- Werbung -

Luxusproblem: Zu viele Jugendliche in der Gemeinde

Sie sind einfach da, und sie gehen nicht weg. Sie wollen weitermachen. Und damit haben wir jetzt ein Problem. Ein echtes Luxuproblem: Wir haben so viele Jugendliche, dass unsere bisherigen Ideen und Konzepte nicht funktionieren.

Von Pastorin Margrit Wegner

- Werbung -

Die Konfizeit lag uns immer am Herzen, klar. Mein Kollege und ich haben da viel Zeit und Herzblut hineingesteckt. Mit zwei Gruppen haben wir angefangen, irgendwann waren es drei, dann vier, jetzt sind es seit zwei Durchgängen fünf.

Dabei machen wir gar nichts Besonderes, wir haben weder Jugendräume noch Abenteuercamps, keine Jugendmitarbeiterin und keinen Diakon. Unsere Konfizeit ist im Grunde nicht besonders aufregend. Wir treffen uns ganz klassisch einmal in der Woche mit den Gruppen. Es gibt in dem einen Jahr zwei kurze Freizeiten. Wir verlangen sogar mehr Gottesdienstbesuche als andere Gemeinden. Zweimal im Monat, also 24 Gottesdienste im Jahr. Einige Konfis kommen jetzt schon, weit vor den Konfirmationen, auf 34, 46 oder sogar 51 Gottesdienstbesuche. Warum?

Die Fragen der Jugendlichen haben sich verändert. Sind ernsthafter geworden. Tiefgründiger. Existentieller.

Weil sie merken, dass ihnen das guttut. Weil sie spüren, dass uns die Gottesdienste selber wichtig und kostbar sind. Dass wir da Liebe und Mühe investieren, gerne auch mit ihnen gemeinsam. Und weil sie gestalten können, wo es gerade geht und wie es für sie eben stimmt. Vielleicht sind sie deshalb einfach da. Bringen Freundinnen mit, ziehen Geschwister nach, erzählen in der Schule davon. Weil wir sie ernst nehmen. Weil wir auch keine fertigen Antworten haben. Weil wir gerne mit ihnen auf der Suche sind und mit ihnen ringen um Glauben, Hoffnung und Liebe in dieser seltsamen Zeit.

Denn das spüren wir auch: Die Fragen der Jugendlichen haben sich verändert. Sind ernsthafter geworden. Tiefgründiger. Existentieller. Von 86 Jugendlichen, die wir jetzt im Sommer konfirmieren, haben wir 25 (in Worten: fünf-und-zwanzig!) getauft. Viele von ihnen kommen aus Familien, die nichts mit Kirche zu tun haben. Ihre Eltern sind ohne Glauben großgeworden oder bewusst aus der Kirche ausgetreten, sehen die Taufe kritisch und wundern sich über den Weg, den ihre Jugendlichen da gehen.

- Werbung -

Sie müssen sich durch ihre Konfi-Kinder mit Glaubensthemen und mit Gott beschäftigen, und sie kommen aus dem Staunen nicht heraus. Wir sind gespannt, wie das weitergeht in diesen Familien!

Wenn sie konfirmiert sind, wollen sie einfach nicht aufhören. Sie bleiben dabei, in der Gruppe und in der Gemeinde. Im letzten Jahrgang war der Andrang so groß, dass wir eine eigene Teamer:innenausbildung starten mussten. Und der nächste Team-Jahrgang steht in den Startlöchern, zusätzlich zu den nächsten neuen Konfigruppen.

Leider geht mein Kollege in gut einem Jahr in den Ruhestand. Seine Stelle werden wir maximal zu 50 % neu besetzen dürfen, wenn überhaupt. Wie das gehen soll mit immer weniger Hauptamtlichen und immer mehr Aufgaben, das ist mir bisher noch ein Rätsel. Aber ich ahne: Es werden sich Wege finden, mit Gottes Hilfe. Die Jugendlichen sind da. Offenbar hat Gott ja was mit ihnen vor.

- Werbung -

Margrit Wegner ist Pastorin am Lübecker Dom.



Diese Kolumne ist im Ideenmagazin für die Kirche 3E – Echt. Evagelisch. Engagiert erschienen, das wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag gehört.

Mehr zum Thema:

NEWS & Themen

NEWSLETTER

BLICKPUNKT – unser Tagesrückblick
täglich von Mo. bis Fr.
Wir liefern dir die interessantesten NEWS,
Interviews und Geschichten aus der christlichen Welt.
Kompakt, relevant, inspirierend.

Wie wir Deine persönlichen Daten schützen, erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.
Abmeldung im NL selbst oder per Mail an info@jesus.de

Konnten wir dich inspirieren?

Jesus.de ist gemeinnützig und spendenfinanziert – christlicher, positiver Journalismus für Menschen, die aus dem Glauben leben wollen. Magst du uns helfen, das Angebot finanziell mitzutragen?