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Was hat Klimawandel mit Nächstenliebe zu tun?

Jesus ist da, wo Menschen in Not sind. Das hat auch Konsequenzen für unseren Umgang mit dem Klimawandel, sagt der freikirchliche Theologe Sergej Kiel.

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Die Erde, auf der wir leben, wird immer wärmer. Es reicht ein Blick auf die vertrockneten Wälder mitten in Deutschland, um zu sehen: Etwas hat sich verändert. Das Thema Klimawandel wird dringlicher und bewegt viele Menschen in unserer Gesellschaft. Doch in welcher Beziehung steht es zum christlichen Glauben?

Nachdem ich mich ausführlich mit dem Klimawandel beschäftigt habe, bin ich zu dem Schluss gekommen: Das Thema hat vor allem etwas mit Nächstenliebe zu tun. Um das zu verstehen, müssen wir uns einen traurigen Zusammenhang klarmachen:

Die Folgen des Klimawandels – Naturkatastrophen, Überflutung oder Ausbreitung von Wüsten – treffen die Armen und Schwachen dieser Welt am stärksten. Durch die Folgen des Klimawandels wird die Lebensgrundlage von Millionen Menschen zerstört. Der Klimawandel hat deswegen sehr viel mit sozialer Gerechtigkeit zu tun.

Jesus sieht vor allem die Armen

Spätestens hier kommt der christliche Glaube zum Tragen. Jesus Christus hat die Menschen besonders im Blick, die arm und benachteiligt sind. Er wendet sich ihnen zu. Er hilft ihnen. Und er schickt seine Nachfolger gerade zu den Armen und Benachteiligten.

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In Matthäus 25,31–46 sagt Jesus: „Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war ein Fremder, und ihr habt mich aufgenommen.“ Er zählt eine Reihe unterschiedlicher Situationen auf, in denen seine Nachfolger Menschen in Schwierigkeiten helfen.

Jesus ist da, wo Menschen in Not sind.

Und dann schließt er ab: „Ich sage euch: Was immer ihr für einen meiner Brüder getan habt – und wäre er noch so gering geachtet gewesen –, das habt ihr für mich getan.“ Ihm ist es so ernst mit diesen Menschen, dass er sich mit ihnen identifiziert. Und darin steckt eine Einladung: Jesus ist da, wo Menschen in Not sind. Wenn wir ihm nachfolgen wollen, dann müssen auch wir uns dahin begeben.

Doch was bedeutet das für uns? Der erste und wichtigste Schritt ist: wahrnehmen. Bevor wir irgendwem in Not helfen können, müssen wir diese Menschen und ihre Probleme wahrnehmen und uns davon berühren lassen.

Was genau ist die Not?

Danach ist es wichtig, zu verstehen: Was genau ist die Not? Wie ist es dazu gekommen? In welchen Zusammenhängen steht das alles? Je besser wir diese Fragen beantworten können, desto klarer werden wir sehen, wie wir handeln können, um den Menschen zu helfen.

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Da ist Ngana, ein Bauer in Simbabwe. Er besitzt nicht viel, doch bisher konnte er sich durchschlagen. Das Maisfeld vor seinem Haus hat ihn die letzten Jahrzehnte versorgt. Und nicht nur ihn. Er hat drei kleine Kinder – ein viertes ist unterwegs.

Hunger breitet sich aus

Doch vieles hat sich mittlerweile verändert. Die Dürre kam. Und plötzlich hat Ngana nicht mehr genug, um abends den Tisch für seine Familie zu decken. Und langsam, aber sicher breitet sich Hunger aus – nicht nur in Nganas Familie, sondern in der ganzen Region. Der Klimawandel verursacht und verstärkt solche Dürren. Und stürzt Menschen ins Elend.

Diesem Schmerz in die Augen zu schauen, tut weh. Und doch will ich hinschauen, denn das ist Nächstenliebe: nicht die Augen zu verschließen und seinen gewohnten Weg zu gehen, sondern innezuhalten und den Schmerz zu spüren.

Schrecklich kompliziert

Dann können wir versuchen, die Situation besser zu verstehen. Es gibt mittlerweile viele informative Webseiten, Bücher und Erklärvideos zum Thema Klimawandel. Wenn wir uns informieren, kann schnell ein anderes Problem auftauchen: Es wird alles schrecklich kompliziert.

