Im Ulmer Münster wird dieses Jahr im Advent die Krippe mit den „Heiligen Drei Königen“ nicht aufgestellt. Damit soll eine mögliche Rassismusdebatte um den dunkelhäutigen König Melchior vermieden werden. Der Knackpunkt ist nicht die Hautfarbe.

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Einen entsprechenden Beschluss, die Krippe in einer anderen Variante zu zeigen, habe der Kirchengemeinderat in seiner jüngsten Sitzung getroffen, sagte der evangelische Dekan Ernst-Wilhelm Gohl dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Gohl erläuterte, der von einem Künstler vor rund 100 Jahren gestaltete Ulmer Melchior sei eine Besonderheit in mehrfacher Hinsicht. Er sei vermutlich der einzige heilige König mit Brezel in der Hand. Gleichzeitig sei er so geschaffen, dass er rassistisch geprägte Stereotype anspricht mit seinen wulstigen Lippen, seiner Körperfülle und seinem Goldreifen an den nackten Fußknöcheln.

Die historische Krippe wurde vor rund 30 Jahren gestiftet, mit der Auflage, sie jährlich ab 1. Advent im Münster auszustellen. Gohl unterstrich, dass es bei der Krippenaufstellung nicht darum gehe, den schwarzen König zu unterschlagen. Infrage stehe die Art der Darstellung. Wie mit dem Ulmer Melchior künftig umgegangen wird, soll trotz des vorzeitigen Aufsehens erst nach Weihnachten und in Ruhe öffentlich diskutiert werden, kündigte der Dekan an.

14 DIREKT-KOMMENTARE

  1. wie wenn das was am rassismus ändern würde, der ist in den köpfen der menschen, da ist egal ob der „schwarze“ könig in der krippe steht oder nicht. ich schätze unseren dekan gohl sehr, aber damit wird er nicht viel bezwecken.
    zudem es im münster schon rassistische“ beschmutzungen“ gab.

    • Es geht um diese spezielle – tatsächlich doch sehr spezielle – Darstellung des schwarzen Königs. Nicht um den schwarzen König allgemein.
      Ich hätte diese seltsame Figur nie gezeigt. Einfach mal danach googeln.

  2. Die Rassisten sind wohl der Kirchengemeinderat die diese Entscheidung getroffen haben, Diskussion über Rassismus ist wichtig. Aber bei allen Entscheidungen Rassismus vorzuschieben nicht!

  3. Neee,oder ?? Wollen wir jetzt alle von Künstlern vor Jahrhunderten geschaffenen Figuren wegen der Darstellung spezieller Merkmale verschwinden lassen? Vermutlich hatten Josef,Maria und Jesus auch für Israel damals „typisch israelisch jüdische“ Gesichter- müssen die dann auch als eventuelle Streitobjekte aus der Krippe ausziehen?

  4. Was machen nur diese Leute, wenn sie erfahren, daß der Mensch Jesus von Nazareth als Angehöriger der semitischen Rasse eine bräunliche Hautfarbe hatte?
    Inzwischen ist diese Debatte wg. Rassismus und dergleichen auf einem absolut niedrigen Niveau. Man fühlt sich bei solchen Situationen zurückversetzt in die Zeit der Bilderstürmer vor mehreren hundert Jahren.

  5. Da muß man sich schon an den Kopf langen, was hier ein evangel. Dekan Ernst-Wilhelm Gohl als Prälat (= Regionalbischof) von Ulm in der Prälatur (= Region Ulm/Blaubeuren) und der Ulmer Kirchengemeinderat beschlossen haben!!! Was hat denn der schwarze König Melchior mit Rassismus zu tun?
    Lasst die Krippe, wie sie Jahrhunderte lang war, so wie sie ist im Ulmer Münster!

  6. Im SWR-Fernsehen gab es einen Beitrag, in dem die Krippefiguren gezeigt wurden. Es stimmt tatsächlich: Die Darstellung des schwarzen Königs ist wirklich fragwürdig. Gleiches gilt für mich aber auch für die anderen Krippefiguren, die ich im Beitrag gesehen habe. Vielleicht ist es wirklich besser, wenn man diese Figuren in diesem Jahr nicht ausstellt und sich im nächsten Jahr für weniger pointierte Figuren entscheidet.

  7. schlimm, was seit langem hier in diesem Land und in unseren Köpfen so abgeht…
    in allem und jedem wird plötzlich nur noch Negatives gesehen – eine *heil*lose Welt –
    wir irren umher wie Schafe, die keinen Hirten mehr haben

  8. Es ist etwas abstrus die „Heiligen Drei Könige“ mit Rassismus in Verbindung zu bringen. Sie stehen für die Menschen dieser Erde, die zu Jesus kommen und dafür, das Rasse und Ethnie bei Jesus keine Rolle spielen. Also genau für das Gegenteil von Rassismus!

  9. Also wenn ich mir das Bild

    https://p5.focus.de/img/fotos/origs12515785/4274182278-w630-h419-o-q75-p5/melchior-ulm.jpg

    anschaue, dann fällt mir tatsächlich nur das Wort „Negerkönig“ ein. Also ich finde die Figur rassistisch. Ein schwarzer König, den man respektieren könnte, sieht anders aus.

    Allerdings: die weißen Figuren sind auch nicht gerade geglückt, dazu fällt mir „Zwergenkönige“ ein. Also am besten die ganze Gruppe austauschen.

    Vielleicht könnte man ja auch als „biblical correctness“ auf die Kronen verzichten, und statt der drei Könige sieben Weise zeigen? Steht schließlich nirgendwo geschrieben, dass es nicht 7 Weise waren …

    • Vielleicht waren es auch „Weiser*Innen* . Sie haben Recht: Die Nachbildung dieser biblischen Personen ist so katastrophal missglückt, dass sie längst hätten verschrottet werden sollen und nicht erst nach einem zur Mode gewordenen Rassismusvorwurf. Diese angebliche sprachliche „Korrektnis“ zu lesen und zu hören! ist fast nicht mehr auszuhalten! Ich bin eine Frau oder – ich weiß nicht genau – eine Mann*In?

  10. In der Tat ist die Entfernung der gesamten Krippe überfällig – nicht wegen Rassismusunterstellung, sondern weil a l l e Figuren in ihrer Hässlichkeit unerträglich anzuschauen sind! Weg damit und a l l e n – neuen – Figuren menschenwürdiges Aussehen verleihen. .
    Absurd ist die Diskussion über einen „s c h w a r z e n“ König, wie allenthalben jetzt auf der Tagesordnung, trotzdem.
    Daneben, um vollkommen in „Absurdistan“ anzukommen: Das NT kennt kennt weder Anzahl noch Namen von den Kripppebesuchern. Vielleicht (mich sträuben sich eigentlich meine Finger, um diese Absurdität einzutippen!) waren es ja auch „Könige*Innen“?

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