Was ist Verantwortlichen in Kirchen und christlichen Werken in diesen herausfordernden Zeiten wirklich wichtig? Heute: Andreas Boppart (Leiter Campus für Christus, Schweiz).
Von Andreas Boppart
Mich hat eine Geschichte sehr inspiriert: Ein Mann stand während des Vietnamkrieges Abend für Abend mit einer Prostest-Kerze vor dem Weißen Haus. Ein Reporter fragte ihn, ob er tatsächlich glaube, dass er mit seinem Protest etwas verändern würde. Der Mann entgegnete, dass er nicht hier sei, um irgendjemanden da drin zu verändern. „Ich komme hierher, damit sie mich nicht verändern. Ich werde nicht zulassen, dass die stetige, rasende Welle des Wahnsinns meine Menschlichkeit abnutzt.“
Als „Campus für Christus“ stehen wir hier mit unserer Kerze, um Gottes Liebe zu reflektieren. Wir stehen hier für unseren Glauben, für unsere Werte, für die Menschlichkeit und für eine Kultur der Nächstenliebe, einen christusgleichen Umgang miteinander. All das lassen wir uns nicht nehmen. Wir wissen, dass wir das manchmal auch nur kläglich hinbekommen. Aber dafür halten wir unsere Kerze hoch.
Dynamisch mittig, weil wir überzeugt sind, dass die Extreme nie heilsam sind, aber dass es in beiden Polen Göttliches zu entdecken gibt. Wir glauben daran, dass es Dinge gibt, die es zu bewahren gilt. Und wir sind überzeugt, dass sich andere Dinge auch immer wieder angetrieben durch Gottes Geist umwälzen und verändern dürfen und müssen.
Deshalb sind wir unseren Überzeugungen folgend unterwegs, fröhlich und mutig Christus hinterher.
Andreas Boppart
Biegsame Herzen
Das verlangt nach weichen und biegsamen Herzen und verhindert, dass sich mit dem Älterwerden Engstirnigkeit und Hartherzigkeit einnisten. Gleichzeitig erzeugt es eine innere Klärung und Stärke. „Selig sind die biegsamen Herzen, denn sie werden nicht brechen“, drückte es vor 400 Jahren Franz von Sales aus, Kirchenlehrer und Bischof von Genf.
Deshalb sind wir unseren Überzeugungen folgend unterwegs, fröhlich und mutig Christus hinterher. Im Wissen, dass wir viele Facetten Gottes noch nicht verstanden haben.
Die neue Kultur
Ich möchte in diesen unsicheren Zeiten meine Stimme erheben, um einen Kulturwandel lieb zu machen. Eine Kultur, die sich theologisch nicht immer noch tiefer verästeln muss, um Zugehörigkeit zu suggerieren. Eine Kultur, die den Dialog sucht, die die Vielfalt schätzt, die das Mit- und Umdenken zulässt. Eine Kultur, die Gegensätze umarmt, die Spannungen aushält und die um Christus wegen das Verbindende sucht und nicht das Trennende. Die Unterschiede nicht verschweigt, aber die eigenen Ängste mit Liebe und Gottvertrauen überwindet. Eine Kultur, in der eine eigene geklärte Orthodoxie sich mit einer großzügigen Orthopraxis verwebt. Wir brauchen keine schärfere Theologie, sondern eine christusähnlichere Kultur.
Deshalb stecken wir bei „Campus“ nicht einen Rahmen ab, der auf keinen Fall überschritten werden darf, sondern wir definieren den Kern, um den wir uns sammeln. Das ist für uns das zentrale Element und im Erlösungswerk von Gott in Jesus zu finden. Das Evangelium ist ein Feuerwerk der Erlösung und zeigt sich im Leben, im Sterben und in der Auferstehung von Jesus Christus. Und es bedingt von uns Menschen eine Hinwendung zu Gott durch Christus.
Es ist nicht einfach naiv, so zu leben und zu glauben. Sondern gottvertrauend. Denn diese Welt in der Spur zu halten, ist seine Aufgabe. Und ich mache meinen Part und halte mutig meine Kerze hoch.
Andreas „Boppi“ Boppart (1979) ist ein Schweizer Lehrer, evangelischer Theologe, Buchautor und seit 2013 Leiter der überkonfessionellen Missionsbewegung Campus für Christus Schweiz. Er liebt die unwiderstehliche Transformationskraft, die von Christus ausgeht.


