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Nach dem Papstbesuch: Kritische Bilanz – Küng spricht von „Personenkult“

Nach dem Besuch des Papstes in Deutschland haben Politiker und Kirchenvertreter eine kritische Bilanz gezogen.

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Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warf der katholischen Kirche Rückständigkeit vor. Aus seiner Sicht passe «die ganze Organisation des Vatikans einfach nicht ins 21. Jahrhundert», sagte er der Tageszeitung «Die Welt» (Montagsausgabe). Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hielt den Zeitpunkt für ein abschließendes Fazit des Papstbesuches indes für verfrüht.

 Nach Ansicht von Lammert ist der Besuch mit Erwartungen konfrontiert worden, bei denen «man realistischerweise davon ausgehen musste, dass sie sich nicht erfüllen». Mit seinem Wunsch, die Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Erfurt im Augustinerkloster zu treffen, habe Papst Benedikt XVI. selbst zu Erwartungen beigetragen, die sich nicht bestätigt hätten.

 Kretschmann betonte: «Die alte Metapher des Glaubensgehorsams funktioniert nicht mehr. Im Glauben kann man gar nicht gehorchen». Zudem habe er sich vom Ökumene-Treffen tatsächlich stärkere Signale erwartet«, sagte Kretschmann, der dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angehört.

 Der katholische Theologe Hans Küng, kritisierte das Ergebnis des Ökumene-Treffens sowie den »Personenkult« um den Papst. Es habe sich gezeigt, »dass Joseph Ratzinger seit nunmehr dreißig Jahren als Haupthindernis für die ökumenische Verständigung mit der evangelischen Kirche wirkt«, sagte er der Chemnitzer »Freien Presse (Montagsausgabe). Das Treffen sei für die Protestanten ein «beleidigendes Abservieren, vor allem bezüglich der Wünsche für ein gemeinsames Abendmahl» gewesen.

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 Der badische evangelische Landesbischof Ulrich Fischer erklärte: «Benedikt XVI. hat der Ökumene keine Steine in den Weg gelegt». Zugleich könne er aber auch keine Ermutigung erkennen. Die Reden von Benedikt im Bundestag, in Erfurt und im Freiburger Konzerthaus durchziehe «ein Mangel an Konkretion, die ich als mühsam empfunden habe».

 Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, sagte dem «Kölner Stadt-Anzeiger» (Montagsausgabe): «Für das evangelisch-katholische Verhältnis habe ich von vorneherein nicht mehr erwartet». Der Papst habe eine «Demonstration des römischen Zentralismus abgeliefert, von dem menschlich offenbar nichts zu erwarten ist».

 Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck würdigte dagegen den Papstbesuch als «ein wichtiges und stärkendes Zeichen für die Katholische Kirche in Deutschland» gewürdigt. Zugleich räumte er ein, dass das Treffen mit Vertretern der Evangelischen Kirche «an einigen Stellen Enttäuschungen» ausgelöst habe. Den Grund sieht der Bischof in den «zu hohen Erwartungen», die im Voraus aufgebaut worden seien.

 Auch ZdK-Präsident Alois Glück ist mit dem Ökumene-Treffen zufrieden. «Mein Eindruck ist, dass die evangelische Kirche das Treffen insgesamt positiv bewertet», sagte er der «Passauer Neuen Presse» (Montagsausgabe). «Jetzt besteht die Chance, dass beide Kirchen das Reformationsjubiläum 2017 gemeinsam gestalten können». 2017 feiert die evangelische Kirche den 500. Jahrestag des Thesenanschlags durch Martin Luther (1483-1546) an die Wittenberger Schlosskirche, die als Ausgangspunkt der Reformation gilt.

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 Unterdessen griff die FDP das Plädoyer des Papstes auf, die katholische Kirche sollte zugunsten eines klaren missionarischen Zeugnisse auf Macht und Privilegien verzichten. Zu dem strittigen Thema der staatlichen Zahlungen an die Kirchen als Entschädigung für Entzug von Kirchengütern im 19. Jahrhundert sagte der Beauftragte der FDP-Bundestagsfraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften, Stefan Ruppert: die Liberalen seien für eine «gerechte Ablösung» dieser Leistungen offen. «Sie sollte aber im Einvernehmen mit den Kirchen und nicht einseitig erfolgen», ergänzte er und verwies auf kompromissfähige Lösungen auf Länderebene.

 Papst Benedikt XVI. war am Sonntagabend nach seinem viertägigen Besuch in Deutschland nach Rom zurückgeflogen. Am Wochenende hatte er in Freiburg zu festem Glauben, Einheit in der katholischen Kirche und Treue zum Vatikan aufgerufen.

(Quelle: epd)

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