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Der kleine Gottesdienst

Ein Pfarrer zeigt Wege auf, wie man trotz schrumpfender Gemeinde immer noch Gottesdienst feiern kann.

Von Gunter Schmitt

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Wir leben in einer Zeit des massiven Gottesdienst-Sterbens. Das wird in unseren Landeskirchen kaum thematisiert, doch der Rückgang ist deutlich sichtbar. Früher wöchentlich gefeiert, finden viele Gottesdienste heute nur noch alle zwei Wochen oder sogar monatlich statt. Bei Reformen im Gottesdienst-Plan fallen sie immer häufiger ganz aus.

Dabei gibt es so viele kreative Möglichkeiten, auch mit nur wenigen Menschen schöne Gottesdienste zu feiern. Das zeigt ein Beispiel aus meinem pfälzischen Nachbardorf. Eine Presbyterin wollte sich nicht damit abfinden, dass in ihrem Ort mit 1000 Einwohnern kaum noch Gottesdienste stattfinden. Sie begann, zu einem einfachen Gottesdienst mit Bibelgespräch einzuladen.

Einmal im Monat, abends

Einmal im Monat und immer abends. Und gemäß dem Bibelwort „Wo zwei oder drei…“ fragt sie dazu immer eine andere Person im Dorf: Machst Du mit? Sie wohnt schon lange im Dorf, kennt viele Menschen – und diejenigen, die sie anspricht, sind meist keine regelmäßigen Gottesdienstgänger – und erst recht keine geübten Gottesdienstgestalter. Ausdrucksformen und Ablauf ändern sich – je nachdem, wer mitmacht und was diese Person einbringen mag. Manchmal sind sie nur zu zweit. Aber immer öfter kommen diejenigen, die schon mal dabei waren und schauen sich interessiert an, wie die anderen es so machen. Einmal waren sogar fünf Personen versammelt.

Kleine Gottesdienste werden mehr und mehr zum Normalfall. Bisher sind wir schlecht vorbereitet auf solche Situationen. Orthodoxe Priester feiern auch ohne Gemeinde Gottesdienst – im Wissen um die Engel und unsichtbaren Mächte, die anwesend sind. Aber wir Protestanten? Unsere fantasielose Idee ist leider, den konkreten Gottesdienst ausfallen zu lassen – und irgendwann das gottesdienstliche Angebot am meist kleinen Ort ganz aufzugeben. In meiner ländlich geprägten Landeskirche ist es gerade eine Herausforderung, Gemeindemenschen, die ihre Ortskirche und den Gottesdienst lieben, zu ermutigen, auch ohne die „Profis“ Gottesdienste zu feiern. Dazu braucht es nicht viel. Zunächst nur einen Menschen mit Herz. Und eine Pfarrperson, die Rückenwind gibt und Freiheit in der Frage, wie der Gottesdienst konkret aussehen kann.

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Einfach feiern statt aufgeben

Denn es geht ja nicht einfach um eine Kopie des agendarischen Gottesdienstes, sondern um eine Feier, die dem Rahmen und den Feiernden, ihren Bedürfnissen, Möglichkeiten und auch Grenzen entspricht. Ist das klar, stellen sich Kreativität und Fantasie fast von selbst ein. Hier gibt es ein paar Tools aus meiner pfälzischen Landeskirche.

Gunter Schmitt ist Pfarrer und Systemischer Coach (EASC) beim Missionarisch-Ökumenischen Dienst der pfälzischen Landeskirche und ist dort u.a. zuständig für Gemeindeentwicklung. Außerdem ist er ehrenamtlicher Mitarbeiter in einem Erprobungsraum seiner Landeskirche.



Diesen Artikel haben wir mit freundlicher Genehmigung des Base Camp Magazins veröffentlicht.

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9 Kommentare

  1. Schrumpfende Gemeinden+Kirchen. Warum, weil bis auf kleine Ausnahmen, ist das sogen. Volk GOTTES, die CHRISTENheit weit entfernt von echter Gemeinschaft, Anteilnahme, gelebten Glauben. Die Predigten sind hohl, weil sie an den tiefen Wahrheiten vorbei gehen. Die tiefste ist es ist keine, alltags-sichtbare Liebe vorhanden, weil selbst in kleinen Dörfern keine EINHEIT unter den Gemeinden gelebt wird. Das blöde Konfessionsdenken steht wirklicher Einheit entgegen. Deshalb wird auch bei uns Druck und CHRISTENverfolgung nötig sein, damit nur noch zählt ob Jemand wirklich ein BRUDER oder SCHWESTER im Leib des CHRISTUS ist oder nicht. Alle anderen Kriterien müssen endlich aufhören. 2HERR laß alle Echten, die wirklich Wiedergeboren sind, aufwachen und EINS werden, allein in und durch CHRISTUS … AMEN !!!“

    • Ich sehe darin eher eine Entwicklung zur Normalität.

      Das Überraschende sind doch nicht die Austritte sondern das immer noch ca 50 % der Menschen hier in der Kirche sind.

      Bei allem christlichen Optimismus, aber Deutschland hat keine 50 % überzeugte Christen.

      Und hatte sie auch nie. Kirchenmitgliedschaft war eher gesellschaftliche Normalität und gesellschaftlicher Druck.

