Tag 244

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Johannes 4

Die Frau war überrascht, denn sonst wollen die Juden nichts mit den Samaritern zu tun haben. Sie erwiderte: „Du bist ein Jude und ich bin eine Samariterin. Warum bittest du mich, dir zu trinken zu geben?“ … Jesus erwiderte: „Wenn die Menschen dieses Wasser getrunken haben, werden sie schon nach kurzer Zeit wieder durstig. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, der wird niemals mehr Durst haben. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer nie versiegenden Quelle, die unaufhörlich bis ins ewige Leben fließt.“ „Bitte, Herr“, sagte die Frau, „gib mir von diesem Wasser! Dann werde ich nie wieder durstig und brauche nicht mehr herzukommen, um Wasser zu schöpfen.“ „Geh, rufe deinen Mann und komm mit ihm hierher“, sagte Jesus zu ihr. „Ich habe keinen Mann“, entgegnete die Frau. Jesus sagte: „Das stimmt! Du hast keinen Mann. Du hattest fünf Ehemänner, und mit dem Mann, mit dem du jetzt zusammenlebst, bist du nicht verheiratet. Das hast du richtig gesagt.“

Für einen religiösen Führer im damaligen Israel war diese Gesprächspartnerin ungefähr das Hinterletzte, was er sich zugemutet hätte. Erstens ist es eine Frau, zweitens gehört sie zu den verachteten Samaritern, und drittens hat sie offenbar einen zweifelhaften Ruf. Dass Jesus gerade diese Leute interessierte, erscheint uns heute völlig normal, war damals aber extrem anstößig. Es war da durchaus üblich, nichts zu trinken anzubieten.

Das ist aber nur der Beginn eines Glaubensgesprächs, in dem die Frau sehr schnell auf den Trichter kommt, dass es sich bei Jesus um einen außergewöhnlichen Menschen handelt. Die banale Geschichte mit dem Wasser wird sofort geistlich angewandt, das wirkt für heutige Verhältnisse geradezu plump evangelistisch. Wir hätten die Dame wohl eher in einen Gästegottesdienst eingeladen.

Im zweiten Teil des Gesprächs kommt Jesus auf den nomadenhaften Lebensstil der Frau zu sprechen (jedenfalls was ihre Männer angeht). Diese Hellsichtigkeit kann die Frau nur verblüffen.

Dann schließlich stellt sie Jesus die Frage nach dem richtigen Ort der Anbetung. Die Samariter beteten Gott auf dem Garizim an, die Juden im Jerusalemer Tempel. Und die Frau fragt, wie es denn nun richtig sei. Das, was Jesus dann sagt, ist ebenso eigenständig wie überraschend (nämlich „weder – noch“: Man wird im Geist anbeten und nicht an besonderen Orten). Daraufhin offenbart sich Jesus dieser Frau als Messias.

Randbemerkung: Anbetung meint übrigens in der Bibel keine besondere Gebetsform, wie es öfter verstanden wird, sondern die Tatsache des Anerkennens Gottes, die sich im Gebet äußert (man betet Gott an oder beispielsweise einen Götzen).