Zu jedem Thema gibt es eine Flut von Meinungen und Texten. Es gibt Experten, die sich teilweise widersprechen. Schnell kann sich ein Gefühl der Überforderung breitmachen. Das ist natürlich ein Problem – aber nicht das letzte Wort.

Unser Lebensstil macht einen Unterschied.

Es ist der Normalzustand in unserem Leben, nicht alles zu wissen und zu verstehen. Wir müssen nicht Experten in allen Einzelfragen werden. Doch wir können uns Schritt für Schritt informieren und dazulernen, um immer bessere Entscheidungen treffen zu können.

Bei all den komplizierten Fragen können wir uns sicher sein: Unser Lebensstil macht einen Unterschied. Vor allem der Lebensstil der westlichen Industriestaaten bringt andere Menschen in Not – ein erschreckender Zusammenhang.

Klimawandel ist zu unpersönlich

Kommen wir auf Ngana zurück. Stellen Sie sich vor, er steht neben seinem Feld, auf dem noch ein paar wenige Pflanzen wachsen. Und dann gehen Sie hin und nehmen ihm das weg, was er noch hat. Das wäre eine grausame Tat. Das würde niemand übers Herz bringen.

Doch leider tun wir das trotzdem jeden Tag – indirekt, durch unseren Lebensstil. Wenn wir vom Klima reden, ist das etwas Abstraktes und Unpersönliches. Das schiebt sich zwischen uns und die schmerzerfüllten Augen eines Ngana und verdunkelt uns den Blick auf die persönlichen Folgen für einzelne Menschen.

Wir werden nicht alles Leid auf der Welt verhindern können, bevor es geschieht.

Wenn wir verstanden haben, dass unser Lebensstil etwas ausmacht, können wir einen Schritt weitergehen und uns klarmachen: Der beste Weg, anderen Menschen in der Not zu helfen, ist es, sie gar nicht erst in eine Notsituation kommen zu lassen. Wir werden nicht alles Leid auf der Welt verhindern können, bevor es geschieht.

Doch das Leid, das durch den Klimawandel verursacht wird, können wir zumindest abschwächen. So liefert jeder Einzelne von uns seinen Beitrag – zum Guten wie zum Schlechten. Wenn ich Jesus nachfolge, ist die Frage nicht, ob denn auch die ganze Gesellschaft nachfolgt, sondern ob ich ihm nachfolge.

CO2 sparen, um Menschen zu bewahren

Was kann das nun für meinen persönlichen Lebensstil heißen? Ein wichtiger Faktor beim Klimawandel ist das CO2, das in die Luft freigesetzt wird. Das heißt: Je mehr CO2 ich einspare, desto mehr kann ich den Klimawandel bremsen – und damit Menschen bewahren.

Es gibt dazu viele Möglichkeiten. Nehmen wir das Thema Lebensmittel als Beispiel: Anstatt Avocados zu kaufen, die aus Südamerika nach Deutschland geflogen werden mussten, ist es besser, saisonal und regional einzukaufen.

Es geht nicht um Perfektionismus, sondern um jeden kleinen Schritt.

Es gibt viele Lebensmittel, die bei uns produziert werden. Auch Fleisch, besonders vom Rind, hat eine ziemlich schlechte Klima-Bilanz. Jedes Gramm, das wir weniger kaufen, bremst den Klimawandel. Das muss keine „Alles-oder-nichts“-Entscheidung sein. Es ist schon besser, statt 500 Gramm pro Woche nur noch 100 Gramm zu essen. Es geht nicht um Perfektionismus, sondern um jeden kleinen Schritt.

So gibt es viele verschiedene Faktoren, die wir entdecken können: Ökostrom, Einweg-Produkte vermeiden, weniger Autofahren und vieles mehr. Wir können uns informieren und Schritt für Schritt unseren Lebensstil anpassen. Und vielleicht zieht das Kreise. Andere schließen sich an und so werden es immer mehr, die einen Unterschied machen.

Nächstenliebe rechnet nicht

Doch irgendwie wirkt das wie ein Fass ohne Boden. Wie viel muss ich tun? Und wann ist es genug? Das ist eine sehr schwierige Frage, wenn es um Nächstenliebe geht. Nächstenliebe rechnet nicht und berechnet deswegen auch nicht, wie viel sie geben muss, um „durchzukommen“.

Sie versucht auch nicht, sich etwas zu verdienen. Sie verschenkt sich bedingungslos und ohne Vorbehalt. Diese sich schenkende Liebe begegnet uns in Jesus Christus. Wir sind geliebt.

