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Religionssoziologe: „Als Minderheit am besten nicht provozieren“

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Konfessionelle Minderheiten weisen nach Beobachtung des Münsteraner Religionssoziologen Detlef Pollack oft eine stärkere Bindung an ihre Kirche und ein intensiveres Gemeindeleben auf, als dies bei Angehörigen von Mehrheitskonfessionen der Fall ist.

Herr Professor Pollack, worauf führen Sie diesen "Diaspora-Effekt" zurück?

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 Pollack: Der "Diaspora-Effekt" wird zumeist darauf zurückgeführt, dass sich Minderheiten durch Mehrheiten dazu provoziert fühlen, ihre Identität zu behaupten. Die stärkere Kirchenbindung von Diaspora-Gemeinden ist dann als Folge eines in ihren Reihen häufig anzutreffenden Gefühls der Infragestellung zu interpretieren.

Welche Überlebensstrategien kennen Sie von Diasporagemeinden?

 Typischerweise versuchen Minderheiten-Gemeinden, sich durch Abgrenzung und Absonderung selbst zu behaupten. Sie wollen sich oft mit der Mehrheit nicht vermischen, sondern bilden nicht selten sogar eine Art Überlegenheitsbewusstsein heraus, manchmal auch vermischt mit Ressentiments gegenüber dem großen Anderen. Dieses Überlegenheitsbewusstsein erlaubt ihnen, die Abgrenzung von ihrer oft als übermächtig empfundenen Umwelt zu rechtfertigen. Zuweilen erfüllt auch eine "Underdog"-Mentalität diese Funktion.

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Wie überlebt eine Minderheit?

 Am erfolgversprechendsten dürfte eine Strategie der fröhlichen Gelassenheit sein. Denn Minderheiten-Gemeinden stehen einmal in der Gefahr der Anpassung an die Umwelt, was zur Preisgabe ihrer Besonderheit führen würde, oder aber in der bereits beschriebenen Gefahr der Abschottung und Selbstprivilegierung.

 Wenn man den Unterschied lebt, ohne ihn zu verstecken, aber auch ohne ihn zu zelebrieren oder als Provokation zu inszenieren, wird die Akzeptanz der Umwelt wohl am größten sein. Auf Anerkennung und Unterstützung sind alle Gemeinschaften angewiesen, besonders aber die, die sich in der Minderheit befinden.

(Quelle: epd)

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