Erstes Freitagsgebet in der Hagia Sophia

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Tausende muslimische Gläubige versammeln sich in der Hagia Sophia zum Gebet.
Foto: picture alliance / AA / Turkish Presidency / Murat Centinmuhurdar / Handout
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Am Freitag (24. Juli) fand wie geplant das erste Freitagsgebet in der Hagia Sophia statt. Damit ist die Umwandlung in eine Moschee vollständig. Wie die Tagesschau berichtet, waren tausende Gläubige aus aller Welt für diesen Moment angereist. Auch Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan war unter den Betenden.

In den vergangenen Wochen war mit Hochdruck daran gearbeitet worden, das Museum, das einst eine Kirche und zwischenzeitlich eine Moschee war, wieder in eine Moschee umzuwandeln. 4.000 Quadratmeter Teppich wurden verlegt. Außerdem wurde ein Gardinensystem installiert. Das verdeckt beim Gebet die christlichen Symbole aus byzantinischer Zeit.

Kritik an der Umwandlung zur Moschee gab es von verschiedensten Seiten. Auch der sonst liberal eingestellte Weltkirchenrat bat darum, die Entscheidung noch einmal zu überdenken. Der Interims-Generalsekretär Ioan Sauca sprach von einem „traurigen Tag in der Geschichte des Christentums und der interreligiösen Beziehungen.“ Er bat um Gebet dafür, dass die Regierung die Umwandlung rückgängig mache. Auch in Griechenland und auf Zypern läuteten aus Protest zur Zeit des Gebets die Glocken vieler Kirchen. (nate)

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. >das Museum, das einst eine Kirche war, in eine Moschee umzuwandeln

    Auch wenn es wahrscheinlich die meisten wissen, so hätte es doch erwähnt werden können, dass die Hagia Sophia danach auch bis ins 20 Jahrhundert 500 Jahre als Moschee genutzt wurde.

    Man könnte also genauso gut sagen, dass es eine Reaktivierung bzw. Wiedernutzung als Moschee ist. Die Umwandlung in eine Moschee ist schon sehr lange her. Genauso wie eine christliche Nutzung.

    Die Gefahr, die insbesondere Denkmalschützer sehen, liegt darin, dass die in der Hagia Sophia erhaltenen Kunstwerke, davon viele christliche (die die 500 Jahre muslimische Moscheenutzung offensichtlich unbeschadet überstanden haben, was einem auch mal zu denken geben sollte), jetzt zerstört werden könnten von fundamentalistischen Muslimen.

    Während der Nutzung als Museum wurden diese stets bewacht (wie bei Museen nun mal allgemein üblich). Das ist jetzt während der zeitweiligen Nutzung als Moschee (die Hagia Sphia wird daneben ja weiter als allgemein zugängliches Museum genutzt) nicht der Fall. Es ist also zu befürchten, dass es nicht bei zeitweiligen Abdecken und Verhüllen bleibt.

    Das wäre allerdings ein trauriger Tag, nicht nur für die Christen sondern für alle Mennschen, die Kunstwerke für erhaltenswert halten.

    Bei der Berichterstattung, nicht nur bei jesus.de, bekomme ich aber oft den Eindruck, hier werde jetzt eine christliche Kirche umgewandelt oder eine ganz neue Moschee eröffnet. Das ist nicht der Fall und deshalb sehe ich diesen Punkt auch nicht so dramatisch.

    Schlimm ist vielmehr, dass das wieder ein Steinchen mehr ist, mit denen Erdogan die Türkei autokratisch radikalisiert. Denn dass das die türkisch-griechischen Beziehung sicherlich nicht verbessern dürfte, um die es derzeit eh schlecht steht, dürfte gewiss sein.

    Erdogan schwimmen langsam die Felle davon. Selbst Wahlmanipulationen und massiver Druck auf jede Opposition verlieren langsam ihre Wirkung. Insofern versucht er das, was Despoten dann immer gern machen: Sie betreiben Symbolpolitik. Und das hat die Hagia Sophia nicht verdient.

    • Lieber Jörg,
      mit deinem Hinweis hast du natürlich recht. Wir hatten die Geschichte der Hagia Sophia bereits in einem vorangegangenen Artikel ausführlich beschrieben. Deswegen hatten wir in dieser Meldung die erneute Erwähnung, dass das Gebäude schon mal eine Moschee war, ausgelassen. Das war verkürzt – wir haben hier nachgebessert.

      Liebe Grüße
      dein Jesus.de-Team

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