen tun, was gut ist, und tue es doch nicht. Stattdessen tue ich das, was ich eigentlich hasse. Ich weiß, dass mein Handeln falsch ist, und gebe damit zu, dass das Gesetz gut ist. Aber ich kann mir selbst nicht helfen, weil die Sünde in mir mich zum Bösen verleitet. Ich weiß, dass ich durch und durch verdorben bin, soweit es meine menschliche Natur betrifft. Denn immer wieder nehme ich mir das Gute vor, aber es gelingt mir nicht, es zu verwirklichen. Wenn ich Gutes tun will, tue ich es nicht. Und wenn ich versuche, das Böse zu vermeiden, tue ich es doch. Aber wenn ich tue, was ich nicht will, dann tue nicht ich es, sondern die Sünde in mir.
Es ist anscheinend wie ein inneres Gesetz in meinem Leben, dass ich, wenn ich das Gute will, unweigerlich das Böse tue. Ich liebe Gottes Gesetz von ganzem Herzen. Doch in mir wirkt ein anderes Gesetz, das gegen meine Vernunft kämpft. Dieses Gesetz gewinnt die Oberhand und macht mich zum Sklaven der Sünde, die immer noch in mir ist. Was bin ich doch für ein elender Mensch! Wer wird mich von diesem Leben befreien, das von der Sünde beherrscht wird? Gott sei Dank: Jesus Christus, unser Herr! Fest steht: Meiner Vernunft nach möchte ich dem Gesetz Gottes gehorchen, aber meiner menschlichen Natur nach bin ich ein Sklave der Sünde.
Seltsam: Wenn wir doch von der Sünde befreit sind, wieso leben wir dann so ein Leben, wie es Paulus in diesem Kapitel beschreibt?
Aber wenn man genauer hinschaut, bemerkt man, dass Paulus gar nicht das „normale“ Leben eines Christen unter der Leitung des Geistes beschreibt, sondern ein verunglücktes Leben unter dem Gesetz.
Es kann also offenbar passieren, dass wir Gottes Geboten von ganzem Herzen zustimmen, aber gleichzeitig unfähig sind, nach ihnen zu leben. Wie kommt das denn? Ist es mit dem neuen Leben in Christus dann doch nicht so weit her? Haben wir zwar bessere Absichten, sündigen aber trotzdem genauso wie vorher?
Wenn wir mit Christus leben, dann werden wir eine Kluft feststellen zwischen dem, was Gott von uns will, und dem, was wir zu leisten imstande sind. Die Kluft ist nicht nur groß, sondern schlicht unüberbrückbar. Wir werden dem Anspruch Gottes nie gerecht werden, aber das ist ja das Wesen unseres Glaubens, dass wir das auch nicht müssen.
Für die konkrete Verwirklichung im Alltag heißt das, dass wir täglich an unsere sündigen Grenzen stoßen, weil wir die enge Beziehung zu Christus verlassen haben. Wir werden dann immer wieder an den Geboten Gottes anecken. Allerdings hilft es nicht, sich einen gesetzlichen Ruck zu geben und zu sagen: „Beim nächsten Mal schaffe ich es!“ Genau das ist nicht der Ausweg, den die Bibel uns bietet. Die einzige Lösung ist hier die Flucht nach oben. Hin zu Jesus, der uns vergibt, uns heil macht und einen täglichen Neustart ermöglicht.
