Die Finanzierung zur Anpassung an den Klimawandel stagniert: Nach Zuwächsen bis 2022 hat sie laut dem Klimaanpassungsindex von Brot für die Welt nicht weiter zugenommen. Besonders verletzliche Staaten erhalten nach Angaben der Organisation wenig Mittel, und der Zuschussanteil sinkt zugunsten von Krediten.
Nach Angaben der kirchlichen Organisation Brot für die Welt stockt die Anpassungsfinanzierung: Nach Zuwächsen bis 2022 hat sie im jüngsten Datenjahr 2023 nicht weiter zugenommen. Dies zeigen Ergebnisse des heute veröffentlichten Klimaanpassungsindex von Brot für die Welt, wie es in einer Pressemitteilung hieß.
Kritik an Zuschussminderung
Die Lage sei ernst: 92 von 129 untersuchten Ländern sind stark oder extrem unterfinanziert. Dort leben über 6,3 Milliarden Menschen. Afghanistan, Tschad und Südsudan belegen erneut die letzten Plätze. Inselstaaten wie Tuvalu und Nauru schneiden laut Index besser ab. Die Organisation spricht von einem strukturellen Muster: Dieselben armen, fragilen und besonders gefährdeten Staaten erhalten wenig Mittel, was nach ihrer Einschätzung auf Zugangsbarrieren hindeutet.
Erstmals untersucht der Index, wie sich Zuschüsse und Kredite verschieben. Der Zuschussanteil sank von knapp 58 Prozent im Jahr 2016 auf rund 45 Prozent im Jahr 2023, während mehr Mittel über Kredite bereitgestellt wurden. Sabine Minninger, Expertin für Klimapolitik bei Brot für die Welt, erklärte dazu: „Klimaanpassung auf Pump belastet besonders verletzliche Länder doppelt: Sie müssen sich vor Klimafolgen schützen und dafür zusätzliche Schuldenlasten stemmen.“
Gerechte Verteilung gefordert
Dagmar Pruin, Präsidentin von Brot für die Welt, fordert eine Trendwende und verweist auf Deutschland: Das Land sei der größte bilaterale Geber von Anpassungsfinanzierung und müsse gemeinsam mit anderen Gebern strukturelle Zugangshürden abbauen. Genannt werden komplizierte Verfahren und Anforderungen, die den Bedingungen fragiler Staaten nicht gerecht würden. Pruin verlangt, die Bundesregierung solle ihre Zusagen einlösen und in der bilateralen Zusammenarbeit sowie in Klimafonds und Entwicklungsbanken eine risikogerechtere Verteilung vorantreiben. Zudem fordert sie einfachere Verfahren und direkte Zugänge für lokale Organisationen, insbesondere in Krisenregionen.
Die kirchliche NGO kritisiert außerdem, dass Mittel zur Bewältigung klimabedingter Schäden und Verluste in der OECD-DAC-Berichterstattung zur Klimafinanzierung nicht gesondert ausgewiesen werden. Als Beispiel nennt sie die jüngste Sturzflut in Nepal. Minninger sagte, nur ein Gesamtbild zeige, welche Unterstützung Betroffene erreiche und wie groß die Lücke sei.
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