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Streit: Jordanien will Schriftrollen vom Toten Meer

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Jordanien fordert von der UNESCO, die berühmten Schriftrollen vom Toten Meer von Israel ausgehändigt zu bekommen. Diese 2.000 Jahre alten Abschriften von Bibeltexten, Gebeten und Texten der messianisch ausgerichteten so genannten Essener-Sekte in Hebräisch, Griechisch und Aramäisch zählen zu den bedeutendsten archäologischen Kulturobjekten der Menschheit.

 Jordanien behauptet, einen Besitzanspruch auf diese einzigartigen jüdischen Schriftstücke aus der Zeit Jesu beweisen zu können. Israel habe sich die Rollen 1967 bei der Eroberung von Ostjerusalem widerrechtlich angeeignet. Agenturberichte zitieren Rafea Harahscheh, den Leiter der Altertumsbehörde Jordaniens, erwähnen dabei aber nicht, wann sich Jordanien in dieser Angelegenheit an die UNESCO gewandt hat.

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Jordanien habe versucht, einige Tote-Meer-Rollen ausgehändigt zu bekommen, die der Staat Israel zwecks einer Ausstellung nach Toronto in Kanada geschickt hatte. "Wir bemühen uns, unsere gestohlenen Antiquitäten erstattet zu bekommen, darunter auch die Tote-Meer-Rollen. Der Diebstahl unserer Antiquitäten verletzt internationale Verträge und die Ethik“, wird Harahsheh zitiert.  

 Die Rechtslage ist in der Tat verzwickt und hat schon zu internationalen Skandalen geführt. Zudem existieren etliche Verschwörungstheorien rund um die Rollen. Einige Texte würden vom Vatikan geheim gehalten, so die Autoren eines Buches mit dem Titel "Verschlusssache Jesus". Deren Veröffentlichung könnten die Grundfesten des christlichen Glaubens und besonders der katholischen Kirche erschüttern. Seriöse Wissenschaftler halten das für "lächerlich", zumal inzwischen alle bekannten Dokumente veröffentlicht seien.

 Große Empörung gab es vor einigen Jahren in der wissenschaftlichen Welt, als die Israelis eigenmächtig eine endgültige Veröffentlichung aller Texte vorantrieben. Ursprünglich hatte ein internationales, von Jordanien ernanntes, Wissenschaftler-Konsortium das exklusive Recht erhalten, die Texte mit wissenschaftlichen Publikationen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Israelis waren von diesem Konsortium ausgeschlossen.

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 Weil sich die Publikation über Jahrzehnte hinzog, beschloss die israelische Altertumsbehörde 1990, den bis dahin vertraglich eingeschränkten Zugang zu den Originaldokumenten zu lockern. Gleichzeitig wurde der israelische Forscher Emanuel Tov beauftragt, eine beschleunigte Veröffentlichung der Pergamente mit teilweise nur winzigen Textbruchstücken voranzutreiben.

 Die ersten Rollen wurden mit einem Zufallsfund 1947 in Qumran am Toten Meer von Beduinen gefunden. Zu dieser Zeit stand Palästina unter der Verwaltung der britischen Mandatsmacht. 1948 eroberte Jordanien das Westjordanland und Ostjerusalem. Die jordanische Besetzung und spätere Annexion des ganzen Gebietes wurde völkerrechtlich niemals anerkannt. Bis 1967 wurden weitere Rollen gefunden und im Rockefeller-Museum in Ostjerusalem, dem damaligen Palästina-Museum, eingelagert.

 Ein Teil der historischen Dokumente, darunter die mysteriöse Kupferrolle und das Testimonium-Fragment, wurde aus dem besetzten Gebiet nach Amman gebracht und ist heute im Museum auf der Zitadelle der jordanischen Hauptstadt ausgestellt. Ein anderer Teil der Rollen liegt bis heute im Keller des Rockefeller-Museums. Einige werden im Israel-Museum im Westteil der Stadt im "Schrein des Buches" ausgestellt und in speziellen klimatisierten Tresoren gelagert.

 Solange es keinen palästinensischen Staat gibt und die Palästinenser lediglich Anspruch stellen auf die Fundstelle am Toten Meer oder auf das Museum in Ostjerusalem, fragt sich, wieso die Jordanier als ehemalige Besatzer dieser Gebiete heute Besitzansprüche stellen können. Ob die Israelis die Rollen tatsächlich als ihr "Eigentum" betrachten, zumal sie gewiss eher jüdisches Kulturerbe sind, als arabisches, muslimisches oder gar jordanisches, konnte die israelische Altertumsbehörde auf Anfrage nicht sofort beantworten. "Wir müssen Ihre Fragen noch genau prüfen. Sie werden in nächster Zeit eine Antwort erhalten", schrieb die Sprecherin der Altertumsbehörde.

 Eine echte Entscheidung wird erst getroffen werden müssen, wenn der Staat Palästina errichtet worden ist. In den Osloer Interims-Verträgen zwischen Israel und der PLO aus dem Jahr 1995 steht, dass die Verteilung archäologischer Fundstücke erst in den "Endstatus-Verhandlungen" festgelegt werde. Diese Verhandlungen haben bekanntlich bis heute nicht einmal begonnen. Völlig unklar ist, wie Jordanien Rechtsansprüche stellen kann auf archäologische Funde, die nicht in seinem eigenen völkerrechtlich anerkannten Staatsgebiet gemacht worden sind und später auch nicht in Jordanien eingelagert wurden. 

(Quelle: Israelnetz.com)

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