Am 31. Oktober wird der Reformationstag begangen, der an einen geistlichen Aufbruch erinnert, dessen Wirkung bis heute reicht. Bischöfin Fehrs betont, dass Aufbruch auch Raum zum Innehalten braucht, während der rheinische Präses Thorsten Latzel dazu aufruft, Hass und Ausgrenzung entschieden entgegenzutreten.
Der Reformationstag erinnert an einen geistlichen Aufbruch, der Denken, Kultur und Gesellschaft bis heute prägt. „Reformation heißt, die Dinge nicht hinzunehmen, wie sie sind“, betont die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs in einer Pressemitteilung.
Reformation bedeute, Veränderungen entschlossen anzupacken, im Vertrauen darauf, dass Gott mit uns geht, so Fehrs. Gott traue den Menschen zu, Dinge zu prüfen und zum Besseren zu wenden. Dieses Zutrauen sei die Kraftquelle der Transformation und Weiterentwicklung. Der Reformationstag, der am 31. Oktober gefeiert wird, sei daher nicht in erster Linie ein Blick zurück, sondern ein Impuls nach vorn: „Die Reformation erinnert uns daran, dass Veränderung möglich ist.“
Zugleich brauche Aufbruch auch Innehalten, betont Fehrs. „Wer sich verändern will, muss Raum haben, neue Gedanken zu fassen und eine andere Ausrichtung zu finden.“ Luthers Mut, Dinge zu hinterfragen, sei Auftrag und Ermutigung zugleich. In einer Zeit, in der zunehmend nicht mehr die Stärke des Rechts, sondern das Recht des Stärkeren zähle, brauche es Menschen, die sich einsetzen und mutig das Wort ergreifen. „Auch heute leben wir in einer Zeit voller Umbrüche“, so Fehrs. Den zentralen Festgottesdienst der EKD hält sie am 31. Oktober in der Schlosskirche in Wittenberg.
Rheinischer Präses Dr. Latzel: „Teil einer 3000 Jahre alten Hoffnungsbewegung“
Auch der rheinische Präses Dr. Thorsten Latzel beschreibt das evangelische Selbstverständnis im Blick auf den Reformationstag. „Als evangelische Kirche verstehen wir uns als Kirche des Wortes, oder genauer des Hörens. Wir sind eine Hör-Gemeinschaft. Teil einer 3000 Jahre alten Hoffnungsbewegung. Älter als die Reformation. Älter als die ersten christlichen Gemeinden.“ Latzel fasst es zusammen: „Wir leben aus der guten Botschaft, dass Gott mitten unter uns gegenwärtig ist.“
In einer Pressemitteilung ruft Latzel dazu auf, Hass und Ausgrenzung entgegenzutreten. Christliche Freiheit bedeute, aus dem Glauben heraus zu lieben und zu hoffen, auch angesichts von Krieg, gesellschaftlicher Verunsicherung und rassistischen Parolen. Der Präses betont die Bedeutung von Freiheit und Gemeinschaft und ermutigt dazu, sich für Frieden, Bildung und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Der Reformationstag sei eine Gelegenheit zur evangelischen Selbstbesinnung.
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