Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat am Donnerstag die Darstellung des Fernsehmagazins «stern TV» zurückgewiesen, sie habe der gekündigten Vikarin Carmen Häcker einen «Deal» angeboten.
Nach Angaben des Magazins hatte die Kirche der Vikarin, die wegen einer Heirat mit einem Muslim den landeskirchlichen Dienst verlassen muss, die Fortsetzung ihrer Ausbildung in einer anderen Landeskirche in Aussicht gestellt, sofern sie nicht bei «stern TV» auftrete.
Kirchensprecher Oliver Hoesch teilte mit, die Landeskirche arbeite vertraulich mit anderen Landeskirchen «an einer konstruktiven Lösung» für Frau Häcker. Die Auflage, nicht in Fernsehsendungen aufzutreten, sei damit nicht verbunden. Hoesch wies darauf hin, dass in Württemberg mit der Aufnahme in das Vikariat bereits der Pfarrdienst beginne, weshalb besondere «Dienst- und Treuepflichten» schon für Vikare gälten. Dazu zähle auch die Auflage, dass der Ehepartner evangelisch, zumindest aber christlich sein müsse. In anderen Landeskirchen sei das Vikariat dagegen ein privatrechtlich organisiertes Ausbildungsverhältnis, in dem das Pfarrdienstrecht noch nicht gelte.
«stern TV» hatte geplant, am Mittwochabend mit Carmen Häcker über ihren Fall zu reden. Kurz vor der Sendung habe sie abgesagt mit dem Hinweis auf die Auflage der Landeskirche. Auf Anfrage des epd wollte sich Häcker am Donnerstag nicht zu dem Vorfall äußern. Sie rechne in den nächsten Tagen mit einer Klärung ihrer Situation.
Bei «stern TV» verteidigte der Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein die Entscheidung der württembergischen Landeskirche. Privatleben und Beruf seien bei Pfarrern nicht zu trennen. Häckers Ehemann «glaubt an einen anderen Gott und meint damit, dass das, was die Pfarrerin verkündet, nicht die Wahrheit ist», sagte Beckstein. Nicht optimal finde er allerdings, dass die evangelische Kirche versucht habe, die Auseinandersetzung «unter der Decke zu halten».
Vikarin Carmen Häcker aus dem Kirchenbezirk Crailsheim hatte im August einen Mann muslimischen Glaubens aus Bangladesch geheiratet. Daraufhin wurde sie von der Kirchenleitung vom Dienst suspendiert und zum 31. Dezember entlassen. Ihr Einspruch beim kirchlichen Verwaltungsgericht soll im Januar verhandelt werden.
(Quelle: epd)
