Einmal gewählt, begleitet einen der Konfirmationsspruch durchs ganze Leben. Doch wie kann er zu einem Lebensmotto werden?

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Von Hella Thorn 

»Die Worte eines Menschen sind wie tiefe Wasser, lebendig wie ein sprudelnder Bach und wie eine Quelle der Weisheit.«

Vor mehr als fünfzehn Jahren habe ich diesen Satz in meiner Bibel (Sprüche 18,4) entdeckt und wusste sofort: Der passt zu mir. Ich rede ununterbrochen – leider nicht immer nur überlegt. Für mich ist dieser Satz also zuerst eine Mahnung gewesen. Ich wollte mich immer wieder daran erinnern, dass Worte eine große Macht haben und ich sie besonnen einsetzen soll. Deshalb wurde dieser Satz auch mein Konfirmationsvers. Ich habe ihn bewusst über mein Leben gesetzt: Gottes Wort, das zu mir spricht, das mir etwas zu sagen hat und an dem ich mich orientieren will.

Auf der Suche

Weißt du noch, wie du gegrübelt hast? Wie du im Internet rumgesucht und in der Bibel geblättert hast? Erinnerst du dich noch daran, was für dich wichtig war? Was sollte der Vers, den du dir zur Konfirmation rausgesucht hast, ausdrücken, beinhalten und von dir zeigen? Oder hast du dir deinen Vers gar nicht selbst rausgesucht? Hat der Pfarrer, der dich konfirmiert hat, für jeden aus deiner Gruppe einen Vers ausgewählt? Haben deine Paten dir ein paar Zeilen aus der Bibel mit auf den Weg gegeben? Oder haben sich Menschen aus deiner Gemeinde Gedanken gemacht, welche Worte Gott dir zusprechen möchte?

Worte für dich

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Egal, wie der Vers zu dir gekommen ist, er ist nun bei dir. Er gehört zu dir. Und er kann, wenn du magst, als Motto über deinem Leben stehen. Er kann dir Trost geben, wenn du am Boden bist. Er kann dir den Weg weisen, wenn du orientierungslos bist. Er kann dich inspirieren, wenn du nach Antworten suchst. Er kann der benötigte, wenn auch schmerzhafte Tritt in den Hintern sein. Er kann wie eine muckelige Umarmung sein, wenn du dich nach Liebe sehnst. Auf der anderen Seite, ist ein Bibelvers natürlich nicht wie ein Horoskop zu betrachten. Manche Worte, die wir in der Bibel finden, sind nicht sofort total
klar. Mit manchen Sätzen können wir zunächst gar nichts anfangen. Manche Sätze brauchen ein bisschen, bis sie vom Kopf ins Herz rutschen und manche Sätze finden wir vielleicht sogar total blöd. Doch auch die können irgendwann wie ein Blitz in unserem Hirn
einschlagen und uns die Augen öffnen: »Ach, so war das eigentlich gemeint!« Und auf einmal ist der einst blöde Satz gar nicht mehr so doof.

Vom Hirn ins Herz

Doch wie kann jetzt so ein Vers, den andere für dich ausgesucht haben, zu deinem Vers werden?

