Ein bisschen klingt die Weihnachtsgeschichte wie ein Märchen. Jesus – nur ein Märchenprinz? Nein! Der Sohn Gottes.
„Es begab sich aber zu der Zeit“ – das klingt wie „Es war einmal“ am Anfang eines Märchens. Die Weihnachtsgeschichte ist natürlich kein Märchen. Stattdessen zeigt diese Einordnung ganz am Anfang, dass alle folgenden Ereignisse tatsächlich stattgefunden haben. Es ist eine historische Verortung im „Hier und Jetzt“ – oder eher im „Dort und Damals“. Eben eine wahre Geschichte statt eines Märchens.
Trotzdem lässt mich der Gedanke nicht los. Ein bisschen ist die Sache mit Jesus wirklich wie die Geschichte aus einem Märchenbuch. Es geht um einen Helden, der sich selbstlos aufopfert und sein Leben rückhaltlos einsetzt für die, die er liebt. Das ist zumindest das Happy End, das ganz am Ende der Jesus-Geschichte wartet. Und in dem kleinen Ort Bethlehem hat alles seinen Anfang.
Bethlehem – das heißt wörtlich so viel wie „Haus des Brotes“. Jesus, das neugeborene Kind, sagt später einmal von sich: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Bethlehem ist demnach das „Haus des Jesus“. Der Gedanke gefällt mir. Das ist nicht so wie das Lebkuchenhaus bei Hänsel und Gretel. Jesus ist richtiger „Leb-Kuchen“.
Jesus ist Brot, das satt macht, wenn jemand Hunger nach Liebe hat – danach, gesehen und wertgeschätzt zu werden. Jesus ist die Quelle des Lebens, der Ort, wo auftanken kann, wer müde und erschöpft ist. Und Jesus macht Mut: „Leb! Leb in Freiheit, leb aus der Gnade, leb aus meiner Kraft.“ Er ist sozusagen der „Märchenprinz“, dem ich gerne mein Leben und mein Herz anvertrauen will.
Lange Suche nach einem besonderen Kind
Wobei die Geburt dieses Prinzen hier recht kurz und nüchtern erzählt wird. In Wirklichkeit ist eine Geburt eine ziemlich große Sache, vor allem beim ersten Kind. Das noch junge Paar Maria und Josef muss aufgeregt gewesen sein. So etwas wie Schwangerschaftsvorbereitungskurse gab es damals ja noch nicht.
Ich muss daran denken, wie Maria vorher von einem Engel gesagt bekommt, dass sie den Sohn Gottes zur Welt bringen wird – und finde es beeindruckend, wie selbstverständlich sie ihr Leben Gott zur Verfügung stellt. Mit welch selbstloser Hingabe, mit welchem Vertrauen sie das alles geschehen lässt. Ich weiß nicht, ob ich das so gekonnt hätte. Mir fällt es schon schwer genug, nur etwas von meiner Zeit oder Bequemlichkeit zu opfern.
Auch die Hirten, Randsiedler der damaligen Gesellschaft, müssen einiges an Zeit geopfert haben. Wie lange sie wohl nach diesem besonderen Kind gesucht haben? Woher wussten sie nach der spärlichen Ortsangabe, wo sie hin mussten? Sie müssen einige Klinken geputzt haben, bis sie endlich da waren. Erstaunlich, dass sie nicht irgendwann resigniert aufgegeben haben.
Bei mir ploppt die Frage auf, wie motiviert ich eigentlich nach Jesus suche, um Antworten ringe, ihn besser kennenlernen will? Ehrlich gesagt gebe ich oft frühzeitig auf, statt den Weg bis zum Ende zu gehen – und ärgere mich dann darüber, dass Jesus scheinbar nichts zu sagen hat. Mir scheint es keine schlechte Idee, mir ein Beispiel an den Hirten zu nehmen und so lange zu fragen und zu suchen, bis ich Jesus in meinem Alltag wirklich gefunden habe.
Übersprudelnd und nachdenklich
Schließlich: Mich berührt, wie Maria und die Hirten mit dem Erlebten umgehen. Die Hirten müssen jedem unbedingt von Jesus erzählen. Sie sprudeln förmlich über vor Freude über dieses wunderbare, märchenhafte Ereignis. Maria hingegen bleibt still, bewegt das Erlebte ganz für sich in ihrem Herzen, sinnt darüber nach.
So unterschiedlich sind Menschen. Es gibt die, bei denen alles rausmuss, und die, die eher in sich gekehrt bleiben. Das eine ist nicht richtiger als das andere und die einen kann Gott nicht weniger gebrauchen als die anderen. Beide Menschen-Typen haben ihren Platz in der Weihnachtsgeschichte. Und auch bei Gott.
Miriam Seeger ist Redakteurin für die Materialien im Kindergottesdienst, die im SCM Bundes-Verlag erscheinen.

Dieser Artikel ist im Magazin lebenslust erschienen. lebenslust gehört wie Jesus.de zum SCM Bundes-Verlag.

