Matthäus 26
Dann ging Judas Iskariot, einer der zwölf Jünger, zu den obersten Priestern und fragte sie: „Wie viel bezahlt ihr mir, wenn ich Jesus an euch verrate?“ Und sie gaben ihm dreißig Silberstücke. … Als es Abend war, setzte sich Jesus mit den zwölf Jüngern an den Tisch. Während sie aßen, sagte er: „Ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten.“ Zutiefst erschrocken begannen sie, ihn nacheinander zu fragen: „Doch nicht ich, Herr, oder?“ Er antwortete: „Einer von euch, der jetzt mit mir isst, wird mich verraten. Der Menschensohn muss sterben, wie es die Schrift vor langer Zeit vorausgesagt hat. Doch wie schrecklich wird es erst seinem Verräter ergehen! Es wäre besser für ihn, er wäre nie geboren worden!“ Auch Judas, der ihn verraten sollte, fragte: „Rabbi, ich bin es doch nicht etwa, oder?“ Und Jesus entgegnete ihm: „Du hast es selbst gesagt.“
Warum hat Judas den Herrn verraten? Wollte er kurz vor Toresschluss sich doch noch auf der vermeintlich richtigen Seite wiederfinden und daraus auch noch Kapital schlagen? Oder war er von Anfang an ein falscher Fuffziger im Jüngerkreis? Wir wissen es nicht: Vielleicht war er auch nur besonders nüchtern und realistisch (sind Kassierer ja schon mal) und hat als Erster gesehen, dass es mit Jesus „schiefgehen“ wird. Es gibt ja auch einen Realismus des Teufels. Und gegen den kann man gar nicht gut argumentieren, sondern nur gegen ihn glauben!
Aber warum hat Jesus dann Judas überhaupt zur Nachfolge ausgewählt? Warum hat er denn uns ausgewählt? Doch nicht, weil wir so toll sind. Er weiß doch um unser Gefährdungspotenzial. Auch die Jünger insgesamt waren nicht gerade eine Elitetruppe. Es kann nur die Liebe zu Judas gewesen sein, die dieser allerdings nicht annimmt. Mit dieser Möglichkeit – äußerlich dabei und gleichzeitig innerlich emigriert zu sein – muss auch in den frömmsten Kreisen gerechnet werden.
