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„Suff oder Heiliger Geist?“ Mittelaltermarkt-Besucher bitten um Taufe

Der Pfarrer Helmut Kautz begegnet nachts drei Besuchern vom Mittelaltermarkt des Krämerbrückenfestes in Erfurt. Amüsiert angetrunken bitten sie den Pfarrer darum, getauft zu werden. Er fragt sich: Meinen sie das ernst?


Es sollte ein Wochenende der Theorie sein – doch es endete mit einem spontanen Tauffest im Herzen Erfurts. Am Rande des ersten Ausbildungsseminars zum „Friedensreiter“ der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) im Erfurter Augustinerkloster taufte Pfarrer Helmut Kautz spontan am Sonntag, dem 21. Juni 2026, drei junge Menschen im Fluss Gera, direkt unterhalb der berühmten Krämerbrücke – Zentrum des Krämerbrückenfestes mit Mittelalter-Flair.

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Nachts am Lagerfeuer

Vorausgegangen war eine außergewöhnliche nächtliche Begegnung. Nach dem offiziellen Seminarprogramm am Samstagabend zog es den brandenburgischen Pfarrer Helmut Kautz auf das Erfurter Krämerbrückenfest. Dort stieß er gegen 23:30 Uhr auf das Lager einer Mittelaltergruppe. „Sie baten mich an ihr Feuer und fragten mich, ob ich wirklich Pfarrer sei“, erzählt Kautz. An dem Feuer saßen viele Menschen, die sich selbst als Heiden bezeichneten. Aus dem tiefen, nächtlichen Gespräch über Gott, die Welt und persönliche Lebenswege erwuchs bei drei jungen Menschen der spontane und feste Wunsch, sich taufen zu lassen.

Pfarrer Kautz reagierte zunächst zurückhaltend. „Mitten in der Nacht fragte ich mich natürlich: Ist das jetzt Suff oder Heiliger Geist?“, sagt er mit einem Schmunzeln. Gerade weil die Entscheidung so spontan gefallen war, verzichtete er auf eine unmittelbare Taufe. Stattdessen verabredete man sich für den nächsten Tag. „Ich wollte sehen, ob der Wunsch auch im nüchternen Licht des Morgens noch Bestand hat.“ Als die drei Interessierten am Sonntag zur Mittagszeit erneut ihren Taufwunsch bekräftigten, stand der Taufe nichts mehr im Wege.

Mit Dudelsackspieler und Kreuzträger

Begleitet von Angehörigen und den neuen Freunden vom Lagerfeuer stiegen die drei Täuflinge gemeinsam mit Pfarrer Kautz in den Gera Fluss unterhalb der Krämerbrücke – im Mittelalterstil begleitet von Dudelsackspiel und einem Kreuzträger. Zu den Getauften gehört auch Vanessa, die den Moment tief bewegt beschreibt: „Es war mir eine riesengroße Ehre und Freude, an diesem besonderen Tag getauft zu werden. Die Taufe wird für mich immer eine wundervolle Erinnerung bleiben.“

Für die Verantwortlichen der EKM-Ausbildung zum „Friedensreiter“ ist dieses Ereignis eine Bestätigung ihres Konzepts. Die Weiterbildung unter der Leitung von Oberkirchenrätin Petra Schwermann und Pfarrer Dr. Frank Hiddemann sollte Teilnehmende schließlich dazu befähigen, verfeindete Lager und Menschen unterschiedlicher Milieus miteinander in Kontakt zu bringen.

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„Wir lernen in der Ausbildung, Haltungssicherheit mit Handlungsklugheit zu verbinden und ohne Menschenscheu auf andere zuzugehen“, so Pfarrer Helmut Kautz. „Dass aus einer zufälligen Begegnung am Lagerfeuer ein solcher Moment des Segens entsteht, zeigt mir, wie lebendig Gottes Geist im öffentlichen Raum wirkt, wenn wir nur bereit sind, unserer Komfortzone zu entfliehen.“

Die Taufe an der Krämerbrücke berührte auch die zahlreichen Passanten des Krämerbrückenfestes, die das Geschehen aufmerksam und sichtlich bewegt verfolgten. Für die frisch Getauften und die Umstehenden entstand inmitten des bunten Markttreibens ein unvergesslicher, geheiligter Raum.

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