Im Segen verspricht Gott, dass er für uns da ist. Und das nicht als mysteriöse Zauberformel, sondern in einer persönlichen Beziehung. Auf den Spuren des göttlichen Zuspruchs kommt man am ältesten überlieferten Segen aus 4. Mose 6,22-27 nicht vorbei.

Von Stephanie Korinek

„Und der HERR redete zu Mose und sprach: ‚Rede zu Aaron und zu seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr die Söhne Israel segnen! Sprecht zu ihnen: Der HERR segne dich und behüte dich! Der HERR lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig! Der HERR erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden! Und so sollen sie meinen Namen auf die Söhne Israel legen, und ich werde sie segnen.‘“

„Und der Herr redete zu Mose und sprach: ‚Rede zu Aaron und zu seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr die Söhne Israel segnen!‘“

In den ersten Versen zeigt sich, dass es Gott selbst ist, der diese Worte weitergibt. Nicht Mose, Aaron oder ein Mensch haben sich diese Segensworte ausgedacht, sondern sie stammen von Gott. Der Segen geht also von ihm aus. Gleichzeitig ist das Segnen ein Auftrag an Mose, Aaron und damit die Priester. Laut 1. Petrus 2,9 gehört jeder, der Jesus nachfolgt, zum „königlichen Priestertum“ und ist deshalb berufen, den Segen Gottes weiterzugeben. Egal, ob im Gottesdienst, als Geburtstagswunsch oder in einem kurzen „Sei gesegnet“ – Segen empfangen und weitergeben ist ein Privileg, das Gott dir gegeben hat!

„Sprecht zu ihnen: Der Herr segne dich und behüte dich!

Die drei Segenswünsche, die jetzt kommen, heben sich sprachlich vom bisherigen Text ab. Sie stehen in der „Du“-Form. Das macht deutlich: Du bist gemeint und darfst dich angesprochen fühlen! Dieser Vers fasst zusammen, was „Segen“ bedeutet: Gott tut dir Gutes (segnet) und hält Böses von dir fern (behütet). Das sagt sich so leicht dahin.
Aber mach dir doch mal eine Liste: Wie viel Gutes hast du schon in deinem Leben erfahren? Wo bist du bewahrt worden? Wie viele Beweise, dass du jetzt schon gesegnet bist, findest du?
Hier ein paar Beispiele: Du lebst in einer Demokratie, deine Persönlichkeitsrechte sind geschützt, du erhältst kostenlose Schulbildung, du hast eine Krankenversicherung, sauberes Wasser, gesunde Lebensmittel, (wahrscheinlich) ein Smartphone, du kannst sehen, hören, fühlen
, dich bewegen, du hast Familie, Freunde, hast noch nie Krieg erlebt, hast (vielleicht) einen Unfall ohne große Blessuren überstanden

„Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig!“

Woran denkst du bei einem leuchtenden Gesicht? Das Strahlen von jemandem, der eine Auszeichnung bekommt? Die Augen eines Kindes, wenn es seine Geschenke öffnet?
So ein strahlendes Gesicht spricht Bände, man merkt es der Person sofort an, dass sie sich freut! Und es ist etwas ganz Besonderes, wenn du jemanden zum Strahlen bringst. Gottes Angesicht leuchtet über dir, du bringst ihn zum Strahlen. Du bist sein geliebtes Kind. Und deshalb darfst du dich von diesem Strahlen anstecken lassen. Freu dich – du bist wunderbar geschaffen
(Psalm 139,14). Gottes leuchtendes Gesicht soll dich aber auch „erleuchten“. Dir Klarheit schenken, Licht ins Dunkel bringen und dir den Weg zeigen.

„Gott beugt sich gern zu dir herab, er kommt auf dein Level.“

In dem Vers ist aber nicht nur vom Leuchten, sondern auch von der Gnade die Rede. „Sich herabbeugen“, das ist die Grundbedeutung in Hebräisch für „gnädig sein“. Gott beugt sich gern zu dir herab, er kommt auf dein Level. Er weiß, was es bedeutet, Mensch zu sein. Als Jesus von Nazareth hat er erfahren, was Schmerzen, Zweifel, Mobbing, Leid und Tod bedeuten. Deshalb kann er dir in allem nahe sein und versteht dich.

„Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden!“

Auch in diesem Vers ist wieder vom „Gesicht“ die Rede, diesmal als „Gesicht erheben“. Wenn jemand zu Boden schaut, bleibt unklar, was er fühlt – denn man erkennt es nicht in seinem Gesicht. Wenn dir dagegen jemand offen ins Gesicht sieht, ist die Sache klar: Du kannst erkennen, ob jemand dich freundlich, böse, verwirrt, hilfesuchend … ansieht. Auf Gott bezogen bedeutet diese Wendung: Gott zeigt dir sein Gesicht, er begegnet dir offen. Dir gilt sein ungeteiltes Interesse.
Gottes Absicht ist es, dir Frieden zu geben. Damit ist nicht nur äußerlicher Friede gemeint. „Frieden“ steht für Heil, Glück und für gesunde Beziehungen – von Mensch zu Mensch und Mensch zu Gott. Sehnst du dich nach diesem Frieden? Vielleicht gerade inmitten von Unklarheit, Zweifeln und Herausforderungen? Dann gilt dir ganz besonders dieser Segen: „Gott bewahre dein Herz und gebe dir einen Frieden, der höher ist als alle Vernunft“ (Philipper 4,7).

„Und so sollen sie meinen Namen auf die Söhne Israel legen, und ich werde sie segnen.“

„Den Namen auf jemanden legen“ – wie soll das gehen? Wir tun das eigentlich ständig, nur nennen wir es anders. Wir nennen jemanden „Freund“ und beschreiben damit eine Wirklichkeit auf der Beziehungsebene. Indem jeder Segensspruch mit „Der Herr“ beginnt, wird der Name Gottes proklamiert. Den Namen Gottes auf jemanden zu legen bedeutet: mit dem Namen wird eine Wirklichkeit über jemandem ausgesprochen.
Und was ist diese Wirklichkeit? Es ist die Nähe Gottes. Er ist bei dir, in dir, um dich herum, über dir! Das sagt nämlich sein Name aus: Wo in der deutschen Bibel „Der Herr“ steht, da steht im hebräischen Original „Jahweh
“. Das ist der Name, mit dem sich Gott im brennenden Dornbusch Mose gegenüber vorstellt: „Da sprach Gott zu Mose: ‚Ich bin, der ich bin.“ (2. Mose 3,14). Im Namen „Jahweh“ ist die Form für „sein“ enthalten. Deshalb kann Jahweh übersetzt werden als: Ich bin, der ich bin. Oder ganz einfach: „Ich bin da!“
In diesem ältesten Segen der Bibel verspricht Gott Dinge, die heute noch in gleicher Weise für uns gelten. Dass er für uns da ist. Uns begleitet. Uns Gutes schenken und Böses von uns fernhalten will. Dass er sich über uns freut und gerne mit uns auf Augenhöhe kommt. Mitlacht. Mitweint. Uns Frieden gibt und uns seine Nähe schenkt.

Der sogenannte „Aaronitische Segen“ aus 4. Mose 6,22-27 ist zwar nicht chronologisch der älteste Segen in der Bibel, aber der älteste Überlieferung. Er ist durch Quellen aus dem 7. Jahrhundert vor Christus bezeugt.


Dieser Artikel ist zuerst in der Zeitschrift DRAN erschienen, die wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

 

 

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Das war die tollste Erklärung einer sonst nicht so leicht verständlichen bibelstelle. Sagt viel mehr als ich annehme konnte. So kann man So Was auch zu anderen vorbestellen finden. Gott segne euch.

  2. G’TT spricht zu Aaron er soll die Kinder Jisraels segnen, ist eindeutig.Also gilt das in erster Linie für die Juden sollte man Ehrlicherweise sagen. Den Juden wird soviel weggenommen und wehe ihnen wenn sie Jesus nicht als Messias annehmen.
    Ich frage mich nur, warum hat G’TT sich solche Mühe mit den Juden gegebenin dem ER so oft direkt zu ihnen gesprochen hat.

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