Samuel Koch ist nach seinem Auftritt auf der MEHR sichtlich berührt. Denn das Publikum will gar nicht mehr aufhören zu applaudieren. Zu Recht. 
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Von Nathanael Ullmann

Minutenlangen Applaus gibt es für Samuel Koch schon, da hat er noch gar nichts gemacht. Wobei das nicht ganz stimmt. Denn er ist auf der Bühne. Er hätte allen Grund, zuhause zu sitzen und mit Gott nichts mehr zu tun haben zu wollen. Seit einem Unfall bei „Wetten, dass …?“ im Dezember 2010 ist der ehemalige Leistungssportler querschnittsgelähmt. Und doch, er ist – sinnbildlich – wieder aufgestanden. Das ist einen Applaus wert. Aber nicht nur mit seiner Geschichte verdient sich Koch diese Zustimmung.

Niesen als Opener

Um es mit den Worten der Konferenz zu sagen: Er ist mehr als seine Behinderung. Er ist Schauspieler. Das wird bei seiner Rede immer wieder deutlich. Mühelos führt er die Besucher der MEHR durch humorvolle Passagen, um wenige Augenblicke später bierernst zu werden. Da erzählt er eine Anekdote aus seiner Kindheit, dort mimt er Judas. Bei alldem wirkt er vor allem eines: ehrlich. Trotz viel Show sind die Kernaussagen ganz real. Die Zuschauer hängen an seinen Lippen.

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Schon der Beginn von Kochs Wortbeitrag fällt aus der Reihe. Er beginnt nicht etwa mit seinem tragischen Unfall, sondern mit einer simplen Turnverletzung. Acht Wochen lang durfte er nach einem Bruch nicht niesen. Voller Selbstironie beschreibt er, wie die Erleichtung danach war: „Manchmal weiß man etwas wirklich zu schätzen, wenn man es lange Zeit entbehrt hat.“ Doch was, wenn jemand etwas bis zum Tod vermissen wird? Davon weiß Samuel Koch nur zu gut zu berichten. Denn nach seiner Querschnittslähmung wird er ein Leben lang nicht mehr richtig niesen können – und so vieles mehr nicht.

Samuel Koch sitzt in einem Rollstuhl auf der MEHR-Bühne.
Foto: Nathanael Ullmann / Jesus.de

Plötzlich ist der Vortrag sehr ernst: Es geht um Resilienz, also die Fähigkeit, Krisen zu überwinden. Ratgeber hätten da nicht geholfen. Die sieben Säulen der Resilienz rieten beispielsweise Dinge wie Optimismus oder die Opferrolle zu verlassen. Wenn man mit Eltern spreche, die ihr Kind verlieren, reiche das nicht weit genug. Da müsse es doch mehr geben, sagt der Redner.

1+

Koch nähert sich diesem Mehr mit einer Anekdote – wieder vollkommen fröhlich: Sein Vater habe ihn, entsprechend der Schulnote, immer wieder mit „1+“ ausgezeichnet – und zwar ganz ohne Kontext. Ganz plötzlich habe er einfach „1+“ gesagt. „Und als ich das erste Mal mit einer schlechten Schulnote nach Hause kam, hat er mir das teuerste Jojo geschenkt, das gerade auf dem Markt war.“ Damit habe er gezeigt: Er liebe bedingungslos – unabhängig der Leistung. Viele definierten sich über das Tun oder Haben. Wichtiger sei jedoch das Sein. „Vielleicht heißt es deshalb im Englischen ‚Human beeing‘ und nicht ‚Human doing'“, sagt er treffend. Wieder Applaus.

Nichts tun sei aber nicht des Rätsels Lösung, so Koch weiter. Viel mehr sei seine Botschaft: „Ihr braucht nichts tun, aber tut was.“ Das sei kein Widerspruch. Auf vertikaler Ebene, der zu Gott, dürfe man empfangen. Auf horizontaler, zum Mitmenschen, ins Tun kommen. Auch Koch handelt – im Theater. Und das über alle Herausforderungen hinweg: „Wir arbeiten nur professionell, aber nicht mit Behinderten“, hatten manche Professoren ihm an der Schauspielschule gesagt. Koch machte trotzdem weiter. Heute ist er im Ensemble des Mannheimer Nationaltheaters.

Plötzlich Judas

Dass hier wirklich seine Berufung liegt, zeigt er unmittelbar im Anschluss. Plötzlich ist da auf der Bühne nicht mehr wirklich Samuel Koch – nicht mehr körperlich, nur noch leiblich. Samuel Koch spielt Judas. Der habe Jesus gar nicht umbringen wollen, nur wachrütteln, erzählt er in dieser Rolle. Kurz darauf wechselt der Schauspieler wieder den Modus. Jetzt gibt er den Ratschlag: Nicht vorschnell über die Judasse der Welt zu urteilen. Und zu guter Letzt: Auch über sich selbst nich zu harsch zu richten, Vergebung anzunehmen.

Nach Samuel Kochs Vortrag applaudiert das Publikum für Minuten. Viele stehen auf. Der Schauspieler ist sichtlich gerührt. Eigentlich hätte nach seiner Rede noch ein Interviewteil zusammen mit Johannes Hartl angestanden. „Aber ich habe das Gefühl, das würden wir jetzt einfach zerreden“, sagt dieser auf der Bühne: „Das war gerade so bewegend, was du erzählt hast, Samuel, das war so tief.“ Statt einer Fragerunde gibt es spontan Gebet und anschließend ein paar Lieder mit Lobpreisleiter Jeremy Riddle. So können die Worte von Koch wunderbar nachhallen.

2 DIREKT-KOMMENTARE

  1. Jesus weint immer noch, weil er mit Ansehen musste, wie ein junger fröhlicher Mensch seine Gesundheit für Judaslohn opferte, nur das sich andere Menschen in dieser Plutokraten-Welt daran ergötzen konnten….Aufwachen und Besinnen und die christlichen Werte finden…

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