David Grund findet: Auch christliche Kreise haben Humorpotenzial. Auf Instagram postet er als „Memesionar“ regelmäßig christliche Memes.
Wann wusstest du, dass du lustig bist?
David Grund: Erst als ich von zu Hause ausgezogen bin. In meiner eigenen Schulzeit habe ich das gar nicht so sehr erlebt. Danach habe ich ein FSJ an einer Grundschule gemacht, da hab ich gecheckt, dass ich lustig bin, weil die Kinder viel gelacht haben.
Wie kommst du auf neue Memes?
Es gibt verschiedene Wege. Entweder ich seh online etwas Witziges, das Humorpotenzial hat und überleg mir dann, in welchen anderen christlichen Kontext das gut passen könnte. Das ist simpel und geht oft schnell. Oder ich bin zum Beispiel im Gottesdienst und erleb da eine Situation, die witzig ist, muss mir dann aber überlegen, wie ich das auf Social Media präsentieren könnte. Die meisten Ideen kommen also durch gutes Beobachten.
Wie viele Screenshots oder Screen Records von christlichen Influencerinnen und Influencern hast du auf deinem Handy?
Mindestens 4.000 würde ich schätzen. Ich habe extra einen eigenen Account nur für die Recherche. Dort folge ich ungefähr 250 christlichen Influencern, die 5.000 Follower oder mehr haben. Und deren Stories versuch ich ein paar Mal in der Woche anzugucken und filme alles ab, was interessant oder lustig sein könnte.
Warum postest du überhaupt christliche Memes auf Instagram?
Ich würde das in zwei Phasen einteilen. Ich habe vor drei Jahren eine lange Zeit Memes gepostet – damals noch inkognito. Da habe ich das gemacht, um Sachen mit Humor aufzuarbeiten, die ich selbst erlebt habe. In Gemeinde- und anderen christlichen Kreisen, die nicht immer nur schön waren. Auch um manche ein bisschen hopszunehmen. Es gibt auf jeden Fall ein paar Posts, die ich heute nicht mehr so machen würde. Dann war die Seite anderthalb Jahre still und dann kam Timo von »Cards for Christianity« mit der Vision auf mich zu, durch Humor Barrieren im Glauben abzubauen und Schwere aus manchen Dingen rauszunehmen.
Ich hab schon die Erfahrung gemacht, dass Comedy helfen kann, Hürden abzubauen. Gleichzeitig ist es eine Kunst, das so zu machen, dass man dabei trotzdem die Bibel ernst nimmt. Ich möchte mich ja nicht über Gott lustig machen, sondern Situationskomik zeigen. Jetzt mach ich es, um Freude im Glauben zu verbreiten.
Warum hast du eine Pause gemacht?
Weil ich endlich mein Studium fertig machen wollte. Ich hab vorher wirklich ein Jahr lang durchgezogen, jeden Tag etwas zu posten. Das war wie ein Halbtagsjob und das konnte ich einfach auf dem Level nicht halten, wenn ich nebenbei noch meine Masterarbeit schreiben will und einen Nebenjob habe.
Und warum bist du jetzt zurück?
Ich hab schon länger gedacht, dass ich das gerne wieder machen würde, aber es gibt halt kein Geld dafür, deswegen konnte ich es – zumindest in der Form neben einem normalen Job – nicht machen. Und dann hat mich Timo gefragt, ob wir das mit »Cards for Christianity« kombinieren wollen. Ich verdien damit nicht viel Geld, aber so, dass ich mit meinem anderen Job zusammen meine Miete und mein Essen bezahlen kann. Aber ich muss mal gucken, wie tragfähig das auf lange Sicht ist.
Was machst du denn neben deiner »Memesionsarbeit« noch?
Ich habe einen Minijob im Baumarkt an der Kasse. Das ist ein nicer Ausgleich, weil ich dort mit so vielen normalen Menschen in Kontakt komme und mich so nicht nur in der Medienbubble befinde. Außerdem bin ich schon seit über drei Jahren bei Life Lion sehr engagiert, dem YouTube-Kanal, der ursprünglich von den Real Life Guys gestartet wurde und jetzt Menschen interviewt, die außergewöhnliche Stories mit ihrem Glauben erlebt haben.
Welche Connection siehst du zwischen Glauben und Humor?
Ich glaube, dass Gott auch Humor hat. Ich nehme die Bibel trotzdem ernst und will mich nicht über Gott lustig machen, aber ich erlebe Gott selbst im Zwiegespräch manchmal so, dass er mir eine lustige Rückfrage stellt. Ich glaube, man darf nicht allein auf dieser lustigen Ebene unterwegs sein, aber Freude ist ja zum Beispiel auch eine Frucht des Geistes. Es ist von Gott gewollt, dass wir lachen können. Und überall, wo Menschen sind, gibt es unglaublich viel Humorpotenzial, also auch in christlichen Kreisen.
Wo geht der Spaß zu weit, wo ziehst du eine Grenze?
In den letzten Jahren hatte ich in meinem Glauben eine Entwicklung, in der ich gemerkt hab: Ich möchte etwas machen, das auf jeden Fall konstruktiv und glaubenspositiv ist. Alles, was zu Bitterkeit führt, möchte ich nicht machen. Wenn da kein gutes Herz dahintersteckt, dann denke ich, ist da die Grenze. Sobald man sich mehr über eine Person lustig macht, als mit der Person gemeinsam zu lachen, hört der Spaß auf.
Was wünschst du dir für deine Zukunft?
Galater 5,22-23 ist für mich ein super zentraler Vers geworden. Egal, in welche Richtung ich mich noch entwickeln sollte: Ich möchte immer ein Mensch sein, der nah an Gott bleibt und bei dem sein Geist diese Frucht hervorbringt. Und egal, wie groß Memesionar noch werden sollte, das soll immer mein Kompass sein. Bei allem, was ich mache.

