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Im „Kreuzberger Himmel“ kochen Geflüchtete für Obdachlose

Früher bayerische Hausmannskost, heute arabische Küche: Das einst von einer Kirchengemeinde betriebene Restaurant „Kreuzberger Himmel“ gehört heute einer Hilfsorganisation, die sich um Geflüchtete und Obdachlose kümmert.

Von Lukas Philippi (epd)

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«Wir machen keinen Unterschied zwischen einem Gast im Restaurant und einem Obdachlosen», sagt Andreas Tölke. Der frühere Journalist sitzt im Berliner Restaurant «Kreuzberger Himmel», ein Integrationsprojekt für Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und anderen Ländern.

Die Menü-Karte verspricht arabische Spezialitäten und «den Himmel auf Erden». Das Besondere: Hier wird nicht nur für zahlende Gäste gekocht. Die Geflüchteten sorgen regelmäßig auch für Obdachlose.

«Für uns ist die Selbstermächtigung von Migranten sehr wichtig», sagt Tölke. Der 65-Jährige ist seit 2015 in der Flüchtlingshilfe aktiv. In seiner Wohnung übernachteten damals viele Geflüchtete und er vermittelte noch mehr weiter. Er ist im Vorstand der Hilfsorganisation «Be an Angel». Auf Deutsch bedeutet das: «Sei ein Engel.» Seit 2018 betreibt der Verein den «Kreuzberger Himmel».

Engel im Himmel

Dass hier «Engel» auf «Himmel» treffen, ist dabei Zufall. Schon zuvor hatte die katholische Gemeinde der angrenzenden Sankt Bonifatius-Kirche den «Kreuzberger Himmel» betrieben. Heute sind die Räume an «Be an Angel» verpachtet. Mit den Einnahmen aus dem Restaurant finanziert der Verein Hilfsaktionen, etwa Evakuierungen in der Ukraine oder Nothilfen für Syrien und Afghanistan.

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Noch ist es ruhig im «Kreuzberger Himmel», die ersten Gäste kommen erst in einigen Stunden, ab 16 Uhr. Dennoch herrscht in der Küche schon Betrieb. Bakri wendet mit einem großen Löffel noch einmal das Gemüse auf dem Blech und schiebt es dann in den Ofen. Ein weiteres Ofen-Blech mit Hühner-Geschnetzeltem steht bereit. Dazu gibt es Reis.

Kochen für Obdachlosen-Treff

«Wir haben als Geflüchtete etwas bekommen, jetzt können wir etwas zurückgeben», sagt Bakri. «Das ist eine sehr gute Sache.» Der 46-Jährige war einst Rechtsanwalt im syrischen Aleppo. Er kam 2015 als Flüchtling nach Deutschland. Im «Kreuzberger Himmel» fing Bakri 2018 an. Heute ist er dort Geschäftsführer.

Trotzdem legt er noch selbst Hand an, wenn nötig. Sein Küchenchef kommt heute später. In einer Stunde sollen 100 Mittagessen an den Obdachlosen-Treff «Gitschiner 15» geliefert werden. Jeden Donnerstag, davon 30 Prozent vegan. Möglich macht das eine monatliche Privatspende von 4.500 Euro an den Trägerverein «Be an Angel».

Fit für den Arbeitsmarkt machen

«Wir wollen die Menschen mit Fluchterfahrung fit machen für den Arbeitsmarkt», sagt Tölke. Für sein Engagement erhielt er im Dezember 2021 von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Bundesverdienstkreuz. Es hängt heute im Restaurant neben Fotos von Prominenten und Hilfseinsätzen. Denn schon während des Lockdowns in der Corona-Pandemie hat die Restaurant-Crew regelmäßig hunderte Lunchpakete für Bedürftige gepackt, erinnert sich Bakri.

