Mit Liedern an Gott auf der Erfolgswelle zu reiten, ist eine ambivalente Geschichte. Im zweiten Teil des Interviews erzählt Juri Friesen, wie er mit dem Erfolg seiner Outbreakband umgeht – und wie die Musik seinen Glauben beeinflusst hat.

Jesus.de: Ihr werdet als das „deutsche Hillsong United“ bezeichnet – ein schmeichelhafter oder ein nerviger Vergleich?

Juri Friesen: Ich glaube, da müsste schon viel passieren, dass uns das irgendwann nerven sollte (lacht). Im Ernst: Das ist schon ein schmeichelhafter Vergleich. Hillsong ist eine große Inspiration für uns. Nicht nur sie, wir haben viele Vorbilder – nationale und internationale Lobpreisbands, aber Hillsong United sind international der Primus unter den Worshipbands. Den Vergleich verstehen wir als Kompliment, auch wenn wir die Unterschiede kennen. Wir wissen um unsere eigene Identität, um das, was wir können und was nicht.

Ihr wart in den letzten Jahren sehr erfolgreich, seid viel rumgekommen. Wie geht eure Gemeinde mit eurem Erfolg um?

Die Leute gewöhnen sich schnell an alles. Vielleicht gibt es den einen oder anderen, der mal wegen uns in den Gottesdienst gekommen ist oder in der Gemeinde geblieben ist. Aber wir erleben das als sehr normal. Das mag auch an Deutschland liegen. Deutschland ist da etwas entspannter. Bei uns ist der Personenkult nicht so besonders ausgeprägt. Ich habe viel mit amerikanischen Lobpreisleitern zu tun, auch mit Künstlern aus Brasilien, Argentinien oder Mexiko. Dort werden die Leute ganz anders gehypet. Davon abgesehen gibt es so einige Musiker, die sich bei uns in der Gemeinde tummeln. Also, alles easy.

Wie fühlt es sich an, wenn das eigene Lied im Gottesdienst gespielt wird und ihr die „Zuhörer“ seid?

Grundsätzlich ist das ein schönes Gefühl. Die Freude darüber bleibt, auch wenn man sich daran mit der Zeit gewöhnt. Ich muss aber auch sagen: In so einem Moment geht mir so viel durch den Kopf, dass ich nicht mehr ungestört in die Anbetung komme. Man kennt einfach jeden Teil des Liedes und ist dadurch mit einem prüfenden Ohr dabei. Manchmal sind wir ermutigt und freuen uns über die Ergebnisse, manchmal sind wir – sagen wir mal – „überrascht“, wie anders man den Song interpretieren kann.

Schön gesagt.

(Lacht). Bei „Mittelpunkt“ fällt das am meisten auf. Der Song ist am weitesten rumgekommen. Hier fällt die Bilanz so fifty-fifty aus, ob der uns gefällt.

Hast du aktuell ein Lieblingslobpreislied?

Jetzt gerade, wo wir gemeinsam Songs produziert und aufgenommen haben, sind es tatsächlich eigene Nummern, die mich bewegen. Aber meistens ist das nur eine kurze Phase. Seine eigene Musik hört man in der Regel nicht so viel. Wenn man während der ganzen Produktionszeit schon an den Songs gearbeitet hat, muss man die CD danach erstmal weglegen.

Outbreakband (Bild: whatayoufulpicture.de)

Thomas Enns von „Könige und Priester“ trägt bei Auftritten demonstrativ ein goldenes Kreuz um den Hals, der „Breiteste Pastor Deutschlands“ posiert gern mit Message-T-Shirt. Hat das Konzept, dass man bei euch keine christlichen Modeaccessoires findet?

Wir verzichten nicht bewusst darauf. Wir haben keinen Stylingberater und keine Vorgaben. Jeder von uns ist ganz individuell unterwegs. Wir sind eine Band, die in erster Linie für Christen spielt. In diesem Umfeld ist es nicht so wichtig, dass man optische Glaubens-Statements setzt. Hier weiß man voneinander, dass man mit Jesus unterwegs ist. Anders sieht es bei christlichen Künstlern aus, die öfter in der säkularen Szene auftreten, wie eben Marcus Schneider alias „Der breiteste Pastor Deutschlands“ oder „Könige und Priester“. Da kann es schon sein, dass sie bewusster ihren Glauben durch Styling ausdrücken.

Ihr habt in einem DRAN NEXT-Interview gesagt, dass ihr „mainstream“ sein wollt. Berührt diese Einstellung die Stylingfrage?

Das glaube ich nicht. Bei diesem Wort „Mainstream“ geht es uns überhaupt nicht um unsere Optik, sondern um die Musik, um die Inhalte. Uns geht es um die große Masse. Wir glauben, dass Lobpreis und Anbetung etwas ist, was jeden Menschen betrifft, weil jeder Mensch irgendwo und irgendwas anbetet – ob er sich selbst anbetet oder seinen Fußballverein. Stadien sind ja so etwas wie moderne Tempel. Jeder Mensch ist dafür gemacht sich für etwas hinzugeben. Das ist Anbetung. Bei uns muss es um Gott gehen.

Was bedeutet „mainstream“ für eure Musik?

Die Musik soll simpel sein, damit die Menschen sofort darauf anspringen können. Menschen, die sich für Jesus entscheiden, sollen etwas mit diesen Inhalten anfangen können. Von daher versuchen wir inhaltlich und musikalisch mainstream zu sein, damit wir so viele Menschen wie möglich mit unserer Musik und mit der Botschaft dahinter ansprechen können.

Hast du durch eure Musik Wachstum im Glauben erlebt?

Lobpreis und Anbetung haben mein Leben komplett verändert. Ich habe mich als Jugendlicher aufgrund von Lobpreismusik überhaupt dazu entschieden, dass ich ernst machen möchte mit Gott. Ich bin ein sehr rationaler Mensch. Aber wenn ich Gott gar nicht persönlich und emotional erleben würde, dann hätte ich ein Problem. Gott lässt sich auf unsere Emotion ein, nicht nur auf unseren Intellekt. Gott hat uns mit beiden Komponenten geschaffen und möchte uns auf beiden Ebenen begegnen. Im Lobpreis bekommen diese emotionalen Begegnungen mit Gott Raum. Und dadurch bin auch ich im Glauben gewachsen.

Danke für das Gespräch.

Die Fragen stellte Laura Schönwies

Zum ersten Teil des Interviews mit Juri Friesen.


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