  1. Schlag den Vers doch noch mal in einer anderen Übersetzung nach. Manche Übersetzungen, wie zum Beispiel die Elberfelder oder auch die Lutherübersetzung, sind nicht immer gut zu verstehen, weil sie sehr nah an die ursprüngliche Fassung, den sogenannten Urtext, angelehnt sind. Leichter zu verstehen, dafür nicht ganz so wortgetreu sind dagegen die Übersetzungen Hoffnung für Alle, Neues Leben oder Gute Nachricht. Oder schlag die Worte in einer englischen, französischen, … Bibel nach. Manchmal wirken die Worte so noch mal mehr.
  2. Am besten liest du das komplette Kapitel, in dem der Vers steht oder die Geschichte, aus der er entnommen ist. So kannst du das Gesagte besser einordnen und verstehen.
  3. Schreib einmal wie in der Schule alle Verben und Nomen raus. Beziehen sie sich direkt aufeinander? Wie würdest du sie umschreiben? Manchmal kriegt man dann ein besseres Gefühl für den Satz, wenn man weiß, was die wichtigsten Wörter daraus sind.
  4. Bibelkommentare oder Lexika helfen, das Gelesene besser zu verstehen. Zu welchem Kontext gehört der Satz? Was sind andere wichtige Sätze, die dazu passen? An wen richtet sich der Vers, das Kapitel oder die Geschichte? Von wem wurde es aufgeschrieben und aus welchem Grund?
  5. Sprich mit anderen über deinen Konfirmationsvers. Das können deine Kumpels oder besten Freunde sein, der Pfarrer oder andere Leute aus der Gemeinde, die du kennst, deine Eltern oder Paten: Wie interpretieren sie diesen Vers? Warum haben sie ihn vielleicht für dich ausgewählt?

Worte und Wünsche

Das Tolle an der Bibel ist: Es steht nicht nur der Vers drin, den du zu deiner Konfirmation bekommen hast. Da sind noch viele, viele weitere enthalten. Wenn du also erst mal gar nicht so genau weißt, was du eigentlich mit den Worten Gottes anfangen sollst, kannst du dir einen anderen Vers raussuchen, der erst einmal besser passt. Während deiner
Konfirmationszeit hast du verschiedene Geschichten aus der Bibel kennengelernt. Überleg doch noch einmal: Gab es eine Geschichte, eine Person aus der Bibel oder eine Eigenschaft Gottes, die dich besonders beeindruckt hat? Hast du irgendetwas gelernt, das dich total überrascht hat? Hattest du beim Lesen in der Bibel irgendwann mal das Gefühl: Das trifft gerade genau auch auf mich zu? Das könnten Anhaltspunkte sein, die dir bei der Suche nach einem Vers weiterhelfen. Natürlich kannst du auch einen Vers wählen, den viele andere Menschen auch schon genommen haben. Im Internet gibt es diverse Websites, die ermutigende, tröstende oder besonders beliebte Verse aufgelistet haben. Diese Sätze drücken meist sehr deutlich die Liebe Gottes zu den Menschen, seine Gnade und seinen Schutz aus. Gute Worte und gute Wünsche – die kann man immer gebrauchen.

Von Herz zu Herz

Auch ich habe mehr als einen Vers, der mich begleitet. Manche Verse waren nur für eine bestimmte Zeit passend. Danach veränderte sich meine Lebenssituation und andere Worte rückten in meinen Fokus. Doch mein Konfirmationsvers, der bleibt. Inzwischen habe ich als
Redakteurin jeden Tag mit Worten zu tun, manchmal sprudeln sie, manchmal tropfen sie aber auch nur mühsam aus mir raus. Und nach wie vor gilt: Ich will weise sprechen, Worte bewusst einsetzen. Der Dichter Johann Wolfgang von Goethe hat mal gesagt: »Es muss von Herzen kommen, was in Herzen wirken soll.« Wenn meine Worte also eine Wirkung bei den Lesern haben sollen, müssen sie von Herzen kommen. Das geht nicht mit mal eben hingerotzten Floskeln. Mein Konfirmationsvers ist Erinnerung, Mahnung und Ansporn für
mich. Was ist dein Vers für dich?


Dieser Text von Hella Thorn erschien zuerst in dem Teensmag-Special „KONFIRMATION. Startschuss ins Leben“. Teensmag erscheint regelmäßig im SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört.

 

 

 

Buchcover "Du bist ganz schön großartig"

Ebenfalls von Hella Thorn ist das Geschenkbuch zur Konfirmation „Du bist ganz schön großartig“, das im SCM Verlag erschienen ist. Der SCM Verlag ist ebenso wie der SCM Bundes-Verlag, zu dem auch Jesus.de gehört, Teil der SCM Verlagsgruppe.

 

 

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