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Der Wert geistlicher Routine

Ladina Schöpfer ist Pastorin in der Ecclesia Kirche in München. Hier spricht sie über ihr Verhältnis zum Vaterunser und das laute Sprechen von Gebeten.

Frage: Wann ist dir das Vaterunser zum ersten Mal über den Weg gelaufen?

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Ladina Schöpfer (nachfolgend LS): Relativ früh. Auch wenn ich jetzt Pastorin in einer Freikirche bin, bin ich in einer evangelisch-reformierten Landeskirche in der Schweiz aufgewachsen. Ich war zwar selten dort, habe aber am biblischen Unterricht teilgenommen. Und da haben wir das Vaterunser ein paar Wochen lang durchgenommen und mussten es auch auswendig lernen. Es war das erste Gebet, das ich so richtig kennengelernt habe. Das hat mir im Nachhinein geholfen. In der evangelischen Landeskirche hat das Vaterunser einen viel zentraleren Platz als in den meisten freikirchlichen Gottesdiensten.

Wo kommt das Vaterunser bei euch in der Kirche vor?

LS: Wir beenden damit immer den Gottesdienst. Denn es ist ein Gebet, das sehr viele kennen. Selbst wenn du zu Besuch und nicht gläubig bist, hast du das Vaterunser schon mal gehört. Gerade in einem Gottesdienst, in dem viel frei gebetet wird, merken wir, dass es gut ist, alle Leute nochmal abzuholen. Ich glaube, viele Christen aus Freikirchen haben das Vaterunser gar nicht so auf dem Schirm. Eine meiner ehemaligen Jugendlichen hat mir mal erzählt, dass sie im Religionsunterricht das Vaterunser besprochen haben und sie es nicht beten wollte, da ihr nicht bewusst war, dass Jesus selbst dieses Gebet gelehrt hat. Sie kannte bis dahin nur freies Gebet.

Was feierst du persönlich am Vaterunser?

LS: Es ist voll crazy, dass Jesus selbst uns ein Gebet gelehrt hat. Das gibt ihm einen besonderen Wert und diesen Worten viel Gewicht. Schon der Anfang »Unser Vater im Himmel« macht klar, was für eine Beziehung wir zu Gott haben dürfen. Er ist nicht weit weg, er ist uns persönlich nah.

Und der Schluss, den betone ich gerne beim Vorsprechen: Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit! Das ist für mich der stärkste Satz. Da geht es nicht mehr um mich, sondern darum, wer alles im Griff hat.

Du betest das Vaterunser fast jede Woche von der Bühne. Wie verhinderst du, dass es zu einer leeren Tradition wird?

LS: Wenn etwas einen festen Platz im Gottesdienst hat, dann wird es zu einer Routine. Das ist ganz normal. Es muss auch gar nicht immer hochemotional sein. Mich wird nicht jede Predigt umhauen, ich werde nicht immer im Lobpreis weinen – auch bei uns in der Pfingstkirche nicht. Ja, das ist sogar ein Signal von reifem Glauben, wenn ich nicht abhängig bin von einem bestimmten Gefühl. Das Vaterunser kann uns helfen, nicht zu plappern (Matthäus 6,7) und wenn wir keine Worte haben. Es kann uns auch den Gebetsdruck nehmen, den es manchmal gibt: Oh, ich muss jetzt laut beten, ich muss jetzt ein gutes Gebet formulieren. Was sage ich denn? Wie geistlich soll es klingen? Mit dem Vaterunser bekommst du ein All-in-One-Gebet. Solche geistlichen Routinen sind richtig wertvoll. Sie erinnern uns an die Grundwahrheiten. Auch Jesus hatte feste Gebetsgewohnheiten. Und betete im Garten Gethsemane selbst quasi einen Teil vom Vaterunser: Dein Wille geschehe.

Wie hast du gelernt, laut zu beten?

LS: Das war eins meiner ersten Gebetsanliegen in meiner Kleingruppe. Ich durfte das im kleinen Kreis lernen, weil mich die Leiterin daraufhin immer wieder bat, den Abschluss zu machen. Das hat mich herausgefordert, aber echt wachsen lassen.

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Auch heute, wenn wir vor dem Gottesdienst beten, fordern wir Pastoren die Leute gerne heraus und halten dann auch mal die unangenehme Stille aus.

Interview_Tobias Hambuch

Dieser Artikel ist im christlichen Jugendmagazin Teensmag erschienen. Teensmag wird vom SCM Bundes-Verlag herausgegeben, zu dem auch Jesus.de gehört.

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