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Nach der Corona-Pandemie geht es heute dem «Kreuzberger Himmel» wie vielen anderen Restaurants und Kneipen in der Stadt – mehr Publikum wäre schön: «Wir hätten gerne einen bumsvollen Laden mit gut gelaunten Gästen», sagt Tölke. Denn jeder Gast finanziere damit automatisch auch Essen für Obdachlose und die Hilfseinsätze von «Be an Angel». Ein weiteres Standbein ist deshalb das Catering. Auch «Live-cooking» kann gebucht werden: «Alles geht: vegan, vegetarisch oder mit allem», heißt es auf einem Flyer.

Weg vom Kriegsalltag

Nach dem Treffen im Kreuzberger Himmel macht sich Tölke auf den Weg in die Ukraine. Tage später meldet er sich per Zoom aus dem Kriegsgebiet im ostukrainischen Cherson. Hier, direkt an der Front, unterstützt «Be an Angel» ein Projekt für Kinder: unter einem Theater, im Keller, haben die Jüngsten einen Platz zum Spielen, Lachen, Proben. «Für einen Moment weg vom Kriegsalltag», schreibt Tölke dazu: «Wir unterstützen diese Einrichtung, weil sie etwas ermöglicht, das unmöglich geworden ist: Kindheit.»

Quelleepd

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1 Kommentar

  1. Wenn Geschwisterlichkeit und Kooperation sich küssen

    Zitat vom Anfang: „Im „Kreuzberger Himmel“ kochen Geflüchtete für Obdachlose“ hat mir innerlich gute seelische Gänsehaut erzeugt. Ich habe mich daran erinnert, wie ich vor ganz vielen Jahrzehnten in Taize landete und dann danach wir mit 2000 jungen Leuten nach Lausanne fuhren in vielen Bussen, zu einem damals noch kleineren Städtetreffen. Ich erlebte, dass das Taize-Prinzip so wunderbar funktioniert, weil fast alle an allem beteiligt sind, es kein Oben und Unten erfordert, keine/r die Regeln ausgibt und andere dann stets einhalten. Es gibt wie am Anfang des Neuen Menschen vor weit über 100.000 Jahren keine Klassen, nicht arm oder reich, nicht Hierarchien. Niemand der herrscht und niemand der dient. Alle sind im Prinzip für alle da und wenn es dir und auch mir und uns allen gut geht, dann geht es allen gut. In der sehr frommen und großer Stille in der Anbetung vor Gott, muss nicht drüber diskutiert werden, wie mein Wille und der Wille Gottes übereinstimmen und/oder abgestimmt werden müsste. Der Glaube ist nur noch großes Vertrauen, man darf auf die Predigt in dem mehrtausenden Seelen-Gottesdient verzichten und den Dialog in Geschwisterlichkeit pflegen, wobei niemand etwas vermisst. Dies wäre wie das Paradies, aus dem niemand herausgeworfen werden könnte.. Wir müssen einfach Kooperation leben, die niemals im Widerspruch zur Geschwisterlichkeit besteht. Da wird jeder vom Leben gleichsam von beiden umarmt, der Realität und dem Glück. Es braucht nur Verantwortliche, die ggfls. Motivatoren sind. Wunder sind normal, wenn wir uns nicht mehr wundern dass es funktioniert. Wenn niemand mehr die Spielregeln bestimmt, weder das Kollektiv noch der Einzelne, sind die Spielregeln unser Leben selbst, das wir gern leben. Nur auf Augenhöhe und statt Macht, sich vom Geist Gottes tragen zu lassen. Man braucht Geschwisterlichkeit nicht anordnen, sie ist Ursache und Wirkung zugleich. Das Thema „Flüchtlinge kochen wir Obdachlose, ist nicht die Ursachen vor der Wirkung, es gibt kein Gefälle zwischen beiden Gruppen, wenn ich in der Welt auch Obdachloser bin, oder Flüchtling, oder umgekehrt, es geht um Augenhöhe.

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