Matthäus 21
„Hört auch folgendes Gleichnis. Ein Grundbesitzer legte einen Weinberg an, baute eine Mauer darum, hob eine Grube aus, um darin den Traubensaft zu keltern, und baute einen Wachturm. Dann verpachtete er den Weinberg an Bauern und zog in ein anderes Land. Zur Zeit der Traubenernte schickte er seine Diener, um seinen Anteil an der Ernte einzufordern. Doch die Pächter überfielen die Diener. Den einen schlugen sie halb tot, den anderen brachten sie um, ein weiterer wurde gesteinigt. Da schickte der Grundbesitzer noch weitere Diener, doch sie erlitten dasselbe Schicksal. Schließlich schickte er seinen Sohn, weil er dachte: ,Ihn werden sie sicher respektieren.‘ Doch als die Bauern seinen Sohn kommen sahen, sagten sie zueinander: ,Da kommt der Erbe des Anwesens. Lasst uns ihn umbringen, dann können wir das Land für uns behalten!‘ Also überfielen sie ihn, schleppten ihn vor den Weinberg und ermordeten ihn. Wenn nun der Eigentümer des Weinbergs wiederkommt“, sagte Jesus, „was meint ihr, wird er mit diesen Bauern machen?“ Sie antworteten: „Er wird diese heimtückischen Mörder einen schrecklichen Tod sterben lassen und den Weinberg an andere Bauern verpachten, die ihm nach jeder Ernte seinen Anteil geben.“ Da fragte Jesus sie: „Habt ihr das nicht schon einmal in der Schrift gelesen? ,Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Das ist das Werk des Herrn, und es ist wunderbar anzusehen.‘ Ich will damit sagen, dass das Reich Gottes euch weggenommen wird und ein anderes Volk es bekommt, das gute Früchte bringt. Wer über diesen Stein stolpert, wird in tausend Stücke zerbrechen, und der Stein wird jeden zermalmen, auf den er fällt.“
Da hat es in Abwesenheit des Grundbesitzers eine Revolution im Weinberg gegeben. Die Pächter betrachten sich offenbar als Eigentümer und töten die Abgesandten des Grundbesitzers. Nachdem das öfter passiert ist, hofft der Grundbesitzer, dass wenigstens der Sohn in der Lage ist, die Verhältnisse zurechtzurücken. Aber gerade das ist nicht der Fall: Die Pächter bringen auch ihn um, damit sie das Land selbst behalten können.
Damit hält Jesus den religiösen Führern einen Spiegel vor: Sie haben das Land Gottes exklusiv für sich gepachtet. Gott ist nicht mehr Herr im Haus Israel. Einige Propheten sind ihnen schon zum Opfer gefallen, und dies wird auch beim Sohn so sein.
Wir dürfen nicht vergessen, dass sich die Pharisäer und Priester schon als rechtmäßige Vertreter Gottes einschätzten. Doch Jesus bezeichnet sie als unrechtmäßige Usurpatoren des Weinbergs. Das konnten sie nicht dulden. Und gerade dadurch werden sie das Gleichnis zur Erfüllung bringen.
Eine erschreckende Möglichkeit. Man kann völlig überzeugt davon sein, Gottes Willen zu tun, und dennoch mit aller Macht gegen ihn arbeiten.
