Der Landesbischof der sächsischen Kirche, Carsten Rentzing, scheidet zum 31. Oktober aus dem Amt. Das hat die Kirchenleitung am Montag auf ihrer Sitzung in Dresden entschieden. Die Neuwahl einer neuen Bischöfin oder eines neuen Bischofs soll bei einer Sondersynode am 29. Februar und 1. März 2020 erfolgen.

Nach „langer und intensiver Beratung“ sei beschlossen worden, das „Einvernehmen mit dem Bischof herzustellen“, sagte der Synodalpräsident und stellvertretende Vorsitzende der Kirchenleitung, Otto Guse, am Montag nach der Sitzung in Dresden. Rentzing hatte am 11. Oktober seinen Rücktritt erklärt.

In einer am Montag veröffentlichten Erklärung Rentzings hieß es: „Mein Amt zur Verfügung zu stellen, geschah aus eigener freier Entscheidung.“ Er sei „weder durch das Landeskirchenamt noch durch die Kirchenleitung unter Druck gesetzt worden“. Allerdings habe er angesichts der öffentlichen Diskussion um seine Person keine Gewissheit, ob er „der Einheit der Landeskirche im Amt des Bischofs weiter dienen kann“, hieß es.

Guse bedauerte den Rücktritt von Rentzing. „Ich habe selten einen so wunderbaren Geistlichen kennengelernt“, sagte er. Er könne ihn aber „nicht zwingen gegen seinen Willen Landesbischof zu sein“.

In die Kritik geraten

Der als konservativ geltende Theologe Rentzing war in die Kritik geraten, seine als Student eingegangene Mitgliedschaft in einer schlagenden Verbindung lange verschwiegen zu haben. Zudem wurde öffentlich, dass er zwischen 1989 und 1992 Texte für die rechtskonservative Zeitschrift „Fragmente“ verfasst hat. Mehrere Unterschriftenaktionen forderten den Verbleib des Bischofs im Amt. Rentzing war 2015 von der evangelisch-lutherischen Landessynode mit einer Stimme Mehrheit zum Bischof gewählt worden.

Was aus der aktuellen Situation der Landeskirche zu lernen sei, darüber wolle die Synode schon am 2. November auf einer Sondersitzung beraten, die aus formalen Gründen als erweiterte Präsidiumssitzung anberaumt wurde, sagte Guse. Zu klären seien unter anderem Fragen der „medialen Präsenz von Personen“ sowie Begrifflichkeiten,“was rechtsextrem und was ein wertorientierter Christ ist“. In welcher Form künftig Biografien von Bischofskandidatinnen und -kandidaten überprüft werden, das sei noch offen, sagte Guse.

Laut Landeskirchenamt wolle sich Rentzing nach seinem Urlaub in einer der folgenden Wochen nochmals öffentlich äußern. Zugleich betonte er, alle Kirchenmitglieder seien dazu aufgerufen, an der Einheit der Kirche mitzuarbeiten. „Da sind auch Kompromisse nötig, aber anders geht es nicht“, sagte der Präsident des Landeskirchenamtes, Hans-Peter Vollbach. Zeitgleich zur Kirchenleitungssitzung hatten etwa 100 Personen am Montagabend vor dem Landeskirchenamt für den Verbleib von Rentzing demonstriert.

Respekt vor Rücktrittsentscheidung

Die Initiatoren der Leipziger Petition „Nächstenliebe verlangt Klarheit“, die von dem Bischof eine „öffentliche und deutliche Distanzierung von allen nationalen, antidemokratischen und menschenfeindlichen Ideologien“ gefordert hatten, zollten der Rücktrittsentscheidung ihren Respekt. Zugleich mahnten sie Dialogbereitschaft von allen theologischer Strömungen innerhalb der Landeskirche an.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte in Dresden: „Ich bin als Christ damit aufgewachsen, dass Nächstenliebe, Vergebung ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, meines Glaubens und damit auch meiner Kirche ist. Das wünsche ich mir in diesem Fall auch.“

Link: Erklärung der Kirchenleitung

12 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Die Evangelische Kirche ist selbst schuld, wenn sie einen der wenigen dezidiert geistlichen und in seiner Amtsführung vorbildlichen und immer auf Verständigung ausgerichteten Bischöfe auf diese wie ich persönlich finde scheinheilige und selbstgerechte Art und Weise per „Enthüllungs-Petition“ gewissermaßen aus dem Amt „zwingt“.

    Die Landeskirchen in Deutschland befinden sich im freien Fall. Die Prognosen für die Mitgliederentwicklung sind düster. Dagegen ist dieser Mann für viele aktive Christen ein Hirte im biblischen Sinne und eine Motivation für ihre Arbeit und ihren Glauben. Die Landeskirche in Sachsen und ihre politisch statt geistlich orientierte Contra-Rentzing – Fraktion schneidet sich mit dem „nahegelegten“ Rücktritt ins eigene Fleisch.