      Und das ändert sich jetzt. Ich finde daran nichts schlechtes

  2. Bei den üblichen ritualisierten Gottesdiensten immer von „feiern“ zu sprechen, ist sowieso maßlos übertrieben.
    Und nun kleine Bibelgespräche auch noch „Gottesdienst“ zu nennen, passt vollends in die kirchliche Sprachverwirrung …

    • Am Ende siegt die Liebe Gottes

      Lieber Ulrich Wößner: Mehr als 3 – 5% sind in unserer Christenheit, auch nicht in angeblich besseren Zeiten, über die Realität die mageren Zahlen von gelebten Christseins hinaus gegangen, Selbst Juden in Israel sind in dieser Bandbreite lediglich Menschen, die den eigenen Glauben auch leben. MIr ist nicht einleuchtend, wie immer man die kleinen Bibelgespräche auch nennen mag (Gottesdienst oder auch nicht), diese Bemühungen hier schlecht zu reden. Christinnen und Christen sind immer eine Minderheit. Man darf die Situation nicht schönreden, aber schlimmer zu definieren als ist ist ebenso nicht. Schon in den 1970er Jahren wurden nur diese 3% auch in den Ev. Landeskirche und kaum mehr in der Katholischen Kirche mit dem Glauben erreicht. Der Unterschied zu früher war, dass die Menschen damals nicht ausgetreten sind, heute verlassen sie meist mit Volljährlichkeit unsere Heiligen Hallen meist für immer. Dieser Trend – allerdings auch zu mehr Ehrlichkeit – wird ganz allgemein Traditionsbruch genannt, worüber auch die allermeisten Freikirchen ebenso deutlich leiden. Niemand darf hier nur schwarzsehen, aber auch nicht das Gegenteil. Die frühe Christenheit war nie eine Massenbewegung. Wenn der uns versprochene Neue Himmel und die Neue Erde so klein werden würde wie Nachfragen nach dem Licht der Welt und Salz der Erde, dann müssten wir im Ewigen Leben sehr einsam sein. Aber ich denke die versprochene Erlösung jeder Kreatur ist überdimensionierter als die Hoffnung mancher Leute. Gott kann mit seinem Erlösungswerk, mit am Ende nur Marginalität, aber niemals scheitern, sonst wäre er nicht Gott. Jesus kommt zur Erlösung, nicht als Richter. Er ist nicht umsonst für alle Menschen am Kreuz gestorben und dann auferstanden. Die Liebe Gottes wird alles erneuern und jeden mitnehmen, ganz freiwillig. Aber trotzdem sollten wir uns alle heute von Gott versöhnen lassen und auch Liebe zu Gott und den Menschen uns den guten Seiten ohne Überheblichkeit annähern. Auch, dass die Liebe (Gottes) immerzu freundlich ist und langmütig, in unserer Sprache sehr geduldig. Auch mit Israel hat Gott vor 3000 Jahren nicht gebrochen, auch nicht weil sie halsstarrig waren, heute würde man „stur“ sagen. Jesus ist nicht nur für die Frommen ans Kreuz gegangen, oder die es meinen zu sein, sondern für alle und der Himmel muss sich dabei auch was gedacht haben: Am Ende wird alles gut, weil die Liebe Gottes siegt. Wir sollten sie heute leben.

    • Wenn ich mich im kleinen Kreis mit christlichen Geschwistern treffe, dann geht es um Gemeinschaft und Aufbau.
      Da wird nichts „gefeiert“, und schon gar kein „Gottesdienst“.
      Mir geht es hier darum, auf die hohle, phrasenhafte und irreführende Kirchensprache hinzuweisen …

      • Gottesdienst wird immer GEFEIERT

        Doch, lieber Ulrich Wößner: Der Gottesdienst ist nach einer guten und sehr alten Tradition so immer als „WERK FÜR GOTT“ vorgesehen, dient also insbesondere einer guten und liebevollen Verehrung unseres Schöpfers. Der sollte dann aber auch immer gut vorbereitet sein und der notwendigen Kernbefähigung von Theologen entsprechen, wobei ich viele Jahre lang zuhause sehr gut motivierte Lektoren und Prädikanten erlebte, die sogar sehr ansprechende Trauerfeiern oder Taufen durchführen konnten. Wenn es darum geht Gott so zu loben, sollte man auch musikalisches gut vortragen können und Chorarbeit eine große Rolle spielen. Aber auch schöne gottesdienstliche Feiern, mit Kerzen, Taizelieder und dergleichen. Es ist auch durchwegs nicht immer positiv, wenn nur eine/r vor Thron und Kreuz steht, sondern öfters ein Team. Und warum ein Gottesdienst nicht „“gefeiert““ wird, hört sich eher an wie rationale Abwertung. Man kann meist nur Liebe zeigen, wenn man auch umarmt, was bei Gott nur geistlich geht, in aller Bescheidenheit und Ehrlichkeit. Aber wo kann es besser gelingen als im schönen Gottesdienst und Gemeinschaft. Also eine gesunde Portion Gefühl darf hier dabei sein echter Frömmigkeit. Wo
        dieses gut praktiziert wird, aber gerade deshalb so begehrt bei jungen Leuten, geschieht daher in Taize. Da wird niemand überlang uns
        totgepredigt, auch nicht in dozierender Form, oder nur geistig tiefgestapelt ist und vor Gott erfolgreich praktiziert wiord,, so geschieht es in Anbetung. Die hohle,Kirchensprache mag es bisweilen noch geben (damals genannt die Sprache Kanaans) , aber sie spielt gegenüber eher lieblos (und nicht gefeierten) Gottesdiensten eher ein marginales Problem. Was ich als misslich empfinde, wenn die enorm wichtige Predigt doch anscheinend für Protestantenseelen, manchmal so viele unkonkrete, aber um so mehr fromme Worthülsen hat, was man überprüfen kann, wenn spätestens die Erinnerung an den Inhalt der Ansprache vom Gehirn zuhause wegen ihrer Nichtigkeit gelöscht ist.

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