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„Das ewige Leben hat eine große Anziehungskraft“

Die Theologin Friederike Schmidt erklärt, warum die Auferstehung Jesu nicht nur eine alte Glaubensbehauptung ist, sondern ein radikaler Hoffnungspunkt für moderne Menschen – auch für Skeptiker.

Friederike, unser Thema ist die Auferstehung von Jesus Christus. Viele Menschen glauben nicht daran. Man kann sie, auch als Christ, gut verstehen, oder?

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Friederike Schmidt: Total. Dass jemand von den Toten aufersteht, ist eine ziemlich verrückte Behauptung. Denn wenn eine Sache sicher ist, dann die, dass wir alle irgendwann sterben. Dass Tote auferstehen, widerspricht unserem Wissen über die Welt. Das war übrigens auch in der Antike schon so: Dass jemand von den Toten aufersteht, war damals genauso unplausibel und skandalös wie heute.

Wie oft begegnet dir diese ungläubige Skepsis?

Ich wohne in Berlin, also im Osten Deutschlands, da wissen viele gar nicht, worum es geht. Ich glaube, dass vielen nicht bewusst ist, was das eigentlich Radikale ist. Denn dass Jesus auferstanden ist, das ist nicht einfach eine verrückte Geschichte in der Vergangenheit, sondern das hat auch mit Fragen und Sehnsüchten der Menschen von heute zu tun.

Und wie reagiert man angemessen auf diese Fragen und Sehnsüchte?

Ich glaube, es ist erst mal wichtig, die Person genau zu verstehen: Was steckt hinter der Frage? Welche Vorannahmen und Vorstellungen hat jemand? – um dann gemeinsam auf eine theologische Reise zu gehen. Der Glaube an die Auferstehung ist total aktuell. Da geht es ja um große existenzielle Fragen: nach dem ewigen Leben, nach Sinn und Bedeutung im Leben hier. Darum, wie es weitergeht, um Hoffnung. Diese Fragen sind aktueller denn je.

Was ist es denn, das die Menschen beschäftigt?

Das ewige Leben hat eine große Anziehungskraft. Ich verfolge ein bisschen die Debatten um Transhumanismus, KI. Da wird versucht, das Leben zu verbessern und zu verlängern. Viele unternehmen große Anstrengungen, um das Leben zu optimieren oder den körperlichen Verfall aufzuhalten. Ich glaube, dahinter steckt, dass viele Menschen große Angst vor dem Tod haben, weil er zerstörerisch ist: Er macht kaputt, was wir im Leben aufgebaut haben und uns Sinn und Bedeutung gegeben hat.

„Die christliche Auferstehungs­hoffnung ist etwas Radikales. Darin steckt eine reale Hoffnung mit ­Auswirkungen auf unsere Gegenwart und Zukunft.“

Da gibt die Perspektive eines ewigen Lebens Hoffnung?

Ich glaube, letztlich suchen viele nach einem Sinn, der über sie hinausgeht. Das ist eine ganz tiefe Sehnsucht. Man baut sich ein „sicheres“ Leben auf, hofft auf ein „Happy End“. Aber es gibt eine Diskrepanz: Wir haben eine Ahnung, dass menschliches Leben eigentlich anders sein sollte, aber selbst erreichen können wir es nicht. Da ist die christliche Auferstehungshoffnung etwas total Radikales. Denn sie sagt: Deine Sehnsucht ist nicht unbegründet, Gott hat sie dir ins Herz gelegt. Und darin steckt eine große, reale Hoffnung mit Auswirkungen auf unsere Gegenwart und Zukunft:­ Wenn es stimmt, dass Jesus auferstanden ist, dann gibt es ein Leben nach dem Tod. Der Tod ist nicht das Ende, da gibt es mehr! Und auch in diesem Leben macht das einen Unterschied.

Was kannst du als Christin anderen Menschen sagen, was ihnen weiterhilft?

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Ich glaube, es hilft, ehrlich zu sein. Auch mit der Hoffnung auf die Auferstehung ist unser Leben nicht frei von Grenz- oder Leiderfahrungen. Ich bin vor ein paar Jahren durch eine Phase der Erschöpfung und Depression gegangen und habe stark gemerkt, wie begrenzt alles im Leben ist. Aber in der Situation hat mir der Blick auf die christliche Auferstehungshoffnung die Kraft gegeben, meine Grenzen zu akzeptieren. Denn ich weiß: Gott liebt diese Welt, er hat sie schön gemacht. Aber sie ist nicht alles. Das entlastet mich. Ich muss mein Leben und auch die Welt nicht retten. Und wo ich scheitere, mit Grenzen oder sogar Tod konfrontiert bin, gibt es etwas, das über mich hinausgeht, das mir Hoffnung gibt und mich tröstet. Weil Gott die Welt schon gerettet hat, darf ich Schwäche zeigen.