Es waren überhaupt nicht meine Intensionen
Nein, nochmals lieber Herr Adrian. Die Intensionen die Sie mir hier (keinesfalls bösartig) unterstellen, haben ich keinesfalls. Ich vergleiche auch die Gefühle für Gott nicht mit den Gefühlen für Fußball, aber es gibt erwiesen eine (laienhaft ausgedrückte) Abteilung im Gehirn, die auch und gerade für die religiösen Gefühle zuständig ist. Doch Gott selbst will uns doch bei Gefühlen abholen mit den kleinen Baby in der Krippe und seinem Jesus am Kreuz. Dies ist geradezu der Zugang zu uns. Genauso wie die Hirten auf dem Felde, die doch sehr ergriffen sind. Und selbstverständlich gehe ich dabei von Realitäten aus, wobei ich aber meine, dass wir hier auf Erden Gott nur in unserer Seele begegnen können. Wir können Gott auch nur so begegnen, so wie uns das Gehirn dies ebenso erlaubt, denn dieses Großhirn ist unsere Antenne zum Himmel – oder sagen wir lieber „unsere Schnittstelle mit dem Himmel“. Ich kann mir überhaupt keinen vernünftigen Menschen vorstellen, der (kein Atheist) dies auch nur in ansatzweise irgendwie ketzerisch hält. Die Antike hatte Begrifflichkeit wie Psyche nicht und im Abendmahl wird ja auch der Wein kein Blut, jedenfalls nicht in jener Form, dass sich der Stoff ändert. Die Sichtweise von (ganz) früher kann immer nur holzschnitzartiger sein als heute, sie ist deshalb genauso wenig falsch wie die heutige Sichtweise. Ich bin eher der charismatische Christ, aber ich bete auch mit dem Evangelikalen, oder dem Mitmensch der liberale theologische Vorstellungen hat. Für mich hat Gott immer andere Gedanken und geht andere Wege, als jeder Mensch jenseits von Eden
Schade, dass die Redakteurin immer noch nach Jesus sucht, statt ihn schon längst gefunden zu haben.
Aber nichtsdestotrotz ist es natürlich ein Märchen, dass Jesus an Weihnachten geboren sein soll.
Und wer den Weihnachtsmärchenprinzen nicht verpassen will, sollte sich unbedingt den Film „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ anschauen.
Sie hat ihn gefunden. Und wir sind uns sicher, dass Ihnen das auch klar war bzw. ist. MfG, das JDE-Team
Gott ist Liebe und die hat mit Gefühl zu tun
Lieber Ulrich Wößner, ich frage mich, warum ich mich immer hier wieder über ihre sehr kurzen Sätze ärgere. Also warum ich Sie daher gerne sehr bitten möchte, doch viel liebevoller mit unserer Welt umzugehen. Wieso soll die Redakteurin nicht Jesus gefunden haben? Oder warum soll es ein Märchen sein, dass Jesus hier an Weihnachten geboren wurde? Warum gibt es auch beim christlichen Glauben (nicht wegen Nichternsthaftigkeit) dann niemals den Glauben pur, weil es leider auch die Bibel betont: Glaube befindet sich „in irdenen Gefäßen“. Glaube muss hier ebenso durch das das Groß-Hirn, also durch menschliche Emotionen. Denn fast jede Religion drückt sich daher stets kulturell aus. Damit sind Bräuchen und auch die Rituale wie Weihnachtsbaum, die Engel, Lieder, Spekulatius, Plätzchen, Nikolaus, Christkind, Weihnachtsgeschenke, eine sehr besinnliche sowie die bewusst liebevolle Stimmung und alles was menschlich ist, ernsthaft gemeint. Dies gibt dem Glauben doch Gottes sehr tiefes Kommen gerade in unserer Menschlichkeit, sodann im hilflosen Baby in der Krippe und im Gekreuzigten Golgatha, größten Mehrwert. Was Heiligabend die Freude ist über das Kommen des Gottessohnes, sollte am Karfreitag eine sehr große Trauer sein. Es gibt in unserem Gehirn daher eine Abteilung, wo religiöse Gefühle verarbeitet werden (und Fußballspielspiele). Und natürlich bete ich nicht Fußballspiele an, oder einfach nur Gefühle, aber meine Liebe zu Gott und hoffentlich für Mitmenschen, sind enorm wichtig. Ich hoffe, dass Sie glauben (können) dass uns in Jesus Christus Gott sein sehr liebevolles Gesicht zeigt. Ohne hier Jesu Menschwerdung/Menschlichkeit geht dies niemals. Allerdings ist es auch bildlich schwer verständlich, dass in Jesus ein Mensch lebte und Gott. Aber da kommt uns auch die Theologie und jeder abstrakt denkfähige Mensch entgegen: Gott ist eben Geist und doch so unendlich anders als menschliches Denken und Wege. Für mich ist Gott, was sich mit Glaubenserfahrung deckt, das absolut Gute und die Liebe.