Und weil wir dieses Geschenk selbst erhalten haben, können wir es weiter schenken und anderen Menschen ebenfalls in Liebe begegnen. „Das, was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan.“ Ich wünsche mir, dass ich in einen Lebensstil hineinwachse, der dieses Lob empfängt.

Sergej Kiel ist Doktorand an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg


Dieser Artikel ist in der Zeitschrift Lydia erschienen. Lydia gehört zum Verlag Gerth Medien, der wie Jesus.de Teil der SCM Verlagsgruppe ist.

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3 Kommentare

  1. Lieber Sergej, du schreibst, es sei schrecklich kompliziert, und Experten würden sich teilweise widersprechen, es gäbe eine Flut von Meinungen. Nein, die Experten sind sich weltweit völlig einig, mein Tipp: lies dazu Fachleute zum Klimawandel und Artensterben wie z.B. Dr. Harald Lesch, Dr. Otmar Edenhofer, Dr. John Schellnhuber, Michael Mann, Maja Goebel, Will Stevens, Mojib Latif, Stefan Ramstorff, James Hansen, Claudia Kempfert, Bill McKibben usw. – alle führenden, seriösen Wissenschaftler sind sich darüber genau so einig wie darüber, dass die Erde eine Kugel ist, die sich um die Sonne dreht…. Es gibt nicht eine Flut unterschiedlicher Meinungen, sondern es gibt leider gezielt gesäte Fake News zu dem Thema, leider gerade unter US-amerikanischen evangelikalen Christen. Ein wahrer Abgrund des Grauens. Und ich möchte dir Mut machen: Nachhaltigkeit zu leben ist kein Fass ohne Boden, es ist keine sehr schwierige Frage, es ist gerade für uns Christen logisch zwingend und es macht total Freude, achtsam und genügsam zu leben! Ich bin z.B. Vegetarier, fliege nur, wenn’s berufliche oder familiäre Gründe gibt, fahre wenn immer möglich mit dem Rad anstatt mit dem Auto, kaufe bewusst bei kleinen lokalen Händlern, boykottiere Aldi, Lidl, und vor allem Amazon, kaufe Second Hand bei Kleidung und Möbeln etc. Konsum zu verweigern macht mich so glücklich! Und neben der Anpassung meines Lebensstils gibt es mir große Erfüllung, gemeinsam mit Menschen, die das gleiche Anliegen vertreten, gemeinsame Sache zu machen: ob parteipolitisch – z.B. in der ökologisch demokratischen Partei, beim Bund Naturschutz, ChristiansForFuture oder der christlichen weltweiten Creation Care Organisation A Rocha: es gibt von A Rocha mittlerweile einen aktiven Freundeskreis in Deutschland! Bitte lies dazu Kommentare und Texte auf den Seiten von A Rocha International, Tearfund oder Micha-Initiative! Ich empfehle dir besonders Dr. Dave Bookless von A Rocha, oder Ruth Valerio von Tearfund. Es gibt unzählige gute Organisationen, die Unterstützung brauchen können! In Jesus‘ name!

    • Über das grundsätzliche scheint Einigkeit zu bestehen, aber im konkreten, worum es ja bei unserem Handeln geht, ist es leider nicht so einfach. Da stimmen manche einfachen Antworten eben nicht.
      Beispiele:
      Kauf regional: ab ca. Februar ist die Ökobilanz einschließlich Co2 eines einheimischen Apfels gegenüber eines z.b. aus Südafrika importierten negativ. Weil Lagerung und insbesondere Kühlung viel mehr Ressourcen verbrauchen als der Transport. Aber das wissen viele nicht.

      Vergleicht man die Gesamtumweltbilanz eines E-Autos von Herstellung über Betrieb bis zur Entsorgung mit einem modernen Diesel, liegt der Diesel knapp vorn.

      Altkleidersammlungen, einfach mal informieren, was das in ärmeren Ländern anrichtet.

      usw.

      Vieles scheint auf den 1. Blick klar, ist es aber leider nicht.

