Der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU), der als Vizepräses der Synode in der Evangelischen Kirche in Deutschland engagiert ist, kritisiert seine eigene Kirche wegen des Umgangs mit Missbrauchsopfern.
Nicht nur bei den Katholiken, auch bei den Protestanten sei nicht alles vorbildlich gelaufen, sagte er der «Süddeutschen Zeitung» (Donnerstagsausgabe): «Auch bei uns wurde vertuscht. Wir sind nicht die Heiligen.»
Es sei ein Fehler gewesen, den Missbrauch «unter den Teppich zu kehren, um die Institution Kirche nicht zu beschädigen», sagte der CSU-Politiker, der seit 2009 im Präsidium des Kirchenparlaments der EKD mitarbeitet und Mitglied der Synode der bayerischen Landeskirche ist. Christen wüssten doch, dass das «Bodenpersonal Gottes» fehlerhaft sei.
Beckstein bilanzierte auch sein eigenes Handeln in der Politik. «Die eine oder andere Entscheidung war überzogen, vielleicht auch falsch», sagte er über seine jahrelang umstrittene Asylpolitik. Es habe Härten gegeben. Dennoch könne ein Politiker auch ein guter Mensch sein. «Ich wollte weder ein Heiliger sein noch ein Schwein», sagte Beckstein. «Die Menschen wollen keine Politiker, die herzlos und eiskalt sind. Sie wollen einen Politiker mit sozialen und emotionalen Fähigkeiten. Das gilt, auch wenn ich 2008 bei der Landtagswahl gescheitert bin.»
Ärgerlich und belastend nannte es Beckstein, dass er als Verwaltungsratsmitglied der Bayerischen Landesbank Mitverantwortung trage für die großen Verluste der Bank: «Wir waren nicht leichtfertig, wir wollten die Landesbank für die Zukunft ertüchtigen und nicht 25 Prozent Rendite erzielen. Ich trage die Verantwortung für eine Menge von Problemen.»
(Quelle: epd)
