Wegen Trump-Wahl: Evangelikale Journalistin bricht mit evangelikalen Wählern

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Katelyn Beaty war die erste Redaktionsleiterin der evangelikalen US-Zeitschrift Christianity Today. Aber sie erkennt ihre Glaubensgenossen nach der Präsidentenwahl von Donald Trump nicht wieder. Deswegen distanziert sie sich in einem Kommentar von den Evangelikalen.
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In der amerikanischen Tageszeitung Washington Post hat die ehemalige Redaktionsleiterin der evangelikalen Zeitschrift Christianity Today, Katelyn Beaty, die Präsidentenwahl von Donald Trump als großen Fehler bezeichnet. Das beherrschende Gefühl nach der Wahl sei Trauer gewesen, schreibt Beaty am Montag in einem Kommentar.

Aus der Trauer habe sich dann eine Art „seelische Kapitulation“ entwickelt: „Nachdem 81 Prozent meiner weißen Glaubensgenossen in der Präsidentenwahl Trump unterstützt haben, fühlt sich der Glaube, den ich für 20 Jahre als meine Identität betrachtet habe, fremd, ja, feindselig an.“

Sie erzählt, wie sie sich mit 13 Jahren dafür entschieden hat, ihr Leben Jesus Christus zu widmen. Schnell sei sie mit einer Jugendgruppe in Verbindung gekommen, die Reisen organisierten, um Waisen zu unterstützen oder Gottesdienste zu besuchen. „Dahinter steckte eine ehrliche Naivität meinerseits, die ich jetzt erkenne“, schilderte Beaty. Aber sie blicke auch mit Dankbarkeit auf den evangelikalen Glauben zurück, der ihr im Leben authentische Freundlichkeit und Ehrfurcht lehrte.

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„Evangelikal zu sein, hat nichts mit Politik zu tun“

„Der Glaube hat mir gezeigt, dass Gott in dieser Welt eine Kraft ist, welche die tiefen Wunden dieser Welt heilen kann“, schreibt Beaty. Auch als Erwachsene habe sie den evangelikalen Glauben trotz seiner Eigenarten und Ausschweifungen verteidigt. Gegenüber ihren säkularen Freunden rechtfertigte sie ihren Glauben zum Beispiel damit, dass evangelikale Organisationen viel für Opfer der Zwangsprostitution und Flüchtlinge tun.

Ihre Haltung als Herausgeberin von Christianity Today war immer, dass evangelikal zu sein, nichts mit Politik, aber alles mit Theologie zu tun habe. Politisch unterschiedliche Meinungen in der Redaktion habe sie überwunden, um gemeinsam das Evangelium in der Kirche zu besingen und nicht, um zu einer homogenen Wählergruppe zu werden.
Im Wahlkampf hätten sich keine ihrer evangelikalen Freunde lauthals auf die Seite von Donald Trump geschlagen. Es herrschte nur ein Gefühl vor, dass die Gegenkandidatin Hillary Clinton auch keine gute Wahl sein würde. Beaty aber war der Überzeugung, dass ein Wahlsieg des Republikaners der in ihren Augen bereits fragil erscheinenden Demokratie weiter schaden würde.

US-Wahl führte zum Bruch mit dem Glauben

„Als ich nach der Wahl aufwachte, erkannte ich, dass mich mit der evangelikalen Familie nichts mehr verband“, erzählt Beaty. Das Wort „Evangelikal“ habe seine Wurzeln in der Übersetzung „Gute Nachricht“ (evangel). Evangelikale behaupten, einem Mann zu folgen, der sich für Armen und Bedürftige einsetzt und Menschen liebt, die andere verstoßen haben.

Naiv sei Beaty nicht. Sie wisse aber, dass mit solchen Werten heutzutage keine Politik zu machen sei. „Aber als Evangelikale anfingen, schlechte Nachrichten für viele andere Amerikaner zu bedeuten, hatte sich die Bewegung zu weit von ihren Wurzeln entfernt“, schreibt die ehemalige Herausgeberin von Christianity Today. Der evangelikale Glaube stehe heute in den USA für „weiße Privilegien“. Die Evangelikalen hätten im Wahlkampf einen Kandidaten unterstützt, für den sich der rassistische Geheimbund Ku-Klux-Klan eingesetzt hat.

Die Evangelikalen haben in ihren Augen auch einen Kandidaten unterstützt, der gegen Muslime, Frauen und Immigranten gehetzt hat. Trumps Präsidentschaft bedeute eine Gefahr für die Schwachen in der Gesellschaft, für die sich die Kirche doch eigentlich einsetzen sollte: „Bei diesen Wahlen kann ich meine Leute nicht verteidigen, ich erkenne sie fast gar nicht mehr wieder.“

Katelyn Beaty war seit vier Jahren die Redaktionsleiterin der evangelikalen Zeitschrift Christianity Today. Sie war die erste Frau, die dieses Posten bekleidet hat. Die Journalistin setzte sich im US-Wahlkampf gegen den republikanischen Kandidaten Trump ein. Sie schrieb vor allem kritische Artikel über Trumps Frauenbild.