Die Deutsche Bischofskonferenz hat eine Arbeitshilfe zu christlich-muslimischen Beziehungen veröffentlicht. Islamisch begründeter Extremismus müsse benannt werden, ohne Muslime unter Generalverdacht zu stellen.
Religionsexperten haben für christlich-muslimischen Dialog zum Schutz vor religiösem Extremismus geworben. Islamisch-religiös begründeter Extremismus sei eine Bedrohung für die Gesamtgesellschaft, aber zugleich dürften islamische Gläubige auch nicht pauschal unter Verdacht geraten, sagte der Islam-Experte Mathias Rohe am Mittwoch in Würzburg bei der Frühjahrs-Vollversammlung der katholischen Bischöfe. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz veröffentlichte eine Arbeitshilfe zu christlich-muslimischen Beziehungen in Deutschland.
Zur Bekämpfung von religiösem Extremismus bedürfe es aller Gutwilligen, gerade auch in muslimischen Communities, sagte Rohe, der Professor für Bürgerliches Recht an der Universität Erlangen-Nürnberg ist. Der Frankfurter Theologe Tobias Specker sagte, es gebe eine oberflächliche Verachtung des Islam, die den Islam mit Gewalt und Terrorismus gleichsetze. Es sei Aufgabe der Kirche, den Islam als religiöses Phänomen zu verstehen und nicht allein unter dem Aspekt der Integration zu betrachten.
Verhältnis zwischen Religionen nicht frei von Konflikten
Der Augsburger Bischof Bertram Meier warb für gemeinsamen Einsatz für Religionsfreiheit. Aber er betonte auch, dass das Verhältnis zwischen Religionsgemeinschaften nicht frei von Konflikten sei. Kirchen könnten etwa die Rolle von Brückenbauern zwischen Muslimen und Juden übernehmen, infolge des Hamas-Massakers am 7. Oktober 2023 in Israel.
Dieses habe auch den interreligiösen Dialog in Deutschland erschwert. Er stellte klar: «Wir halten am Ziel eines gerechten Friedens im Heiligen Land fest, der die Rechte von Israelis wie von Palästinensern schützt; und wir treten dafür ein, dass Antisemitismus, Muslimfeindlichkeit und jegliche Form des Rassismus in Deutschland keinen Platz haben.»
Gelungene Projekte christlich-muslimischer Kooperation
Die Vorsitzende der Christlich-Islamischen Gesellschaft (CIG), Dunya Elemenler, verwies auf ein Projekt der gelungenen Kooperation von Christen und Muslimen. In Nordrhein-Westfalen gebe es in 13 Städten und Landkreisen eine muslimische Notfallbegleitung in Kooperation mit der christlichen Notfallseelsorge. Sie plädierte für mehr christlich-muslimische Begegnungen auf lokaler Ebene.
Vielschichtiges Miteinander
In der Arbeitshilfe konstatieren die Autorinnen und Autoren ein vielschichtiges Miteinander von Muslimen und Christen in Deutschland mit vielen Schattierungen: von konstruktivem Dialog über alltägliches Mit- und Nebeneinander bis hin zu Sorge, Skepsis und offener Ablehnung. Dabei hätten Islamismus und Islamfeindlichkeit die Tendenz, sich gegenseitig zu verstärken. Neben den rein theologischen Unterschieden benennt die Arbeitshilfe auch gesellschaftliche Spannungsfelder wie Geschlechterrollen, Moscheebau, Konversion und islamistischen Antisemitismus.
Extremistische, gewaltbereite islamistische Gruppen – nicht jedoch der Islam selbst – werden in der Arbeitshilfe als reale Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden und die Sicherheit beschrieben. Terroristische Aktionen polarisierten die Debatten.
Der christlich-muslimische Dialog sei zugleich anspruchsvoll und alternativlos. Ausführlich beleuchten die Autorinnen und Autoren die Chancen des christlich-islamischen Dialogs, nennen zum Beispiel das gemeinsame Engagement für Frieden, Menschenrechte und Soziales und verweisen auf erfolgreiche Zusammenarbeit bei Flüchtlingshilfe, Bildung und Seelsorge.
>>> Die Arbeitshilfe „Christlich-muslimische Beziehungen in Deutschland“ als Download (PDF)
