Adenauer-Enkel macht Mode: „Für mich ist Gott ein Designer“

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Andreas Adenauer steht vor seinem Label-Logo.
Andreas Adenauer, Foto: Privat
Andreas Adenauers Großvater, Konrad Adenauer, brachte es zum ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik. Andreas selbst hat sich der Mode verschrieben – mit christlichen Bezügen.
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Die Fragen stellte Sabine Langenbach

Schaut man sich an, was Ihre Großväter beruflich gemacht haben, wundert es ein wenig, dass Sie in der Modebranche gelandet sind. Was fasziniert Sie daran?
Die Frage habe ich mir auch schon oft gestellt! Seit meinem 13. Lebensjahr bin ich durch Aufenthalte in London ‚bekleidungsaffin‘. Ich glaube, dass mich an Bekleidung besonders die Entwicklung der Bekleidung im Zeitgeist fasziniert. Warum kaufen Menschen was? Und was spiegelt das emotional wider? Das ist ja auch eine sehr ästhetische Branche, und ich bin auch so ein bisschen ein Schöngeist. Ich mag schöne, gute Dinge.

Gibt es auch etwas, was Sie gar nicht mögen?
Ich habe so einen Spleen: In meinem Kleiderschrank hängt kein einziges schwarzes Kleidungsstück. Ich habe das Gefühl, dass mich das belastet, wenn ich etwas Schwarzes trage. Ich liebe Weiß! Ich liebe Farben!

Adenauer & Co – Vom Testladen zur Modemarke, Foto: Privat
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Das ist mir auch aufgefallen: Schwarz findet man nicht in Ihren Freizeitmode-Kollektionen.
Unser Schwarz ist Marine! Marine geht immer. Da sind Sie immer gut mit angezogen. Ich kann Männer nur ermutigen, dass sie diese Farbe tragen. Farben und Worte, die machen was mit Menschen. Ich kann mit einem Wort, das ich sende, Menschen ermutigen oder entmutigen, beleidigen oder provozieren. Die Welt provoziert genug. Es ist genügend schlechte Message unterwegs. Wir haben uns entschieden: Wir wollen Menschen ermutigen.
Wir spielen deshalb mit Worten – in deutscher Sprache. Wir schreiben zum Beispiel auf ein Shirt: GLÜCK. Wir haben einen Bestseller mit „beschützt“. Die Bibel ist voll von diesen ermutigenden Worten. Wir besprechen im Team die Grafik, welche Schriftzüge es sein sollen und dann bin ich derjenige, der die Worte wählt.

„Ich bekomme meine Kraft durch Jesus und das Gebet.“

Warum ist gerade die Bibel für Sie eine Inspirationsquelle für ermutigende Worte?
Ich lese die Bibel jeden Tag. Ich bekomme meine Kraft durch Jesus und das Gebet. Mir ist das sehr wichtig. Ich bin kein religiöser Mensch. Religion ist für mich tot. Jesus Christus ist nicht tot – er lebt! Christsein ist eine Beziehung und die braucht Raum und Zeit. Und das heißt: In dem Moment, wo Sie sich für Jesus entscheiden, können Sie am Arbeitsplatz, in der Firma nicht mehr alles so machen, wie sie es früher gemacht haben. Ich kann nicht sonntags in die Kirche rennen und montags Lieferanten unfair behandeln. Das geht nicht!

Gab es für Sie einen Punkt, an dem Sie sich bewusst für den christlichen Glauben entschieden haben?
Ich glaube, dass Gott uns immer wieder ruft, und die Stimme ist meistens nicht laut, sondern leise. Wenn es nicht so gut läuft, dann hören wir zu. Bei mir war das mit Mitte 40: gescheiterte Beziehung, gescheiterte Ehe. Ich war beruflich in Amerika. Da war ich plötzlich „reseted“. In Deutschland war ich in meiner Branche schon jemand. Und dort in den USA war ich ein Niemand. Ich bin katholisch getauft, habe da aber keine Inspiration gefunden. Ich habe damals eine freikirchliche Gemeinde besucht und dort dann Jesus kennenlernen dürfen. Ich kann das nur damit vergleichen, sich zu verlieben! Danach kam die Phase, wo ich beruflich nicht mehr in großen Firmen war. Dann hat Gott zu mir gesagt: „So, Andreas, mach mal was selber!“