  2. Na hoffentlich stellt sich Bruder Rentzing wieder zur Wahl. Bei ihm wissen wir ja jetzt, wo seine Dreckecken im alten Leben sind.

    Sollt bei der Wahl in ein Amt der Kirchenleitung nicht die Wiedertaufe eingeführt werden? Das rituelle Abwaschen bereits gebeichteter Sünden des gewählten Amtsträgers? (und physisch müssen alle Ratsmitglieder von dem Taufwasser trinken)
    Kantoren wegen ihrer Verspieler an der Orgel,
    Gemeindepädagogen wegen unpassender Liedauswahl bei den Pfadfindern („Bolle reiste jüngst zu Pfingsten…“ diese Schlägerlied aus der Mundorgel gehört auf den INDEX !!!)

  3. Ist hier die Landeskirche wie so oft dem Zeitgeist aufgesessen u. der politischen Intrige? In der Politik ist es schon zu oft vorgekommen, daß irgendwelche „dunklen“ Punkte, teilweise läppische Vorwürfe aufgebauscht u. medial hochgeputscht wurden, um einen Amtinhaber aus dem Amt zu kicken, der irgendeiner gesellschaftlichen Gruppe ein Dorn im Auge war.
    Wir sollten uns dagegen wehren, wenn mehr und mehr „konservativ'“ mit „rechtsradikal“ gleichgesetzt wird. Ich werde das Gefühl nicht los, daß alles, was nicht der derzeitigen öffentlichen Medienmeinung entspricht argwöhnisch beäugt und allzu schnell abgeschmettert wird. Das schränkt die demokratische Meinungsfreiheit ein.

    • > Wir sollten uns dagegen wehren, wenn mehr und mehr „konservativ’“ mit „rechtsradikal“ gleichgesetzt wird.

      Wenn Du damit auf seine früheren Aussagen anspielst, hast Du gelesen, was er damals geschrieben hat? Nennst Du das wirklich nur konservativ?

  4. Dann wird ja wohl eine Bischöfin gewählt. Das passt dann zur aktuellen Ideologie der EKD. Außerdem wird die Bischöfin vermutlich zu den GRÜNEN-Wählern zählen und Gender favorisieren.. Der neue Wahlspruch der EKD heißt ja wohl: Frauen an die Front. Biblische Rollenmuster sind konservativ und rechtsradikal..

    • Nein, sich Frauen nicht in Führungspositionen vorstellen zu können ist nicht konservativ. Konservative haben damit heute kein Problem mehr (siehe Merkel, May, usw.).

      Ob solche Überzeugungen rechtsradikal sind? … Denkt man an LePen u.ä., sind da wohl selbst die Rechtsradikalen heute weiter.

      Es ist wohl eher eine ewiggestrige Überzeugung, die Du da darstellst.

      Und wenn diese für Rentzing stehen sollte, dann ist es gut, wenn sie immer mehr verschwindet.

      • Was verstehen Sie unter „ewiggestrigen Überzeugungen“ (Definition & Beispiele)?
        Welche Argumente dagegen bringen Sie hervor?
        Was wäre das Gegenteil von „ewiggestrigen Überzeugungen“ und wie würden Sie diese dann betiteln, „postmodern kurzlebig“??

        • ewiggestrig, sind Überzeugungen, die mit der heutigen Gesellschaftsordnung nicht mehr kompatibel sind, die es früher gab, aber heute eben überholt sind.

          Beispiel hier: Frauen nicht in Führungspositionen sondern am besten zwingend an den Herd oder zumindest nur in (Männern) untergeordneten Positionen. Die Rolle der Frau zwingend als Hausfrau und Mutter definieren.

          Betonung liegt hier auf zwingend, denn es ist natürlich nichts dagegen einzuwenden, wenn sich Frauen selbst für eine solche Rolle entscheiden, aber gesellschaftlicher Druck oder gar, wie früher, gesetzliche Bestimmungen ist halt ewiggestrig.

          Und da nutzt es auch nichts, zu sagen, dass das aber das biblische Bild von der 2000 Jahren ist. Die Gesellschaft hat sich seitdem verändert. Wir haben keine Sklaven mehr (Sklaverei wird in der Bibel, auch im NT, nicht verurteilt), wir streben zumindest im Westen Demokratie an, wir schlagen keine Kinder mehr (zumindest ist es verboten), wir lehnen Zwangsehen ab, wir finden es nicht richtig, wenn vergewaltigte Frauen ihren Vergewaltiger heiraten sollen, usw.

          und wir sind heute endlich der Meinung, dass Frauen gleiche Rechte und Chancen zustehen und sie für Führungspositionen genauso geeignet sind wie Männer, wobei da gesellschaftlich noch etwas zu tun ist.

          Einige aber, zum Glück eine Minderheit, hängen aber alten Vorstellungen an. Eben ewiggestrig.

  5. Ich möchte an Epheser 6, 12 erinnern.
    Wer oder was ist hier am Werk?
    Und was ist/wäre hier die geeignete Reaktion der Gemeinde und ihrer Leitung?

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