Tag 229

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Jona 3-4

Diesmal gehorchte Jona der Anweisung des HERRN und ging nach Ninive. Jona ging eine Tagesreise weit in die Stadt hinein und predigte: „Ninive wird in 40 Tagen zerstört werden!“

Da glaubten die Einwohner Ninives an Gott, und alle, vom Höchsten bis zum Geringsten, beschlossen zu fasten und sich in Säcke zu kleiden. Als Gott sah, dass sie von ihren schlechten Wegen umgekehrt waren, bedauerte er, dass er ihnen Unheil angedroht hatte und verschonte sie. … Da ging Jona an den Ostrand der Stadt und machte sich eine Laubhütte, unter die er sich setzte, um abzuwarten, wie es mit der Stadt weiterging. Und Gott, der HERR, ließ einen Rizinusstrauch wachsen, der sich über Jonas Kopf ausbreitete und ihm Schatten gab. Das linderte sein Unbehagen und Jona freute sich sehr über den Busch. Doch Gott ließ auch einen Wurm kommen. Am nächsten Morgen bei Tagesanbruch fraß sich der Wurm durch den Busch, sodass dieser vertrocknete. Nachdem die Sonne aufgegangen war, schickte Gott einen sengenden Ostwind. Die Sonne brannte auf Jonas Kopf, bis er matt wurde und sich den Tod wünschte. „Ganz sicher ist es besser, dass ich sterbe, als dass ich lebe“, rief er. Da sprach Gott zu Jona: „Ist es richtig von dir, wegen des Rizinusstrauchs so zornig zu sein?“ „Ja“, antwortete Jona, „zornig bis zum Tod!“ Da sprach der HERR: „Dir tut es leid um den Busch, obwohl du nichts getan hast, um ihn entstehen zu lassen. Er wuchs in einer Nacht und verging über Nacht. Ninive aber hat über 120.000 Einwohner, die nicht zwischen links und rechts unterscheiden können, ganz zu schweigen von den vielen Tieren. Sollte ich eine so große Stadt nicht schonen?“

Beim zweiten Anlauf hat Jona es schließlich gepackt. Er schafft es, die erwünschte Nachricht den Einwohnern von Ninive zu predigen – und siehe da: Die tun doch tatsächlich Buße – und das geradezu musterhaft und filmreif. Da kann doch der Prophet eigentlich nur vor Freude in die Luft springen. Es ist doch selten genug, dass eine prophetische Predigt so durchschlagenden Erfolg hat.

Doch wie reagiert Jona? Er sieht sich irgendwie um die Früchte seiner Mission gebracht. Jetzt hat er schon mal den Weg auf sich genommen, und dann ist der da oben auch noch gnädig und vollstreckt das angesagte Urteil nicht einmal. (Dabei hatte sich Jona schon so auf das Live-Erlebnis eines Gottesgerichts gefreut.) Komischerweise sagt Jona dann noch, er habe ja von vorneherein die milde Reaktion Gottes vorausgeahnt, deshalb sei er ja zunächst davongelaufen. Wie ist so etwas nun zu verstehen?

Sauer auf die Gnade Gottes? Kennen wir das auch? Vielleicht gibt es auch in unserem Leben Menschen, die wir beneiden, weil sie von Gott gesegnet sind, obwohl sie vielleicht vorher gegen Gott eingestellt waren. Wir hätten immer gerne, dass eine „gerechte“ Strafe gegen die bösen Menschen vollstreckt wird.

Aber Gott macht Jona auf ebenso individuelle und liebevolle Weise klar, dass seine Ichbezogenheit in diesen Dingen völlig unangebracht ist. Jona grämt sich über eine angefressene Rizinusstaude (etwas theatralisch wünscht er sich gar den Tod!), und da soll Gott sich nicht um die Großstadt Ninive grämen?

Jona wirkt sehr egozentrisch. Zwar hat er im Fischbauch eine aufrichtige Wende erlebt, dennoch ist seine Berufungsauffassung immer noch nicht so, wie Gott es von ihm wünscht. Aber Gott hat alle Menschen lieb – auch die Sünder. Ob uns das als Diener Gottes in den Kram passt oder nicht.