„Wenn es einen Charakterzug Gottes gibt, dann ist es die Vielfalt.“

Hat diese neue Liebe zu Gott auch Ihren Blick auf die Modebranche verändert?
Wenn es einen Charakterzug Gottes gibt, dann ist es die Vielfalt. Keine Schneeflocke ist gleich! Ich war im Aquarium in Palma. Wenn man sich die Farben und die Tiere da ansieht: Das ist eine Explosion von Innovation und Farbe und Design! Für mich ist Gott ein Designer! Und wenn Gott vielfältige Menschen gemacht hat, dann gibt es keinen Beruf, der nicht zu Gott passt.

Nochmals zurück zu Ihrem Großvater, Bundeskanzler Konrad Adenauer. Inwiefern hat er Ihre ersten sechs Lebensjahre mitgeprägt? Sie haben ja Haus an Haus gewohnt.
Als Kind nimmst du einen Menschen nur wahr auf emotionaler Ebene. Er hat mir Dinge vermittelt, die man heute gar nicht mehr nachvollziehen kann. Ich habe mich dann später immer wieder mit meinem Großvater beschäftigt. Nicht zuletzt über Menschen, die ihn kennengelernt haben. Das hat mich motiviert, auch über ihn zu lesen. Mein Großvater hat mich auf jeden Fall inspiriert in Bezug auf: nicht aufgeben, seinen eigenen Weg gehen, wenn man der Meinung ist, dass der richtig ist. Was ich auch von ihm lernen durfte, was viele Menschen nicht wissen: dass er eine ganz enge und intensive Beziehung zu Jesus Christus und zu Gott hatte und daraus seine Kraft schöpfte.

„Politik ist für mich das Drumherumreden und Nicht-zur-Sache-Kommen!“

Warum war die Politik keine Option für Sie? Mit dem Namen hätten Sie sicher viele Menschen hinter sich gehabt!
Ich bin immer jemand gewesen, der aufbaut, macht, verändert. Politik ist für mich das Drumherumreden und Nicht-zur-Sache-Kommen! Und weil ich die Politik der letzten dreißig Jahre eher als eine Weiterführung eines guten bestehenden Systems gesehen habe, empfand ich nicht die Notwendigkeit, dass ich da mitmachen muss!

Mode statt Politik – 2012 haben Sie das Label „Adenauer & Co“ gegründet. War das nicht gewagt, ein Freizeitmodelabel nach einem so bekannten Politiker zu benennen?
Ich hatte Respekt. Es war für mich kein Name für Mode. Trotzdem habe ich den ersten Testladen „Adenauer & Co“ genannt. Als unsere Gäste sagten, das ist ein cooler Name, hatte ich das Gefühl, dass es funktioniert.
Ich glaube, das ist Teil unserer DNA, dass wir in unserer Werbung, unseren Botschaften versuchen, die Menschen zu überraschen. Da ist der Schalk vom Konrad drin. Der hatte einen sehr coolen Humor. Adenauer und entspannte Mode ist vielleicht auch der Twist, der das bricht und der Leichtigkeit bringt.

Danke, Herr Adenauer, für das Gespräch!


Das Interview ist zuerst im Männermagazin MOVO erschienen, dass wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

3 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Kein Wunder dass zu Konrad Adenauers Zeiten „die Welt noch in Ordnung war“ . Ohne Jesus geht gar nichts, das können wir heute ganz deutlich sehen.

  2. Grossartig, Andreas Adenauer! Es begeistert mich, wie Sie an etwas herangehen. Das hat mit göttlicher Perspektive zu tun. Sie leben in der Gnade und Wahrheit, die durch Jesus Christus real wurde. Sie sind ein wunderbares Beispiel. Weiter überfliessend Gunst in allem allezeit.

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