Tag 319

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Lukas 22

Dann verließ Jesus zusammen mit seinen Jüngern den Raum und sie gingen wie gewohnt zum Ölberg. Dort forderte er sie auf: „Betet, damit ihr der Versuchung nicht erliegt.“ Er entfernte sich etwa einen Steinwurf weit, kniete nieder und betete: „Vater, wenn du willst, dann lass diesen Kelch des Leides an mir vorübergehen. Doch ich will deinen Willen tun, nicht meinen.“ Da erschien ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Aber er war von Angst erfüllt und betete noch heftiger und kämpfte so sehr, dass sein Schweiß wie Blut auf die Erde tropfte. Schließlich stand er auf und ging zu den Jüngern zurück, die, erschöpft vor Kummer, eingeschlafen waren. „Warum schlaft ihr?“, fragte er. „Steht auf und betet. Sonst wird die Versuchung euch überwältigen.“

Man stellt sich ja manchmal so vor, dass der Sohn Gottes seine Leiden doch hätte durchmachen können, ohne mit der Wimper zu zucken. Erstens war er doch Gottes Sohn (warum dann Schmerzen und innere Nöte?), und zweitens wusste er doch irgendwie, wie die Sache ausgeht.

Diese Frage hat schon viele beschäftigt. Manche haben dann etwa den Schluss gezogen, dass Jesus vor seinem Tod in Wirklichkeit vom Kreuz gestiegen sei und nur einen scheinbaren Leib dort habe hängen lassen (auf solch eine abstruse Gedankenakrobatik sind allerdings mehr Leute reingefallen, als man denkt!).

Aber die Person Jesu entzieht sich solcher Schlussfolgerungen. Jesus war ganz und gar Mensch, und nicht nur teilweise oder in bestimmten Aspekten. Er hat genauso gelitten, wie wir an seiner Stelle leiden würden. Es ist mit Mitteln unserer Logik nicht auflösbar, dass Jesus auch Gottes Sohn ist. Jahrhundertelang hat die Alte Kirche dafür gekämpft, dass dies nicht zu der einen oder anderen Seite hin verkürzt wird. Es ist für unseren Glauben ganz entscheidend, dass Jesus realer Mensch war und als Mensch ans Kreuz ging. Nur so konnte er wirklich unser Stellvertreter sein.

Die Jünger indessen haben nicht mehr die Kraft, das mit durchzuhalten, und fallen in eine Erschöpfungsdepression. Jesus geht mit ihnen aber durchaus robust um und ermahnt sie zum Aufstehen und Beten. Wir meinen manchmal, dass gegen solche Traurigkeiten jemand hilft, der zu uns „du armes Häschen“ sagt. So etwas macht aber eher geistlich mürbe als standhaft, auch wenn solche Worte uns zunächst wie Balsam erscheinen.