Tag 345

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1. Korinther 8

Nun zu der Frage, ob wir Fleisch essen, das den Götzen geopfert wurde. Ihr meint, alle müssten sich eurer Erkenntnis anpassen. Wissen kann uns ein Gefühl von Wichtigkeit verleihen, doch nur die Liebe baut die Gemeinde wirklich auf. Wer behauptet, alle Antworten zu kennen, hat in Wirklichkeit kaum begriffen, auf welche Erkenntnis es ankommt. Doch wer Gott liebt, der ist von Gott erkannt. Wie verhält es sich nun? Sollen wir Fleisch essen, das den Götzen geopfert wurde? Wir wissen alle, dass ein Götze gar kein Gott ist und dass es nur einen einzigen, wahren Gott gibt. Denn es gibt viele so genannte Götter, sowohl im Himmel als auch auf der Erde – wie es ja viele Mächte und viele Herren gibt. Wir aber wissen, dass es nur einen Gott gibt, den Vater, der alles erschaffen hat und für den wir leben. Und es gibt nur einen Herrn, Jesus Christus, durch den Gott alles erschaffen hat und durch den wir leben. Das ist allerdings nicht allen in der Gemeinde klar. Manche haben sich daran gewöhnt, Götzen für etwas Wirkliches zu halten. Wenn sie dann von dem geopferten Fleisch essen, wird ihr schwaches Gewissen beunruhigt. Es stimmt, dass wir Gottes Anerkennung nicht durch das gewinnen können, was wir essen. Wir versäumen nichts, wenn wir etwas Bestimmtes nicht essen, und wir gewinnen nichts, wenn wir es tun. Doch ihr müsst mit dieser Freiheit, die ihr habt, behutsam umgehen, damit ihr nicht einem Bruder oder einer Schwester mit einem ängstlicheren Gewissen schadet. … Lieber will ich mein Leben lang kein Fleisch mehr essen, als dass ich durch mein Tun einen anderen zur Sünde veranlasse – denn ich möchte meinem Bruder nicht schaden.

Als moderner Bibelleser ist man geneigt, dieses Kapitel zu überlesen. Offensichtlich handelt es sich um irgendein spezielles Problem der Gemeinde in Korinth. Da ist davon die Rede, ob man Fleisch essen darf, das irgendwelchen Götzen geopfert wurde. Das ist nun ziemlich weit weg; nur wenige Texte im Neuen Testament scheinen uns weniger anzugehen.

In Wirklichkeit behandelt dieser Text aber ein Thema, das gerade im Alltagsleben eine extrem hohe Bedeutung für unsere Gemeinden hat. Dazu müssen wir uns aber den Hintergrund betrachten: Es geht nämlich darum, wie die Freiheit des Christen gelebt wird – und dass diese auch in den eigenen Reihen falsch verstanden werden kann.

Der eine denkt, da Christus ihn frei gemacht hat, sei er auch frei, das zu essen, was bereits den Götzen zugedacht war. Der andere aber hat dabei Angst, Schaden an seinem Gewissen zu nehmen. Der eine ist freier, der andere skrupelhafter. Und der Skrupelhafte ist entsetzt über den Freien. Dabei unterstützt Paulus die Grundhaltung des Freien – er hat von der Freiheit desEvangeliumsherimPrinzipRecht,sollsichaberdenängstlicheren Christen gegenüber (denen Paulus hier kein Recht gibt) nicht benehmen wie die Axt im Walde.

Christen haben die Freiheit, müssen sie aber auch nicht, koste es was es wolle, ausleben (und darin besteht die Freiheit auch, nämlich die Freiheit, die Freiheit nicht zu gebrauchen). Aber Obacht: Wenn das in einem Gemeindeklima unter der Hand zu einer Diktatur der Schwachen führt (nämlich dann, wenn die Fraktion der Schwachen für sich reklamiert, dass sie Recht hat), ist der Boden des Evangeliums verlassen.

Wir praktizieren heute keine Götzenopfer mehr, diskutieren aber über viele andere umstrittene Dinge: Musik, Kleidung, Besuch von bestimmten Veranstaltungen, bestimmte Lebensgewohnheiten und so fort. Auch hier müssen wir für ein ausbalanciertes Verhältnis zwischen Starken und Schwachen sorgen.