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„Stille2go“ am Karlsruher Hauptbahnhof

Hauptbahnhof Karlsruhe, morgens um 7 Uhr. Menschen in in kiwi-grünen Aktionsjacken verteilen kleine Pakete mit Ohrstöpseln: „Stille2go“. Pfarrerin Silke Obenauer erklärt die Aktion und warum Stille so wichtig ist – für sie persönlich und die Kirche.
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Frau Obenauer, was ist für Sie das Besondere an der Stille?

In der Stille finde ich einen Zugang zu mir und zum Grund meines Lebens, zu Gott. Wenn ich länger in die Stille gehe, zum Beispiel bei Exerzitien, ist es oft zunächst sehr laut – alles, was ich sonst so wegdränge, meldet sich. Aber nach und nach wird es ruhiger in mir und ich sehe und spüre klarer. Die eine Stille, die mich tiefer mit mir und Gott in Berührung bringt, kann ich letztlich nicht machen, sie ist ein Geschenk.

Stille wird oft mit einem Kloster verbunden. Sie waren jedoch am Karlsruher Hauptbahnhof unterwegs. Warum gerade dort?

Die Idee zu „Stille2go“ ist im Rahmen der „Woche der Stille“ in Karlsruhe entstanden. Dort haben wir mit den Kirchen und weiteren religiösen und säkularen Partnern zusammen eine Woche lang ganz unterschiedliche Angebote zum Thema Stille gehabt. Meistens „Komm-Angebote“. Mir war es wichtig, dass Stille auch zu den Menschen hingeht, dorthin, wo sie sind, in ihren Alltag, irgendwohin, wo sie es nicht erwarten, aber Stille wohltuend ist.

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Als Bahnfahrerin kam mir der Hauptbahnhof in den Sinn, wahrlich ein lauter Ort. Dort sind Menschen, die eine Zugfahrt vor sich haben – und sich dabei vielleicht nach ein wenig Stille sehnen. So haben wir Reisende mit Stille beschenkt: mit Ohrstöpseln, in einer kleinen Karton- Verpackung mit professionellem Design, auf der Verpackung eine Internetadresse, die einen kurzen Impuls für eine Unterbrechung am Morgen und für Stille bietet.

„Heilsame Unterbrechung im Alltag“

Wie waren die Reaktionen auf Ihre Ohrstöpsel?

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Die Erfahrungen waren durchweg positiv. Menschen haben sich bedankt, waren überrascht, etwas geschenkt zu bekommen, was keine Werbung ist. Ab und an sind längere Gespräche entstanden, über Kirche, oder Menschen haben aus ihrem Leben erzählt. Es war teilweise sehr persönlich. Mich begeistert es einfach zu experimentieren, wie im Alltag etwas vom Evangelium aufleuchten kann: Menschen fühlen sich beschenkt – als Christinnen und Christen können wir das als Gnade deuten – oder es wird durch die geschenkte Stille eine heilsame Unterbrechung mitten im Alltag möglich, die ein kleines Fenster zu einer anderen Dimension von Leben aufmachen kann.

Wo benötigt Kirche wieder mehr Stille?

Wenn ich an unsere Sitzungskultur denke, dann wünsche ich mir dort öft er mal Stille – einfach zwischendurch, zum Beispiel wenn Gespräche sich im Kreis drehen. Dann innehalten, nach innen hören oder wie ein Kollege sagte: Den Geist durchwehen lassen. Und danach erzählt jeder kurz, was ihm oder ihr persönlich wichtig geworden ist in der Stille – unkommentiert. Meine Erfahrung ist, dass sich dann oftmals etwas Wichtiges zeigt, aber ohne Garantie.

Trotzdem eine Empfehlung?

Unbedingt! [lacht] Wir leben in einem großen Umbruch als Kirche. Die Gefahr ist nun, dass wir in einen unguten Aktionismus kommen und den Kontakt zu uns, zu Gott und zu den Menschen verlieren. Zurücktreten, Innehalten, Stille könnte dazu führen, wieder mehr in Kontakt zu kommen, vielleicht auch für ganz neue Wege offen zu werden, die sich dann zeigen. Das ist aber auch gefährlich, weil wir dann Kontrolle aufgeben und uns mehr dem Geistwirken überlassen. Eine schöne Gefährlichkeit!

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Ulrich Mang

Silke Obenauer ist Pfarrerin bei den Missionarischen Diensten der badischen Landeskirche. Sie ist dort unter anderem für Kirche in neuen Formen zuständig.

Link: Stille2go

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