    • Jesusnachfolger*innen stehen an der Seite der Armen

      Neben dem Verfasser des Artikels stimme ich mit Lilo Horsch auch sehr überein. Natürlich hat Joerg recht, dass Einzelfragen des Klimathemas immer schwierig zu klären sind. Eigentlich habe ich – um es einmal „relativ unkorrekt“ auszudrücken – eine evangelikale Seele. Aber diese hat auch, wie immer im Leben von Menschen, nicht unerhebliche Brüche erlitten. Heute bin ich weder in die Schublade evangelikal, schon gar nicht in einer fundamentalistischen und auch nicht in jener Denkschablone der Liberalen, was Theologie und Glauben betrifft. Das Evangelium als die größte Befreiungsbotschaft im Universum ist sowohl in seinen Auswirkungen sehr konservativ als auch revolutionär fortschrittlich. Denn wer die Bergrede Jesu liest, kann in einer politischen Welt nicht fromme Abstinenz in sozialen Fragen und Forderungen üben.

      Aber evangelikale Theologen wie Sergej Kiel machen mir Mut, dass wir als Christinnen und Christen insgesamt eine grundsätzliche Haltung zum Klimawandel einnehmen können – eher müssen. So schreibt er: „Jesus ist da, wo Menschen in Not sind“! Die zunehmende Veränderung des Klimas produziert ungeheure Verwerfungen. Dies könnte bald einhergehen mit zunehmenden weltweite Hungersnöten, Wasserknappheit, Niedergang der verflochtenen globalen Wirtschaft, politische bzw. soziale Unruhen sowie religiöser und politischer Fundamentalismus. Dass ein Volk wider das andere Krieg führt, es viele falsche Propheten gibt (ganz aktuell auch pseudoreligiöse Verschwörungstheorien und eine Welle von Kriegen und Katastrophen) steht auch im Neuen Testament. Dies haben aber die Menschen schon vor 2000 Jahren gut verstanden, im Datail vielleicht etwas anders gedeutet, aber die heutige Friedlosigkeit und mangelnde Nächstenliebe hat es schon immer gegeben. Leider wurde dies durch Technik und Globalisierung nur noch schlimmer.

      Weil Jesus auf der Seite der Armen steht, brauchen wir nicht andere Menschen, sondern wir brauchen andere Christinnen und Christen und damit andere Kirchen. Wir gehören vor allem an die Hecken und Zäune der Welt (auch in der eigenen Stadt). Jesusnachfolger*innen sollten, so weit wie möglich, das Leben mit anderen Menschen teilen. Neben der Kommstruktur zu unsere Gemeinden benötigt es auch eine verstärkte Geh-Hin-Struktur. Es gibt eigentlich keine größere seelische Befreiungsbewegung als unser christlicher Glaube. Er ist so revolutionär, wie es Jesus bereits in der Bergpredigt formulierte und diese ist so zeitlos gültig und verständlich, dass man sie fast nicht in eine moderne Sprachform übersetzen muss.

      Zudem: Ein Gott als Schöpfer eines unendlichen Universums mit 1 Billion Galaxien (jede Galaxsis hat mehrere 100 Millionen Fixsternen bzw. Sonnen) wurde ein Mensch, lebte vor wie er seine Menschen liebt, ließ sich an ein Kreuz nageln, hat damit unsere Schuld vollständig und auch völlig unauslöschlich sowie unverdient durchgestrichen. Eine größere Liebeserklärung kann es himmlischerseits nicht geben. Gott schickt uns keine Klimakrise, leider haben wir sie selbst ermöglicht und lange ignoriert. Viele Szenarien wurden bereits ab 1970 vorhergesagt. Die Politik ließ es unberührt. Wir sollen nicht unser Leben opfern, auch nicht unsere Freiheit, aber es gebührt uns, sehr dankbar zu sein. „Wer mich liebt, hält meine Gebote“! sagte Jesus. Sein höchstes Gebot ist die Liebe zu Gott und den Menschen. Jesus ist nicht nur einem alten Brauch gefolgt, als er wie ein Diener den Jüngern die Füße gewaschen hat. Er wollte und will den Menschen dienen. So sollen wir ihm auch nachfolgen, mit dieser Haltung. Der soziale und damit diakonisch/caritative Dienst der Christinnen und Christen bzw. der Kirchen, ist ein (bildlich gesehener) Fußwaschungsdienst. Daher stehen Jesusnachfolger, egal ob männlich, weiblich oder divers, ganz klar an der Seite der Menschen im Klimawandel. Unser Amt ist wie das Amt Christi eines der Versöhnung. Dies wird in der Welt sehr notwendig sein, in der es unter den gegebenen Bedingungen große Unruhen und Verwerfungen geben könnte. Wir sehen es heute schon bei der Energiekrise, und die ist nur der Anfang.

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