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Samuel Koch: Inklusion in Deutschland ist unterdurchschnittlich

Schauspieler Samuel Koch erhält den Bayerischen Kunstpreis als „Performer des Jahres“. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung kritisiert er die mangelnde Barrierefreiheit in Deutschland und sagt, Inklusion sei „vor allem eine mentale Haltung“.

Samuel Koch ist Ensemblemitglied der Münchner Kammerspiele. Für seine Titelrolle in „Wallenstein“ wird er mit dem Bayerischen Kunstpreis in der Kategorie „Performance des Jahres“ ausgezeichnet, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Im Gespräch kritisiert Koch die Barrierefreiheit in Deutschland und in München und fordert mehr Mut zu pragmatischen Lösungen.

Nach seinem Unfall bei „Wetten, dass..?“ im Jahr 2010 ist Koch querschnittsgelähmt. Er sagt, er habe zunächst gedacht, es gebe nichts „Bescheuerteres“, als in seinem Zustand Schauspieler zu werden. Im Theater, so Koch, könne man auf „sehr freudige Art und Weise“ zum Nachdenken anregen. Das Anstrengendste sei für ihn die Arbeit mit vielen Menschen: „Die kreativen Fantasien übereinanderzulegen, Abstriche zu machen und dann die Kompromisse auszuhalten – das fordert mich am meisten heraus.“

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Barrierefreiheit: Deutschland hinkt hinterher

Bei Gastspielen sei Barrierefreiheit in Vorgesprächen „immer ein Thema“, sagt Koch. Deutschland strebe zwar bis 2035 Barrierefreiheit an, allerdings nur für Bundesbauten. Alles Weitere bleibe freiwillig. In der Schweiz und in Österreich sei man weiter, die Schweiz etwa sei Deutschland „30, 40 Jahre voraus“. Koch hat das Thema auch auf europäischer Ebene angesprochen. Deutschland liege im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich, die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention werde im Staatenbericht in Genf und vom Institut für Menschenrechte wiederholt angemahnt.

Als Beispiel nennt Koch den Auffahrtswinkel von Rampen. In Deutschland würden viele Rampen abgebaut, weil sie nicht der DIN-Norm entsprechen. In der Schweiz habe man drei Prozent Kulanz eingeräumt. Das Ergebnis in Deutschland sei oft, dass Betroffene gar nicht erst hineinkommen. Koch plädiert deshalb dafür, kreative Lösungen zuzulassen und nicht „überzuregulieren“. Er selbst erlebt das auch im Alltag: Beim Oktoberfest habe ihn ein Gabelstaplerfahrer auf einer Palette in ein Festzelt gehoben, sonst wären 20 Stufen für ihn nicht zu bewältigen gewesen.

Kammerspiele als Vorbild

Die Münchner Kammerspiele bezeichnet Koch als inklusives Haus, das „so vielfältig aufgestellt“ sei „wie kein anderes“. Sie hätten es geschafft, Inklusion zu leben und in die Stadt zu tragen.

Der Schauspieler spricht auch regelmäßig in der Öffentlichkeit über seinen christlichen Glauben. Er stammt aus einer protestantischen Familie in Südbaden. Vor seinem Unfall bei „Wetten, dass..?“ habe er „eher eine Fernbeziehung zu Gott“ gehabt, sagte er 2017 bei einem Christustag. Heute sei die „Fokussierung auf mein Glaubensleben“ das „Fundament von allem“, erklärte er in einem Interview mit dem Bonifatiuswerk, und er versuche, seinen Tag „in übergeordnete Hände und in Stille zu legen“.

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QuelleC-Heute

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