Johannes 15
„Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Weingärtner. Er schneidet jede Rebe ab, die keine Frucht bringt, und beschneidet auch die Reben, die bereits Früchte tragen, damit sie noch mehr Frucht bringen. Ihr seid schon durch die Botschaft, die ich euch gegeben habe, beschnitten. Bleibt in mir, und ich werde in euch bleiben. Denn eine Rebe kann keine Frucht tragen, wenn sie vom Weinstock abgetrennt wird, und auch ihr könnt nicht, wenn ihr von mir getrennt seid, Frucht hervorbringen. Ich bin der Weinstock; ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, wird viel Frucht bringen. Denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun. Wer nicht in mir bleibt, wird fortgeworfen wie eine nutzlose Rebe und verdorrt. Solche Reben werden auf einen Haufen geworfen und verbrannt. Doch wenn ihr mit mir verbunden bleibt und meine Worte in euch bleiben, könnt ihr bitten, um was ihr wollt, und es wird euch gewährt werden! Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht hervorbringt und meine Jünger werdet.“
Jesus richtet vor seiner Kreuzigung einige Abschiedsreden an die Jünger. Eine davon ist diese Rede vom Weinstock. Sie beschreibt, wie wir ein fruchtbares Leben führen können. Quintessenz: ohne Jesus gar nicht und mit Jesus nur unter Schmerzen. Und das soll eine gute Nachricht sein?
Man kann es gar nicht oft genug betonen: Wenn wir etwas ohne Verbindung zum Herrn tun, nützt es nichts, selbst wenn wir uns dabei auf den Kopf stellen und mit den Beinen Hurra schreien. In dieser Hinsicht sind manchmal sogar geistliche Aktivitäten Gift. Man kann sich mit Enthusiasmus ins gemeindliche Gewühl stürzen – und dabei ist die Leitung nach oben gekappt. Aber hier ist der Vater im Himmel auf dem Plan: Solcherlei Wildwuchs wird er beschneiden.
Beschneidung unserer nutzlosen Reben tut weh, und selbst denen, die Frucht bringen, bleibt es nicht erspart, weiter beschnitten zu werden. Wir werden in solchen Situationen den Eindruck haben, dass wir gedemütigt werden oder dass uns etwas genommen wird. So etwas haben wir nicht gerne, so etwas suchen wir uns auch nicht aus – aber das müssen wir auch nicht. Hier können wir vertrauensvoll dem Weingärtner die Regie überlassen. Wir wissen ja, welches Ziel er damit verfolgt.
