Lukas 1
Als Elisabeth im sechsten Monat schwanger war, sandte Gott den Engel Gabriel nach Nazareth, in eine Stadt in Galiläa, zu einem Mädchen, das noch Jungfrau war. Sie hieß Maria und war mit einem Mann namens Josef verlobt, einem Nachfahren von David. Gabriel erschien ihr und sagte: „Sei gegrüßt! Du bist beschenkt mit großer Gnade! Der Herr ist mit dir!“ Erschrocken überlegte Maria, was der Engel damit wohl meinte. Da erklärte er ihr: „Hab keine Angst, Maria, denn du hast Gnade bei Gott gefunden. Du wirst schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen, den du Jesus nennen sollst. Er wird groß sein und Sohn des Allerhöchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihn auf den Thron seines Vaters David setzen. Er wird für immer über Israel herrschen, und sein Reich wird niemals untergehen!“ Maria fragte den Engel: „Aber wie kann ich ein Kind bekommen? Ich bin noch Jungfrau.“ Der Engel antwortete: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Macht des Allerhöchsten wird dich überschatten. Deshalb wird das Kind, das du gebären wirst, heilig und Sohn Gottes genannt werden. Sieh doch: Deine Verwandte Elisabeth ist in ihrem hohen Alter noch schwanger geworden! Die Leute haben immer gesagt, sie sei unfruchtbar, und nun ist sie bereits im sechsten Monat. Denn bei Gott ist nichts unmöglich.“ Maria antwortete: „Ich bin die Dienerin des Herrn und beuge mich seinem Willen. Möge alles, was du gesagt hast, wahr werden und mir geschehen.“ Darauf verließ der Engel sie.
Kein Zweifel, das ist eine extrem schockierende Situation, und würde heute eine junge Frau oder ein Teenager davon berichten, würde man sie, vorsichtig ausgedrückt, für etwas überspannt halten. Ob der Engel in gleißendem Licht auftritt oder aber in Gestalt eines normalen Menschen, wird nicht berichtet. Maria gerät auch nicht über sein Erscheinen, sondern über seine Worte in Erstaunen, die wirklich wie aus einer anderen Welt zu kommen scheinen.
Was Gabriel Maria zusagt, ist aber auch kaum zu fassen. Es ist erstaunlich, dass Maria nicht an ihrem Verstand zweifelt. Daraus spricht aber wiederum ein tiefes Vertrauen zu Gott. Sonst wäre die Ankündigung, dass sie als Jungfrau schwanger werden wird, auch nicht so leicht zu verkraften gewesen.
Erstaunlich ist auch, dass Maria nicht viel mehr offenbart bekommt als die Tatsache, dass der Heilige Geist über sie kommen wird. Als Leser wünscht man sich mehr Detailfreude, aber da ist die Bibel sehr zurückhaltend. Wenn es um Wunder geht, geschehen die einfach – das wird nicht minutiös geschildert – und somit bleibt immer ein Rest Geheimnis.
