Tag 350

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1. Korinther 15

Vielleicht fragt jetzt einer: „Wie werden die Toten denn auferstehen? Was für einen Körper werden sie haben?“ Welch eine unsinnige Frage! Wenn ihr ein Samenkorn in die Erde legt, wächst es nicht zu einer Pflanze heran, bevor es nicht gestorben ist. Was ihr in die Erde legt, ist nicht die Pflanze, die wachsen wird, sondern ein bloßes Weizenkorn oder was ihr sonst pflanzen wollt. Dann gibt Gott ihm einen neuen Leib, wie es ihm gefällt. Aus jedem Samen wächst eine andere Pflanze. Und so, wie es verschiedene Samen und Pflanzen gibt, so gibt es auch Unterschiede zwischen den Körpern von Menschen, Tieren, Vögeln oder Fischen. Es gibt himmlische Körper und irdische. Aber die Herrlichkeit der himmlischen ist eine andere als die der irdischen. Die Sonne hat einen anderen Glanz als der Mond und die Sterne, denn jeder Stern unterscheidet sich in Schönheit und Helligkeit von den anderen. Genauso verhält es sich mit der Auferstehung der Toten. Unsere irdischen Körper sterben und verwesen, doch bei der Auferstehung werden sie unvergänglich sein und nicht mehr sterben. Jetzt sind unsere Körper nicht perfekt, aber wenn sie auferstehen werden, werden sie voller Herrlichkeit sein. Jetzt sind sie schwach, dann aber voller Kraft. Jetzt sind es natürliche menschliche Körper, aber wenn sie auferstehen, werden es geistliche Körper sein.

Das hat sich wohl jeder, der an die Auferstehung glaubt, schon einmal gefragt: „Wie sehe ich eigentlich dann aus?“ Schließlich sind die Leichen zu Staub zerfallen oder anderweitig vernichtet. Paulus hält die Frage für dumm und vergleicht das Verhältnis vom menschlichen Körper zum Leib der Auferstehung mit dem Verhältnis von Same und Pflanze. Es wird unvorstellbar viel mehr sein als das irdische Leben, obwohl auch dann eine Unterschiedlichkeit zu erkennen sein wird.

Allerdings wird nicht jeden der Tod ereilen. Eine ganz andere entscheidende Glaubensaussage ist in diesem Kapitel noch enthalten: der große Showdown der Weltgeschichte, von dem unklar ist, wann genau der stattfinden wird. Aber dass er stattfinden wird, darüber gibt es kein Vertun: Jesus wird wiederkommen. Die, die dann auf der Erde leben, werden nicht mehr sterben, sondern Jesus wird sie gleich mit zu sich nehmen. Dann wird auch die Auferstehung der Toten sein.

Was zur Zeit der Apostel der ganzen Gemeinde Hoffnung gegeben hatte, wirkt heute eher verstörend. Eigentlich sind wir meist ganz gern auf der Erde und können – rein emotional – der Wiederkunft Jesu nicht gar so viel abgewinnen. Von uns aus könnte Jesus noch ein wenig zuwarten. Aber es war gerade die Naherwartung der Wiederkunft, die der christlichen Gemeinde seinerzeit einen Schub gegeben hat. Ein wenig Naherwartung würde auch uns gut anstehen. Und wenn schon nicht Naherwartung, dann wenigstens doch die gespannte Erwartung, dass Jesus zu einem unbekannten Zeitpunkt wiederkommt, damit wir nicht nur in unserer frommen Selbstbespiegelung dahindümpeln, sondern mit einem Ziel vor Augen leben.

Man sollte in Bezug auf das Datum der Wiederkunft hier nicht – wie leider oft geschehen ist – die Frage nach dem Zeitpunkt überstrapazieren. Aber damit zu rechnen, dass dies jeden Tag geschehen könnte, hat durchaus positive Konsequenzen: Schließlich verführt der Gedanke, dass das Ende noch auf sich warten lässt, dazu, das (Glaubens-)Leben weniger verbindlich anzugehen.