Du sprichst oft auch über eigene Erfahrungen?

Auf jeden Fall, aber ich versuche, ehrlich zu sein und ein realistisches Bild vom Glauben zu vermitteln: Ich bin ein eher nüchterner, rationaler Mensch, ich könnte nicht sagen, dass ich Gott oder Jesus jeden Tag spüre. Trotzdem ist der Glaube für mich real. Oft schon habe ich im Gebet, im Gespräch mit Gott, erlebt, dass mich etwas sehr beschäftigt, belastet – und sich dann so etwas wie eine 180-Grad-Wendung einstellt. So etwas kann nicht von mir kommen. Ich selbst bin innerlich aufgewühlt – und merke im Gebet: Gott ist anwesend, er hört mich und begegnet mir mit seinem Frieden und seiner Hoffnung. Das ist nichts, was man beweisen kann. Aber ich habe das persönlich so erlebt.

„Dass Jesus auferstanden ist, verändert alles“

Friederike Schmidt

Viele Christen und Kirchen drücken ihren Glauben über Musik und Lieder aus, weil das etwas zum Klingen bringt, was Worte nicht ausdrücken können. Gibt es ein Osterlied, das dir besonders aus dem Herzen spricht?

Es gibt tatsächlich zwei. Das ältere stammt aus dem 12. Jahrhundert: „Christ ist erstanden“. Da gibt es die Strophe: „Wär er nicht erstanden, so läg die Welt in Banden.“ Das macht deutlich: Die Auferstehung ist der Dreh- und Angelpunkt unserer Hoffnung. Dass Jesus auferstanden ist, verändert alles: unseren Blick auf die Welt heute und unsere Zukunft – die Auferstehung, das ist Transformation.

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Das zweite Lied von Stuart Townend, fängt an mit „See what a morning, gloriously bright with the dawning of hope in Jerusalem” (Was für ein Morgen, strahlend hell, mit dem Dämmern der Hoffnung in Jerusalem). Ich liebe dieses Lied! Es zeichnet ein fröhliches, positives Bild von dem, was uns erwartet: Darauf können wir uns freuen!

Können Christen und Gemeinden dazu beitragen, dass ihre Mitmenschen die Bedeutung und den Sinn von Ostern besser verstehen?

Diese Hoffnung ist nicht passiv, keine Vertröstung aufs Jenseits, die sagt: „Irgendwann wird alles besser.“ Die christliche Hoffnung ist aktiv. Dass Jesus einmal alles neu machen wird, motiviert uns, die Gemeinschaft, in der wir leben, heute schon positiv zu gestalten, uns mit einer fröhlichen Perspektive dieser Welt zuzuwenden und die Hoffnungs-Geschichte zu erzählen, dass Gott diese Welt nicht aufgegeben hat.

Und schließlich: Wenn Gott aus Mitgefühl in diese Welt gekommen ist, dann sollte uns das auch motivieren, den Menschen um uns herum mit Mitgefühl zu begegnen. Da können wir einen großen Unterschied machen. Ich glaube, wir müssen Auferstehung wieder mehr als eine Hoffnungsbotschaft begreifen, auch für unsere Gesellschaft und die Zukunft.

Am Ende persönlich gefragt. Ohne Ostern, ohne Jesus und die Auferstehung … Wie würdest du den Satz beenden?

Ohne Ostern wäre mein Glaube, mein Leben ziemlich trist. Ich müsste mich damit zufriedengeben, wie die Welt ist. Ich bin ein sehr gerechtigkeitsempfindsamer Mensch, mich bewegt, was in dieser Welt passiert. Und wenn ich nicht wüsste, dass Gott sich etwas Besseres für diese Welt wünscht, und wenn es die Hoffnung der Auferstehung nicht gäbe, dann müsste ich akzeptieren, dass es ist, wie es ist. Ich sehne mich danach, dass Gott Ungerechtigkeit ausmerzt, dass Böses zur Verantwortung gezogen wird, dass alles Leid gestillt wird und dass das Gute, die Schönheit der Auferstehung siegt. Das motiviert mich, Dinge anzupacken und mich für Veränderung einzusetzen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Jörg Podworny für das Magazin lebenslust, das wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

Friederike Schmidt ist Referentin des Pontes Instituts für Wissenschaft, Kultur und Glaube, das Brücken bauen will zwischen Glauben und Denken.

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