Deshalb wurde doch Gott Mensch, um uns nahe menschlich zu begegnen, bei unseren Gefühlen abzuholen und daher ist das Kind in der Krippe, mit dem Schöpfer aller Dinge uns seine liebevolle Zuwendung gibt. Wenn das Leben nur unsere Biologie wäre, sich wissenschaftlich sogar auf die Mathematik verkürzte (neueste Theorie), das Universum nur ein unendlich großer Computer wäre, dann würde die Liebe – wenn überhaupt – uns
perfekt vorgeschwindelt. Gott ist aber wirkliche Liebe. Deshalb beurteilen Sie doch auch die Menschen bitte menschlich. Sicher kann man zu viel Rummel um Weihnachten, zu viel Spektakel auch bei anderen Gelegenheiten um etwas zu verkaufen, durchaus harsch kritisieren. Die Freude über Jesus ist aber sehr fest mit der Hoffnung verknüpft, dass auf einer anderen Ebene der Schöpfung, von uns aus gesehen in der Zukunft, ein Neuer Himmel und auch eine Neue Erde warten. Ich würde gerne lieber unsere Erlösung feiern, als das Jammern dass alles so schlecht ist, auch über die Atheisten. Gott ändert alle Herzen. Das Faszinosum an unserer Erlösung ist ja durchaus, dass Jesus für die Sünde unserer ganzen Welt gestorben ist
Lieber Herr Hehner, Sie begehen in ihrer Antwort einen grundlegenden theologischen Fehler, indem Sie den Glauben im Kern zu einem Gefühl oder zu einer emotionalen Verarbeitung religiöser Inhalte erklären. Die Heilige Schrift lehrt jedoch etwas grundlegend anderes.
Zwar ist es richtig, dass der Mensch als ganzheitliches Wesen auch mit seinen Gefühlen glaubt und lebt. Doch biblischer Glaube gründet niemals auf Gefühlen, sondern auf Gottes objektiver Offenbarung und auf Wahrheit. Gefühle sind wandelbar, subjektiv und unzuverlässig; Gottes Wort hingegen ist fest und unveränderlich.
„Der Glaube kommt aus der Predigt, die Predigt aber durch das Wort Christi“ (Römer 10,17).
Nicht Emotionen erzeugen Glauben, sondern das gehörte und angenommene Wort Gottes durch den Heiligen Geist.
Die Bibel definiert Glauben ausdrücklich nicht als Gefühl, sondern als vertrauendes Festhalten an einer göttlichen Wirklichkeit:
„Der Glaube ist eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht“ (Hebräer 11,1).
Hier ist nicht von emotionaler Stimmung die Rede, sondern von Gewissheit und Vertrauen auf Gottes Zusagen.
Wenn Sie schreiben, Gott habe uns „bei unseren Gefühlen abzuholen“, verschiebt sich der Schwerpunkt gefährlich vom Handeln Gottes hin zur Wahrnehmung des Menschen. In der Schrift ist es jedoch umgekehrt: Nicht unsere Gefühle bestimmen die Wahrheit Gottes, sondern Gottes Wahrheit richtet unser Denken, unseren Willen – und erst danach auch unsere Gefühle aus.
Besonders problematisch ist die implizite Gleichsetzung religiöser Gefühle mit anderen emotionalen Erlebnissen („Fußballspiele“). Die Bibel warnt ausdrücklich davor, Glauben mit bloßer innerer Ergriffenheit zu verwechseln. Jesus selbst sagt:
„Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Himmelreich kommen“ (Matthäus 7,21).
Emotionale Nähe oder religiöse Begeisterung sind kein Beweis für rettenden Glauben.
Auch die Menschwerdung Christi wird bei Ihnen einseitig emotional gedeutet. Nach biblischem Zeugnis wurde Gott nicht Mensch, um primär Gefühle zu erzeugen, sondern um Sünder zu erlösen. Der Engel verkündigt:
„Denn euch ist heute der Retter geboren, welcher ist Christus, der Herr“ (Lukas 2,11).
Weihnachten ist daher kein Fest der Stimmung, sondern der Beginn des göttlichen Erlösungsplans, der konsequent auf das Kreuz zuläuft.
Wo Gefühle, Rituale oder Atmosphäre den Platz der Wahrheit einnehmen, verliert der Glaube seine biblische Grundlage.
Gott ist Liebe, ja – aber diese Liebe ist kein Gefühlskonzept, sondern eine Tat Gottes in Christus (Römer 5,8).
Glaube ist kein emotionales Erleben, sondern vertrauender Gehorsam gegenüber dem offenbarten Wort Gottes.
Gefühle können den Glauben begleiten, aber sie dürfen ihn niemals definieren oder ersetzen.
Die Bibel ruft uns daher nicht dazu auf, uns selbst oder unsere Emotionen ernst zu nehmen, sondern Gott zu glauben, ihm zu vertrauen und seinem Wort zu gehorchen – auch dann, wenn Gefühle fehlen oder widersprechen.