Unbequemer Theologe: Jenaer Jugendpfarrer Lothar König verstorben

Der Jenaer Jugendpfarrer Lothar König ist tot. Bundesweit bekannt wurde er durch sein Engagement gegen Rechtsradikalismus – was ihn vorübergehend sogar in Konflikt mit der Justiz brachte.

Von Matthias Thüsing (epd)

Zigarette, lange Haare, Rauschebart: Lothar König, der langjährige Stadtjugendpfarrer von Jena, stach aus der Menge hervor. Nicht nur wegen seines Äußeren, sondern auch, weil er streitbar und oft unbequem war. Der evangelische Theologe, der nach Protesten gegen Neonazi-Aufmärsche 2011 in Dresden bundesweit bekannt wurde, ist am Montag im Alter von 70 Jahren gestorben.

Lothar König war eine unglaublich beeindruckende Persönlichkeit, ehrlich, dem Menschen zugewandt und immer konsequent gegenüber denjenigen, die die Menschenwürde einschränken“, sagte der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora, Jens Christian Wagner, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Königs Engagement gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus sei beispielgebend gewesen.

Umstrittenes Engagement

In den 2010er Jahren engagierte sich der Theologe mit seinem alten umgebauten VW-Bus samt Lautsprecheranlage auf zahlreichen Kundgebungen gegen rechts. Er geriet deshalb ins Visier der sächsischen Justiz. Der Vorwurf lautete schwerer Landfriedensbruch: König soll von seinem Kleinbus aus via Lautsprecher zu Gewalt aufgerufen haben. Sein „Lauti“, wie er das Fahrzeug nannte, wurde 2011 sogar zwischenzeitlich als „Tatwerkzeug“ eingezogen. In der Folge gab es bei ihm Hausdurchsuchungen. Zeugenaussagen stellten sich später als falsch heraus, von der Anklage präsentierte Tonbandmitschriften entpuppten sich als wahrheitsfern. Seine Kirche stand hinter König. Es gab eine breite gesellschaftliche Solidaritätswelle. Der erste Prozess platzte, ein zweiter endet 2013 mit der Einstellung des Verfahrens. Allerdings musste König eine Geldbuße von 3.000 Euro zahlen.

Unbequem war Lothar König schon vorher gewesen. 1954 in dem heute eingemeindeten Ortsteil Leimbach der Stadt Nordhausen geboren, geriet er schon als 15-Jähriger mit den Sicherheitsbehörden der DDR in Konflikt. Damals malte er „21. August ’68 Dubcek“ an eine Hauswand, um sich mit dem gewaltsam gestürzten Initiator des Prager Frühlings, Alexander Dubcek (1921-1992), zu solidarisieren.

Der Zugang zum Gymnasium blieb ihm in der Folge verwehrt. Über den Umweg einer Lehre als Zerspanungsmechaniker fand er den Weg zum Studium der Theologie. Ab 1986 baute er in Merseburg und nach 1990 in Jena die evangelische Junge Gemeinde auf. Er bot Jugendlichen Schutzräume vor staatlicher Repression und engagierte sich für einen demokratischen Aufbruch im Osten.

„Er hat viel und intensiv gelebt“

In Jena erlebte er auch die Radikalisierung der rechtsextremen Szene mit, aus der nach 1998 die Terrorgruppe des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) hervorging. Vor allem in den 2010er-Jahren wurde König als Stimme und Kämpfer gegen den Rechtsextremismus in Thüringen und darüber hinaus bekannt. Aus den Auseinandersetzungen mit der rechten Szene trug der Pfarrer eine Narbe über dem rechten Auge davon – von einem Schlagring.

„Lothar hat viel und intensiv gelebt“, schrieb seine Tochter Katharina König-Preuß zum Abschied auf der Internetplattform X. Bis zum Ende sei er „Fußballer, Punk und Langhaariger“ gewesen, dessen krasser Freiheitsdrang immer seinen Weg bestimmte, so die Thüringer Linken-Politikerin.

Auch Thüringens Bodo Ramelow (Linke) bekundete seine Wertschätzung für den streitbaren Theologen: „Lieber Lothar“, schrieb Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) auf der Plattform X: „Du warst mir ein guter Freund und kluger Ratgeber. Über 30 Jahre habe ich Deine Kraft bewundert und Deine Klarheit geschätzt.“

Quelleepd

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1 Kommentar

  1. Jugendpfarrer Lothar König ein evangelisch Heiliger

    Gäbe es bei uns Evangelischen Heilige, hätte wohl Lothar König einen solchen Titel verdient. Er hat gewiss kein leichtes Leben gehabt, ist gegen den Strom geschwommen und gegen jenen Hass, Intoleranz und Rückwärtsgewandheit, die sich im Rechtsradikalismus ausdrückt. Er dürfte also eigentlich immer bedroht gewesen sein, zumal in der jetzigen Zeit, wo fast zu jedem strittigen Thema nur hassbewährte Narrative am Zuge sind. Ich bin mir gewiss, dass Jesus solche Nachfolger wirklich liebt und sich nicht über jene falsche Heilige freut, die sich allwissend und moralisierend gern hier im Netz austoben und all ihren Unwillen auf Klimabewegte und andere anstößige Menschen abladen. Oder die behaupten, Gott sei aus der Ev. Kirche einfach emigriert. König ist ein Beispiel dafür, dass dies mitnichten so richtig ist. Das Vorurteil kommt vor dem Fall. Nach der Lüge der Hass. Und leider nach dem Hass auch die Gewalt. Aber die Gewalt üben nie wir aus, auch nicht durch Generalisierungen und quasi Lügen, sondern immer die anderen. Ein probate Lösung auch für gut funktionierende Nicht-Gewissen.

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