Das Thema Migration spaltet Europa, auch die Kirchen. Ein neues Netzwerk der Europäischen Evangelischen Allianz will Migrantengemeinden und einheimische Gemeinden enger zusammenbringen.
Die Europäische Evangelische Allianz hat ein neues Netzwerk gestartet, um Migrantengemeinden und einheimische Gemeinden enger zusammenbringen. Das Netzwerk wurde bei der Konferenz „Hope for Europe 2026“ vorgestellt. Rund 250 evangelikale Leiter trafen im albanischen Golem. Das Motto lautete „Hoffnung in unsicheren Zeiten“.
Koordiniert wird das Netzwerk von Pastor Dr. Israel Oluwole Olofinjana. Die Idee werde schon seit fünf bis sechs Jahren diskutiert, sagte er gegenüber Christian Daily International. Angesichts der Migrationsdebatten sei ein Netzwerk wichtig, das den Blick auf die Zusammenarbeit von Diaspora-Gemeinden und einheimischen Europäern richte.
Olofinjana kam 2004 als Missionar aus Nigeria nach Großbritannien. Er leitete später drei baptistische Gemeinden und eine unabhängige charismatische Gemeinde, alle multikulturell. Seitdem erlebte er mehrere Migrationswellen ins Land.
Mehr als „Vermieter und Mieter“
Das Verhältnis zwischen Migrantenkirchen und etablierten Gemeinden sei unterschiedlich. Häufig nutzten Migrantengemeinden Räume anderer Kirchen. Manchmal bleibe es bei einem reinen Mietverhältnis. Andere Gemeinden feierten gemeinsame Gottesdienste oder betrieben gemeinsam Mission und Jüngerschaft. Auch nationale Allianzen spielten eine Rolle: In der Schweiz und im Vereinigten Königreich gibt es Beauftragte für Diaspora und Interkulturelles. In der Schweiz ist es Egzon Shala, Olofinjana hatte eine ähnliche Funktion zuvor im Vereinigten Königreich.
„Umstrittene Migration ist eine große Hürde“
Das größte Hindernis sieht Olofinjana in der aktuellen Wahrnehmung von Migration. Viele Kirchenmitglieder seien nicht überzeugt, dass Migration eine positive Kraft ist. So säßen Menschen neben Flüchtlingen und Asylsuchenden im Gottesdienst, ohne innerlich zu wissen, was das für sie bedeute. Er setzt auf eine biblisch begründete Theologie der Migration. Migration sei „nicht nur ein politisches Thema“.
Ziele des Netzwerks
Nach Angaben der Allianz soll das Netzwerk die ethnische und nationale Vielfalt in den Kirchengemeinschaften anerkennen, eine Botschaft der Einheit an Nationen und ihre Verantwortlichen richten, neue Stimmen zu aktuellen Themen einbinden, die Mitgliedschaft unter jungen, aufstrebenden ethnischen Kirchen erweitern.
Umgesetzt werden soll dies durch Konferenzen, Konsultationen, Gespräche zwischen den Generationen und Forschung. Außerdem sollen Pastoren für die Leitung multikultureller Gemeinden geschult und mit praktischen Hilfen versorgt werden. Das Netzwerk will nationale Allianzen, Diaspora-Netzwerke und interkulturelle Netzwerke verbinden. Pastoren, die angesichts der Polarisierung unsicher sind, rät Olofinjana, bei der Bibel zu beginnen und nicht den Algorithmen sozialer Medien zu folgen. Den Unterschied zwischen legaler und illegaler Migration erkenne er an. Ausgangspunkt der christlichen Antwort seien aber Gastfreundschaft und Jüngerschaft, nicht die Politik.
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