Das Reich Gottes beginnt in der Seele
„Mich hat eine Geschichte sehr inspiriert: Ein Mann stand während des Vietnamkrieges Abend für Abend mit einer Prostest-Kerze vor dem Weißen Haus. Ein Reporter fragte ihn, ob er tatsächlich glaube, dass er mit seinem Protest etwas verändern würde. Der Mann entgegnete, dass er nicht hier sei, um irgendjemanden da drin zu verändern. „Ich komme hierher, damit sie mich nicht verändern. Ich werde nicht zulassen, dass auch die stetige, rasende Welle des Wahnsinns meine Menschlichkeit abnutzt.“! Mich haben diese Zeilen von Andreas Boppart (Leiter Campus für Christus, Schweiz) zugegeben absolut fasziniert. Es geht immer hier um mich, ich muss den Balken aus meinen Auge ziehen und so täglich aus der Vergebung leben.
Dies kommt meiner Haltung sehr entgegen, mich nicht in Denk- und Glaubensschubladen zuordnen zu lassen wie hier beispielsweise evangelikal, charismatisch, oder liberal. Es ist auch keine entgegengesetzte Haltung, ich bin eigentlich alles zugleich. Denn erstens ist Gott kein Mensch, seine Gedanken und Absichten sind höher als meine Gedanken und Erkenntnisprozesse. Zweitens geht es nur um den Willen Gottes. Aber dieser Wille eines sehr liebenden himmlischen Vaters und Mutters, kann wahrscheinlich niemand rein akademisch, logisch oder nur intuitiv erfassen, sondern Gotteserkenntnis und Gotteserfahrung – davon bin ich überzeugt – erfordert dass ich selbst von Gott innerlich erfasst bin. So wie das nicht wenig extrem selbstsüchtige eigenwillige Schaf (als bildliche Vorstellung im Gleichnis), welches sich von Jesus als dem Guten Hirte entfernte und sodann unter den Dornen und Disteln in große Not geriet. Aber es musste noch nicht einmal rufen (wir würden sagen „beten“), auch nicht seinen eigenen Unglauben (Atheismus) bekennen, oder von Gott nichts gewusst zu haben: Der Gute Hirte, Jesus als Heiland, machte sich auf, verließ die 99 Schafe (die nur angeblich Gerechten) um dieses hundertste Schaf zu suchen, zu finden, liebevoll wortlos auf seine Schultern zu legen und heimzutragen. So verläuft unsere Erlösung.. Gott geht mit Jesus und dem Heiligen Geist geradezu auf die Suche nach Menschenseelen, völlig ohne dass wir dafür Voraussetzungen erfüllen müssen, einen Anspruch hätten, oder es gar verdienten. Haben wir einst Gott geliebt, sind ihm abhanden gekommen, gibt es auch dafür ein Gleichnis. Nämlich jenes vom Verlorenen Sohn. Der liebende Vater wartet ohne Gardinenpredigt auf dessen gute Heimkehr.
Wenn wir dann gefunden sind, dann dürfen und müssen wir – mit allen Menschen guten Willens auf diesem Planeten – das Unrecht, Böse, jeden Krieg, auch fehlende Lieblosigkeit und den Irrsinn mancher politischen Systeme und von Machtapparaten trefflich kritisieren. Nicht in jenem Sinne, wir seien nur die Guten und alle anderen Böse. „Wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den wir vor Gott haben sollten“, steht so in der Bibel. Aber ich muss nicht glauben, wie die von Donald Trump vor allem fehlgeleiteten Evangelikalen in den USA, dass unser Universum und der kleine Planet Erde in 6 Kalendertagen erschaffen wurde, was so von das MAGA-Bewegung dort unter die Menschen gebracht wird. Ich glaube hier schlicht und einfach, dass alle Texte der Bibel an Person und Werk Jesu, auch seinem Kreuzestod und Auferstehung, ausgelegt werden müssen. Wo das Licht Gottes im Leben fehlt, herrscht Dunkelheit. Wir sehen wo Licht fehlt überall in der Welt: An den Kriegen, Morden, Terrorakten und so jedwedem Hass und Hetze. Das Opfer Jesu Golgatha versöhnt uns mit Gott und den Menschen, auch wenn sie noch Feinde sind. Aber Versöhnung unter Menschen, die Friedensaufgabe der Diplomaten in Politik auch mit herrschsüchtigen Tyrannen, ist immer unsere Pflicht hier auf der Erde.