Norbert Blüm
Norbert Blüm im jahr 2019 (Foto: picture alliance/Rolf Vennenbernd/dpa)
Norbert Blüm ist tot. Der langjährige Bundesarbeitsminister und engagierte Christ starb in der Nacht im Alter von 84 Jahren, wie die nordrhein-westfälische Staatskanzlei am Freitag in Düsseldorf mitteilte.
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Der CDU-Politiker Blüm gehörte als einziger Minister in den Jahren 1982 bis 1998 sämtlichen Kabinetten von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) durchgehend an. In der CDU hatte Blüm zahlreiche Parteiämter auf Bundes- und Landesebene inne, unter anderem war er Mitglied des Parteipräsidiums und gehörte von 1969 bis 2000 zum Bundesvorstand.

Der 1935 in Rüsselsheim geborene, volksnahe Politiker engagierte sich besonders im Arbeitnehmerflügel der Partei (CDA). Nach dem Ende der Ära Kohl zog er sich nach und nach von seinen politischen Ämtern zurück. Er blieb aber weiterhin sozial engagiert, unter anderem bei Amnesty International und der Kindernothilfe. In einem Gastbeitrag für die Süddeutsche schrieb er 2018: „Wir, die Bewohner der Wohlstandsinsel Europa, sind die Hehler und Stehler des Reichtums der sogenannten Dritten Welt. Auf deren Kosten und Knochen haben wir uns bereichert.“

Studierter Theologe

Nach einer Werkzeugmacher-Lehre studierte Blüm Philosophie, Geschichte, Germanistik und katholische Theologie, bevor er in die Politik ging. Sich selbst bezeichnete Blüm gerne als „linken Konservativen“. Über seinen Glauben äußerte er sich sehr ausführlich in einem Briefwechsel mit dem Journalisten und Atheisten Peter Henkel. Dieser erschien später als Buch mit dem Titel „Streit über Gott: Ein Gespräch unter Gegnern“.

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Auch mit seiner eigenen Partei setzte sich Blüm nach Ende seiner politischen Laufbahn kritisch auseinander, zum Beispiel mit der Asyl- und Flüchtlingspolitik. Im oben genannten Gastbeitrag mahnte er: „Das C im Parteinamen ist kein Besitzanspruch an Wähler, sondern eine Selbstverpflichtung der Partei, ihre Politik an der Botschaft des Christentums zu messen.“

Diakoniepräsident Ulrich Lilie sagte zum Tod des Politikers: „Norbert Blüm war ein Gestalter, für den sein christliches Menschenbild stets die Richtschnur seiner Politik war.“ Er habe stets ein offenes Ohr für die Belange der Diakonie gehabt. „Wir werden ihn vermissen.“

Video: Norbert Blüm 2018 im Flüchtlingslager Idomeni in Griechenland

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Norbert Blüm war eine ehrliche Haut

    Norbert Blüm war ein Original und auch jemand, der Klartext redete in einer einfachen aber nicht banalen Sprache, eine ehrliche Haut sowie ein Mensch, mit dem man – bildlich gesehen – unkompliziert ein Bier trinken gehen konnte. Als der Vater der Pflegeversicherung hat er allerdings den anfangs vermittelten Anschein nicht korrigiert, sie funktioniere perfekt nach Vollkaskoregeln. Was ihn stark und sympathisch machte, war sein Humor. Bis zu einem gewissen Grad beherrschte er die vielgeschworene aber ganz selten funktionierende Kunst des produktiven friedlichen Streites, der in der Politik in den schweren Nachcaronazeiten sicherlich dringend notwendig wäre. Theologisch-christlich hat er sich im engeren Sinne eigentlich nicht geäußert, aber zumindest indirekt verlauten lassen, daß Gott nicht unsere Engstirnigkeit und unsere Vorurteile über manche seiner Geschöpfe besitzt, die wir gern auf ihn projezieren.

    Daß er die Flüchtlinge in ihrem Lager nicht nur besuchte, sondern dort wenigstens eine kurze Zeit mit im Schlamm kampierte, ist eine friedliche Ohrfeige für all die vielen ach so christlichen Zeitgenossen, die zu uns kommende Flüchtlinge lieben wie das Bauchweh. Populisten konnte er nicht leiden, nicht als Pesonen, sondern ihre Worte und unwahren Vereinfachungen der Probleme einer komplizierten Welt. Wo er jetzt ist, ist alles anders – wie schön.

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